Edward Snowden, ein Whistleblower. Für mich ist er ein Held, denn er hat das einzig richtige getan: Er hat der Welt gesagt, wie schlimm es wirklich ist.
In den USA ist der Überwachungsstaat schon weit forgeschritten. Man mag meinen, dass dies an der Mentalität des Amerikaners liegt. Schon immer war er ängstlich, seine Geschichte besteht schließlich fast nur aus Angst und Macht. Doch auch bei uns wird der Überwachungsstaat kommen. Wenige werden sich wehren. Wenige werden es überhaupt bemerken - außer man führt ihn kurzfristig ein.
Wir sind schon weit: Wir hatten schon die Vorratsdatenspeicherung, den großen Lauschangriff, weitflächige Videoüberwachung, etc. Doch kaum jemand schert sich darüber. Und das ist kein Wunder.
Der Mensch gewöhnt sich an alles. Lang einwirkende Reize werden irgendwann unterdrückt, wir habituieren. Der Trick ist einfach nur lang genug zu warten. Unsere Wahrnehmung verändert sich mit jeder neuen Information. Das ist zum einen ein Vorteil, zum anderen kann man dadurch aber auch einen jeden Schweinestaat, eine jede bosartige Gesellschaft, eine jede böse Tat zum Alltag, zur Norm machen.
Bezugssysteme: Wir verstehen unsere Welt, indem wir ihre Bestandteile aufeinander beziehen. Die hohe Lautstärke in einer Disco wird z.B. dadurch verständlich, dass wir sie mit Licht, Leuten, Musikanlagen, etc. in Bezug setzen.
Bezugssysteme sind ein möglicher Wert der Erklärung dieser Gewöhnung. Bezugssysteme werden von einem bestimmten Ankerpunkt aus gebildet. Dieser entspricht dem mittleren Niveau eines Reizes. Ein Geräusch wirkt dann laut, wenn die mittlere Lautstärke unter diesem Geräusch liegt. Der Überwachungsskandal der NSA, der USA liegt aktuell über unserem mittleren Punkt der Überwachung. Kein Wunder, dass viele nun aufschreien. Doch der Ankerpunkt wird sich verändern. Die Überwachung wird noch stärker werden uns irgendwann verschiebt sich auch das mittlere Niveau. Ein Überwachungskandal wie der jetzige, wird dann zum Normalzustand. Niemand wird aufschreien, niemand wird sich darum scheren, weil unsere Wahrnehmung sich verändert hat.
Dieses Wissen ist wertvoll. Denn es sagt uns ganz klar: Wir müssen jetzt reagieren, denn sonst haben wir uns bald daran gewöhnt. In diesem Sinne finde ich es sogar sinnvoll Adolf Hitler zu erwähnen. Auch er ging Schritt für Schritt vor. Immer kleine Skandale, die Leute gewöhnten sich daran und irgendwann gab es dann Nazideutschland.
Mein Ratschlag für die aktuelle Situation ist: Sanktionen gegenüber der USA, Verschärfung der Verfassungen unserer Staaten. Es hat keinen Sinn nett mit der USA zu reden. Schon bald wird die Schweinerei wieder normal sein und es wird den nächsten Skandal geben. Es liegt an uns Europäern die USA in ihre Schranken zu weisen. Ich rede hier von wirtschaftlichen Sanktionen, von Einbestellung des amerikanischen Botschafters, von klaren Worten an die USA: So geht es nicht.
Und noch viel wichtiger ist die Verschärfung unserer Verfassungen. Das Überwachungsverbot muss in jedem Staat in die Grundrechte. Und es darf keine Möglichkeiten geben es zu umgehen. Denn wir werden uns daran gewöhnen uns dann gibt es nur eines was uns vor dem Überwachungsstaat retten kann: Das Gesetz, die Verfassung.
Dies ist sicherlich ein recht politischer Beitrag, aber ich halte ihn für nötig. Es kann kaum jemand die Interesse daran haben, in einem Überwachungsstaat zu leben.
Quintessenz:
Der Mensch gewöhnt sich schnell an alles, jede Schweinerei, jede noch so böse Tat, solange man es nur langsam genug macht. Das ist der Grund weshalb auch wir den Überwachungsstaat bekommen werden, wenn wir uns nicht sofort wehren.
"Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren."
Benjamin Franklin
Mittwoch, 3. Juli 2013
Donnerstag, 27. Juni 2013
Warum der Therapeut nicht die Lösung ist
Lange ist es her, seitdem ich das letzte Mal hier gepostet habe. Das 2. Semester neigt sich zuende und ich merke immer mehr: Der Psychotherapeut ist nicht das Ziel.
Er ist deshalb nicht das Ziel, weil er auf der falschen Seite des Problems steht.
"Es ist kein Maß für Gesundheit in einer zutiefst kranken Gesellschaft gut angepasst zu sein."
Dieses Zitat von Jiddu Krishnamurti beschreibt kurz und knapp weshalb der Therapeut auf der falschen Seite des Problems steht. Therapie hilft meistens dem Menschen sich an die Gesellschaft anzupassen. Aber ist es wirklich erstrebenswert sich an eine Gesellschaft anzupassen, die krank macht?
Der Therapeut kümmert sich um die, die bereits verletzt sind, die Hilfe brauchen, das ist gut, aber es darf nicht die Lösung sein. Es betreibt nicht mehr als Symptombehandlung. Leider Gottes hält der Therapeut durch seine Möglichkeit der "Heilung" eine kranke Gesellschaft aufrecht.
Eine Frage ist nun natürlich: Ist unsere Gesellschaft wirklich so schlimm? Meine Antwort darauf ist: Sie ist sicher nicht die schlimmstmöglichste, aber dennoch keine gute Gesellschaft. Wir haben Wohlstand, wir müssen nicht hungern, doch wir werden nicht mehr glücklich. Wir idealisieren die Liebe. Wir suchen unser ganzes Leben nach dem Sinn, währenddessen wir dem Lauf der Gesellschaft folgen.
Ich möchte kein Teil der Aufrechterhaltung dieser Gesellschaft sein. Ich möchte dem Menschen wahrlich helfen. Doch wie soll das gelingen?
Fakt ist: Der Mensch ist mehr durch die Gesellschaft determiniert, als er denkt. Klarer wird dieser Sachverhalt vielleicht, wenn wir über Kultur und nicht über Gesellschaft sprechen. Kultur - das ist das was wir tun. Sie zeig sich in perfomativen Handlungen. Jeder Einzelne von uns lebt in verschiedenen kulturellen Welten, jeder Einzelne von uns hält jeden Tag eine bestimmte kulturelle Welt aufrecht. Wir handeln nach den Regeln dieser kulturellen Welten. Sei es die Apple Kultur, sei es der Kapitalismus oder einfach nur unsere Herkunftsmentalität.
Fakt ist auch: Es liegt an uns diese kulturellen Welten zu verändern. Kultur ist nichts, was feststeht. Sie hat wenig mit barocken Kirchen zu tun, noch weniger mit Musik. Kultur ist nicht mehr, als das was wir jeden Tag tun. Und wir können jeden Tag etwas ändern.
Insbesondere in Städten scheint es normal zu sein fremde Leute nicht anzulächeln. Das Nichtlächeln ist Teil dieser kulturellen Welt. Doch, gefällt es uns wirklich, dass wir alle mit ernster Miene durch unser Leben gehen? Schon allein ein Lächeln, ein freundliches Grüßen am Morgen kann eine kulturelle Welt ändern.
Es liegt an jedem Einzelnen von uns sich entgegen der kulturellen Welt zu verhalten. Veränderungen beginnen bei einer Person. Eine Person überzeugt nur 5 Menschen, die vielleicht weitere 5 Menschen überzeugen. Und nach einiger Zeit ist die neue Handlung, das Lächeln, normal in der kulturellen Welt des Stadtlebens.
Nicht die Therapeuten können uns helfen, es liegt an jedem Einzelnem von uns.
Ich selbst möchte auf der anderen Seite des Problems stehen. Ich möchte psychiche Störungen verhindern. Burnout, Depressionen, Bindungsstörungen, etc.. All diese Störungen ließen sich gut reduzieren, wenn wir die Gesellschaft, unsere Kultur verändern.
Ich kann mich fürs Erste nur wie jeder Andere anders verhalten, anders als sich die Masse verhält. Doch mein Studium bietet mir die Chance weitere Möglichkeiten zur Veränderungen zu erlernen. Das ist mein Ziel: Eine bessere Gesellschaft, eine bessere Kultur.
Er ist deshalb nicht das Ziel, weil er auf der falschen Seite des Problems steht.
"Es ist kein Maß für Gesundheit in einer zutiefst kranken Gesellschaft gut angepasst zu sein."
Dieses Zitat von Jiddu Krishnamurti beschreibt kurz und knapp weshalb der Therapeut auf der falschen Seite des Problems steht. Therapie hilft meistens dem Menschen sich an die Gesellschaft anzupassen. Aber ist es wirklich erstrebenswert sich an eine Gesellschaft anzupassen, die krank macht?
Der Therapeut kümmert sich um die, die bereits verletzt sind, die Hilfe brauchen, das ist gut, aber es darf nicht die Lösung sein. Es betreibt nicht mehr als Symptombehandlung. Leider Gottes hält der Therapeut durch seine Möglichkeit der "Heilung" eine kranke Gesellschaft aufrecht.
Eine Frage ist nun natürlich: Ist unsere Gesellschaft wirklich so schlimm? Meine Antwort darauf ist: Sie ist sicher nicht die schlimmstmöglichste, aber dennoch keine gute Gesellschaft. Wir haben Wohlstand, wir müssen nicht hungern, doch wir werden nicht mehr glücklich. Wir idealisieren die Liebe. Wir suchen unser ganzes Leben nach dem Sinn, währenddessen wir dem Lauf der Gesellschaft folgen.
Ich möchte kein Teil der Aufrechterhaltung dieser Gesellschaft sein. Ich möchte dem Menschen wahrlich helfen. Doch wie soll das gelingen?
Fakt ist: Der Mensch ist mehr durch die Gesellschaft determiniert, als er denkt. Klarer wird dieser Sachverhalt vielleicht, wenn wir über Kultur und nicht über Gesellschaft sprechen. Kultur - das ist das was wir tun. Sie zeig sich in perfomativen Handlungen. Jeder Einzelne von uns lebt in verschiedenen kulturellen Welten, jeder Einzelne von uns hält jeden Tag eine bestimmte kulturelle Welt aufrecht. Wir handeln nach den Regeln dieser kulturellen Welten. Sei es die Apple Kultur, sei es der Kapitalismus oder einfach nur unsere Herkunftsmentalität.
Fakt ist auch: Es liegt an uns diese kulturellen Welten zu verändern. Kultur ist nichts, was feststeht. Sie hat wenig mit barocken Kirchen zu tun, noch weniger mit Musik. Kultur ist nicht mehr, als das was wir jeden Tag tun. Und wir können jeden Tag etwas ändern.
Insbesondere in Städten scheint es normal zu sein fremde Leute nicht anzulächeln. Das Nichtlächeln ist Teil dieser kulturellen Welt. Doch, gefällt es uns wirklich, dass wir alle mit ernster Miene durch unser Leben gehen? Schon allein ein Lächeln, ein freundliches Grüßen am Morgen kann eine kulturelle Welt ändern.
Es liegt an jedem Einzelnen von uns sich entgegen der kulturellen Welt zu verhalten. Veränderungen beginnen bei einer Person. Eine Person überzeugt nur 5 Menschen, die vielleicht weitere 5 Menschen überzeugen. Und nach einiger Zeit ist die neue Handlung, das Lächeln, normal in der kulturellen Welt des Stadtlebens.
Nicht die Therapeuten können uns helfen, es liegt an jedem Einzelnem von uns.
Ich selbst möchte auf der anderen Seite des Problems stehen. Ich möchte psychiche Störungen verhindern. Burnout, Depressionen, Bindungsstörungen, etc.. All diese Störungen ließen sich gut reduzieren, wenn wir die Gesellschaft, unsere Kultur verändern.
Ich kann mich fürs Erste nur wie jeder Andere anders verhalten, anders als sich die Masse verhält. Doch mein Studium bietet mir die Chance weitere Möglichkeiten zur Veränderungen zu erlernen. Das ist mein Ziel: Eine bessere Gesellschaft, eine bessere Kultur.
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Sonntag, 31. März 2013
Wieso unsere Beziehungen nicht mehr halten
"Wir wachen auf mit immer anderen Geliebten, von denen wir dachten, dass wir sie nie verlassen..."
Frida Gold stellt in ihrem Lied viele Fragen, die die Menschen heutzutage quälen. Wovon sollen wir träumen? Woran können wir glauben? Wieso zerbrechen unsere Beziehungen? Wir befinden uns in einer Zeit, in der nichts mehr sicher zu sein scheint. Wieso ist das so? Um dies zu begreifen begibt sich der heutige Beitrag auf eine eher soziologische/historische Ebene.
Es sollte niemanden verwundern, dass heutige Beziehungen anders sind als Beziehungen in früheren Zeiten. Die Gesellschaft hat sich bis zur modernen Zeit mehrmals grundlegend verändert.
Noch zu Beginn des 18.Jahrhunderst war die Familie eine Produktionsfamilie. Man lebte zusammen, um zu überleben. Die entscheidenden Krtierien waren Arbeitskraft und Besitz von Land. Es heirateten keine Einzelpersonen, sondern viel mehr Familien. Kinder wurden gezeugt, um mehr Arbeitskräfte zu besitzen. Liebe wäre zu dieser Zeit eher schändlich als hilfreich gewesen. Streit, das Zerbrechen einer Beziehung hätte schnell zum Tode führen können, also blieb man zusammen.
(Anmerkung: Natürlich ist die Religion auch wichtig, aber der Drang zu Überleben ist eindeutig der wichtigste Grund.)
Mit dem Aufblühen der Industrie, der industriellen Revolutlion, änderte sich die Beziehung zum ersten Mal grundlegend. Die Produktionsfamilie wurde überflüssig, allen voran die produzierende Frau. Die sogenannte Kleinfamilie entstand. Nun spielte Liebe eine Rolle. Es heirateten nicht mehr Familien sondern Personen. In dieser noch sehr religiösen Zeit heiratete man, um seine seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Frau war für den Haushalt zuständig, der zur damaligen Zeit noch eine tatsächliche Vollzeitarbeit war, der Mann ging arbeiten. So entstand das Klischee der "guten Hausfrau". Beziehungen beruhten auf einem Abhängigkeitsverhältnis: Die Frau brauchte den Mann, um zu überleben, der Mann brauchte die Frau für den Haushalt. Durch dieses Abhängigkeitsverhältnis waren Scheidungen die Ausnahme.
Mit voranschreitender Modernisierung änderten sich Beziehungen ein weiteres Mal. Durch das Erfinden immer weiterer Haushaltsmaschinen wurde die Hausarbeit zunehmend leichter. Dies führte zu einer Abwertung der häuslichen Arbeit der Frau. Im Zuge der Emanzipation entwickelte sich die Frau von der Hausfrau zu einer dem Mann gleichwertigen Arbeitskraft. Die Wirtschaft forderte das Individuum. Gebundene Menschen, gerade Hausfrauen, waren nicht länger erwünscht. In der heutigen sogenannten postmodernen Familie ist das traditionelle Abhängigkeitsverhältnis aufgelöst. Dies führt neben der "problemlosen" Befriedigung sexueller Bedürfnisse zu einer gewissen "Unnötigkeit" von Beziehungen.
Ehen sind heute primär nur noch für Kinder nötig, d.h. man heiratet, wenn man Kinder möchte. Kinder führen aber dennoch nicht zum Erhalt der Beziehung. Der heutige individuelle Mensch sucht nach dem perfekten Partner, der ewigen Bindung. Man könnte sagen: Der Druck der Wirtschaft sich nicht zu binden führt dazu, dass man noch viel mehr nach Bindung sucht. Da es aber weder zum Überleben, noch für die Sexualität nötig ist eine Beziehung zu führen und zudem Bindung in der ökonomisierten Welt als schändlich betrachtet wird, ist nur noch eine "perfekte" Bindung erstrebenswert. Stellt man fest, dass der Partner den eigenen Idealen nicht entspricht, so wird er als Belastung wahrgenommen, was oft zur Trennung führt.
Auch die Rolle der Kinder hat sich geändert. Waren sie früher noch für die Produktion wichtig, so dienen sie heute dem Bedürfnis des Menschen etwas zu hinterlassen. Man verspricht sich im Kind die Lebenserfüllung. Es wäre nun annehmbar, dass die Anzahl der Kinder deshalb steigen müsste. Dies trifft jedoch nicht zu, da die lebenserfüllende Funktion von Kindern meist schon mit einem oder 2 Kinder abgeschlossen ist.
Letztendlich hat sich die Gesellschaft zu einer "Flexibilitätsgesellschaft" verändert. Der ökonomisierte Mensch muss sich anpassen, um weiter zu kommen, Bindungen, Sicherheiten sind gesellschaftlich nicht erwünscht. Diese Unerwünschtheit von Bindung und ihre gleichzeitige Idealisierung führt wohl letztendlich zu unserer Sinnsuche.
Quintessenz:
Da weder Sexualität, noch der Drang zu Überleben uns zu Beziehungen zwingt bliebt nur die Liebe. Da Bindungen aber in der heutigen Zeit unpraktisch sind, sind nur noch perfekte Beziehungen erstrebenswert. Hält eine Beziehung diesem Ideal der Perfektion nicht stand, so wird die Bindung als belastend empfunden und die Beziehung beendet.
"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht."
Franz Kafka
"Willst Du Dein Land verändern,
Frida Gold stellt in ihrem Lied viele Fragen, die die Menschen heutzutage quälen. Wovon sollen wir träumen? Woran können wir glauben? Wieso zerbrechen unsere Beziehungen? Wir befinden uns in einer Zeit, in der nichts mehr sicher zu sein scheint. Wieso ist das so? Um dies zu begreifen begibt sich der heutige Beitrag auf eine eher soziologische/historische Ebene.
Es sollte niemanden verwundern, dass heutige Beziehungen anders sind als Beziehungen in früheren Zeiten. Die Gesellschaft hat sich bis zur modernen Zeit mehrmals grundlegend verändert.
Noch zu Beginn des 18.Jahrhunderst war die Familie eine Produktionsfamilie. Man lebte zusammen, um zu überleben. Die entscheidenden Krtierien waren Arbeitskraft und Besitz von Land. Es heirateten keine Einzelpersonen, sondern viel mehr Familien. Kinder wurden gezeugt, um mehr Arbeitskräfte zu besitzen. Liebe wäre zu dieser Zeit eher schändlich als hilfreich gewesen. Streit, das Zerbrechen einer Beziehung hätte schnell zum Tode führen können, also blieb man zusammen.
(Anmerkung: Natürlich ist die Religion auch wichtig, aber der Drang zu Überleben ist eindeutig der wichtigste Grund.)
Mit dem Aufblühen der Industrie, der industriellen Revolutlion, änderte sich die Beziehung zum ersten Mal grundlegend. Die Produktionsfamilie wurde überflüssig, allen voran die produzierende Frau. Die sogenannte Kleinfamilie entstand. Nun spielte Liebe eine Rolle. Es heirateten nicht mehr Familien sondern Personen. In dieser noch sehr religiösen Zeit heiratete man, um seine seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Frau war für den Haushalt zuständig, der zur damaligen Zeit noch eine tatsächliche Vollzeitarbeit war, der Mann ging arbeiten. So entstand das Klischee der "guten Hausfrau". Beziehungen beruhten auf einem Abhängigkeitsverhältnis: Die Frau brauchte den Mann, um zu überleben, der Mann brauchte die Frau für den Haushalt. Durch dieses Abhängigkeitsverhältnis waren Scheidungen die Ausnahme.
Mit voranschreitender Modernisierung änderten sich Beziehungen ein weiteres Mal. Durch das Erfinden immer weiterer Haushaltsmaschinen wurde die Hausarbeit zunehmend leichter. Dies führte zu einer Abwertung der häuslichen Arbeit der Frau. Im Zuge der Emanzipation entwickelte sich die Frau von der Hausfrau zu einer dem Mann gleichwertigen Arbeitskraft. Die Wirtschaft forderte das Individuum. Gebundene Menschen, gerade Hausfrauen, waren nicht länger erwünscht. In der heutigen sogenannten postmodernen Familie ist das traditionelle Abhängigkeitsverhältnis aufgelöst. Dies führt neben der "problemlosen" Befriedigung sexueller Bedürfnisse zu einer gewissen "Unnötigkeit" von Beziehungen.
Ehen sind heute primär nur noch für Kinder nötig, d.h. man heiratet, wenn man Kinder möchte. Kinder führen aber dennoch nicht zum Erhalt der Beziehung. Der heutige individuelle Mensch sucht nach dem perfekten Partner, der ewigen Bindung. Man könnte sagen: Der Druck der Wirtschaft sich nicht zu binden führt dazu, dass man noch viel mehr nach Bindung sucht. Da es aber weder zum Überleben, noch für die Sexualität nötig ist eine Beziehung zu führen und zudem Bindung in der ökonomisierten Welt als schändlich betrachtet wird, ist nur noch eine "perfekte" Bindung erstrebenswert. Stellt man fest, dass der Partner den eigenen Idealen nicht entspricht, so wird er als Belastung wahrgenommen, was oft zur Trennung führt.
Auch die Rolle der Kinder hat sich geändert. Waren sie früher noch für die Produktion wichtig, so dienen sie heute dem Bedürfnis des Menschen etwas zu hinterlassen. Man verspricht sich im Kind die Lebenserfüllung. Es wäre nun annehmbar, dass die Anzahl der Kinder deshalb steigen müsste. Dies trifft jedoch nicht zu, da die lebenserfüllende Funktion von Kindern meist schon mit einem oder 2 Kinder abgeschlossen ist.
Letztendlich hat sich die Gesellschaft zu einer "Flexibilitätsgesellschaft" verändert. Der ökonomisierte Mensch muss sich anpassen, um weiter zu kommen, Bindungen, Sicherheiten sind gesellschaftlich nicht erwünscht. Diese Unerwünschtheit von Bindung und ihre gleichzeitige Idealisierung führt wohl letztendlich zu unserer Sinnsuche.
Quintessenz:
Da weder Sexualität, noch der Drang zu Überleben uns zu Beziehungen zwingt bliebt nur die Liebe. Da Bindungen aber in der heutigen Zeit unpraktisch sind, sind nur noch perfekte Beziehungen erstrebenswert. Hält eine Beziehung diesem Ideal der Perfektion nicht stand, so wird die Bindung als belastend empfunden und die Beziehung beendet.
"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht."
Franz Kafka
"Willst Du Dein Land verändern,
verändere Deine Stadt.
Willst Du Deine Stadt verändern,
verändere Deine Straße.
Willst Du Deine Straße verändern,
verändere Dein Haus.
Willst Du Dein Haus verändern,
verändere Dich selbst."
Arabisches Sprichtwort
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Dienstag, 26. Februar 2013
Das große ? - Bewusstsein
Das Gehirn - Neuronen, abermillionen Neuronen. Ich denke; Aktionpotentiale werden ausgelöst, laufen die Axone entlang bis zur Synapse. Neurotransmitter werden ausgeschüttet und stimulieren Dendriten. Wieder und wieder und wieder. Immer das selbe. Ich denke.
Aber wie?
Wie kann ich Worte denken? Wie kann ein weitergeleitetes Aktionpotential, ein wenig elektrische Stimulation mein Bewusstsein erschaffen? Die Antwort auf diese Frage ist leider nicht zufriedenstellend: Man weiß es nicht. Ich weiß es nicht!
Neurologisch ist alles klar. Neurologisch passiert immer das selbe. Aber hilft uns das? Eben nicht! Die spannende Frage ist und bleibt: Wie? Wie zur Hölle kann es Bewusstsein geben?
Diese Einführung führt uns zu dem wohl grundlegensten Problem der Psychologie, wenn nicht sogar der Menschheit: dem Leib-Seele Problem.
Ist das Bewusstsein nicht mehr als Komplexität von Materie? D.h. Kommen immer mehr Elemente zu den Anfangselementen hinzu, ergibt sich dann irgendwann zwangsläufig ein Bewusstsein? Ist unser Geist also nicht mehr als komplexe Hirnmasse? Interessanterweise ist das Kleinhirn, das nicht bewusst zugänglich ist noch komplexer. Wenn Bewusstsein sich also schlicht aus Komplexität von Materie ergibt, so müsste es wieder verschwinden, wenn die Materie noch komplexer ist. Möglicherweise ergibt sich durch noch komplexere Materie ein Kontrollmechanismus, mit dem das Bewusstsein unterdrückt werden kann. Dies würde bedeuten, dass Tiere, wenn ihr Großhirn noch weiter wächst, auch ein Bewusstsein entwickeln würde. Interessant an dieser Stelle ist die Frage: Sind wir das einzige Wesen mit einem Bewusstsein? Dagegen spricht der Rouge-Test. Wenn ein Menschenaffe oder eine Taube sich im Spiegel erkennt, sollte sie dann nicht auch in der Lage sein andere klare Gedanken zu fassen? Müssen diese Tiere dann nicht auch ein Bewusstsein haben?
Interessant wäre es herauszufinden, was die Gehirne von Tauben und Menschen gemein haben, im Vergleich etwa zu Hunden.
Doch selbst wenn das Bewusstsein aus Komplexität von Materie entsteht, steht noch immer die Frage im Raum, wie kann sich dieses Bewusstsein auf meinen Körper auswirken? Wie kann ich einen klaren Gedanken fassen? Es läuft nach wie vor immer das selbe im Hirn ab. Natürlich kann man von Hirnaktivität in diesem und diesem Bereich sprechen, aber wie kommt das alles zusammen? Wie kann mein Wille, ein Gedanke dazu führen, dass meine Hand eine Flasche anhebt? Diese Fragen bleiben ungeklärt.
Nun ist die Frage: Was will dieser Post eigentlich?
Ganz einfach: Es ist wichtig sich darüber Gedanken zu machen. Gerade als Psychologe. Das Leib-Seele-Problem ist auch eine Frage danach: Gibt es einen Geist? Ein psychologischer Psychotherapeut darf keine Medikamente verschreiben. Wenn es keinen Geist gibt, macht dann psychische Therapie überhaupt Sinn?
Was man sich vor Augen halten muss: Wir kommen nicht daran vorbei zwischen Körper und Geist zu unterscheiden. Den Geist als nicht existent anzusehen ist nicht realitätsgemäß und wäre ignorant. Dass es so etwas wie einen Geist gibt, ist etwas, was jeder Einzelne ohne Aufwand feststellen kann. WIE dieser Geist entsteht ist allerdings eine andere Frage. Klar ist: Bisher kann man den Geist noch nicht aus der Materie ableiten. Ob das jemals gelingen wird, kann man auch nicht sagen.
Quintessenz:
Als Psychologe kommt man nicht um das Leib-Seele-Problem herum. Es ist absolut grundlegend für jeden Psychologen und ist auch mit der Frage verbunden: Was für ein Psychologe möchte ich sein bzw. passt das Psychologiestudium überhaupt zu dem von was ich überzeugt bin?
Aber wie?
Wie kann ich Worte denken? Wie kann ein weitergeleitetes Aktionpotential, ein wenig elektrische Stimulation mein Bewusstsein erschaffen? Die Antwort auf diese Frage ist leider nicht zufriedenstellend: Man weiß es nicht. Ich weiß es nicht!
Neurologisch ist alles klar. Neurologisch passiert immer das selbe. Aber hilft uns das? Eben nicht! Die spannende Frage ist und bleibt: Wie? Wie zur Hölle kann es Bewusstsein geben?
Diese Einführung führt uns zu dem wohl grundlegensten Problem der Psychologie, wenn nicht sogar der Menschheit: dem Leib-Seele Problem.
Ist das Bewusstsein nicht mehr als Komplexität von Materie? D.h. Kommen immer mehr Elemente zu den Anfangselementen hinzu, ergibt sich dann irgendwann zwangsläufig ein Bewusstsein? Ist unser Geist also nicht mehr als komplexe Hirnmasse? Interessanterweise ist das Kleinhirn, das nicht bewusst zugänglich ist noch komplexer. Wenn Bewusstsein sich also schlicht aus Komplexität von Materie ergibt, so müsste es wieder verschwinden, wenn die Materie noch komplexer ist. Möglicherweise ergibt sich durch noch komplexere Materie ein Kontrollmechanismus, mit dem das Bewusstsein unterdrückt werden kann. Dies würde bedeuten, dass Tiere, wenn ihr Großhirn noch weiter wächst, auch ein Bewusstsein entwickeln würde. Interessant an dieser Stelle ist die Frage: Sind wir das einzige Wesen mit einem Bewusstsein? Dagegen spricht der Rouge-Test. Wenn ein Menschenaffe oder eine Taube sich im Spiegel erkennt, sollte sie dann nicht auch in der Lage sein andere klare Gedanken zu fassen? Müssen diese Tiere dann nicht auch ein Bewusstsein haben?
Interessant wäre es herauszufinden, was die Gehirne von Tauben und Menschen gemein haben, im Vergleich etwa zu Hunden.
Doch selbst wenn das Bewusstsein aus Komplexität von Materie entsteht, steht noch immer die Frage im Raum, wie kann sich dieses Bewusstsein auf meinen Körper auswirken? Wie kann ich einen klaren Gedanken fassen? Es läuft nach wie vor immer das selbe im Hirn ab. Natürlich kann man von Hirnaktivität in diesem und diesem Bereich sprechen, aber wie kommt das alles zusammen? Wie kann mein Wille, ein Gedanke dazu führen, dass meine Hand eine Flasche anhebt? Diese Fragen bleiben ungeklärt.
Nun ist die Frage: Was will dieser Post eigentlich?
Ganz einfach: Es ist wichtig sich darüber Gedanken zu machen. Gerade als Psychologe. Das Leib-Seele-Problem ist auch eine Frage danach: Gibt es einen Geist? Ein psychologischer Psychotherapeut darf keine Medikamente verschreiben. Wenn es keinen Geist gibt, macht dann psychische Therapie überhaupt Sinn?
Was man sich vor Augen halten muss: Wir kommen nicht daran vorbei zwischen Körper und Geist zu unterscheiden. Den Geist als nicht existent anzusehen ist nicht realitätsgemäß und wäre ignorant. Dass es so etwas wie einen Geist gibt, ist etwas, was jeder Einzelne ohne Aufwand feststellen kann. WIE dieser Geist entsteht ist allerdings eine andere Frage. Klar ist: Bisher kann man den Geist noch nicht aus der Materie ableiten. Ob das jemals gelingen wird, kann man auch nicht sagen.
Quintessenz:
Als Psychologe kommt man nicht um das Leib-Seele-Problem herum. Es ist absolut grundlegend für jeden Psychologen und ist auch mit der Frage verbunden: Was für ein Psychologe möchte ich sein bzw. passt das Psychologiestudium überhaupt zu dem von was ich überzeugt bin?
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Donnerstag, 21. Februar 2013
Pferdelasagne - Ist Vegetarismus angebracht?
Nachdem ich einige Zeit zwecks Prüfungen pausieren musste, erscheint nun ein neuer Post zu einem aktuellen Thema: dem Pferdefleischskandal.
Ein Kommilitone stellte vor kurzer Zeit folgende Frage: "Warum soll Pferdefleisch widerlicher sein als anderes Fleisch?" Viele fühlten sich berufen auf diese Frage eine Antwort zu geben, größtenteils herrschte Einigkeit darüber, dass Pferdefleisch keineswegs widerlicher als jedwedes anderes Fleisch ist. Jedoch führte diese Frage zu einer viel interessanteren Frage: "Ist Vegetarismus angebracht?" Meine persönliche Lehre aus dieser Diskussion ist: Vegetarismus ist auf keinen Fall eine wissenschaftliche Frage, er ist und bleibt eine ethische, philosophische Haltung.
Wenn Vegetarismus aber eine philosophische und nicht wissenschaftliche Frage ist, was kann die Psychologie zu dieser Diskussion beitragen? Die Antwort hierauf ist: Sie kann Denkanstöße liefern.
Häufig wird Schmerz als Grund für Vegetarismus herangezogen. Das Schmerzargument kann allerdings mit Leichtigkeit umgangen werden, da Schmerz u.a. ausgeschaltet werden kann. Weiterhin kann auf eine eventuelle Schmerzfähigkeit von Pflanzen verwiesen werden, die zwar bisher wissenschaftlich gesehen nicht bewiesen ist, jedoch dennoch nicht ausgeschlossen werden kann. Letztendlich lässt sich festhalten: Schmerz ist scheinbar kein geeignetes Argument.
Für die Diskussion um den Vegetarismus hält die Psychologie den sogenannten Rouge-Test bereit:
Beim "Rouge-Test" wird einem Menschen/Tier ein Fleck ins Gesicht(etc.) gemalt. Anschließend wird es vor einen Spiegel gesetzt. Wenn der Mensch/das Tier erkennt, dass es einen Fleck im Gesicht hat, ihn also zu entfernen versucht, so geht man davon aus, dass es eine eigenes Selbstwahrnehmung bzw. eine eigene Ich-Wahrnehmung besitzt.
Bei diesem Argument geht es also darum, ob ein Tier eine eigene Ich-Wahrnehmung besitzt, also darum, ob es sich selbst bewusst ist, dass es existiert. Tiere, die diesen Test bestehen sind u.a. einige Menschenaffen, Delfine, Elefanten, Elstern und Tauben.
Klar ist, dass auch der Rouge-Test in diesem Kontext stark kritisiert werden können. Schweine erkennen beispielsweise im Spiegel nach einer Weile, dass ein Futternapf hinter ihnen steht. Ähnlich wie Hunde sind sie in der Lage sich selbst in Beziehung zu anderen Dingen zu setzen und zukünftige Handlungsmuster zu entwerfen ("assessment awareness").
Quintessenz:
Die Frage, ob Vegetarismus angebracht ist kann wissenschaftlich schwer beantwortet werden. Der Rouge-Test zeigt, ob Tiere eine eigene Ich-Wahrnehmung haben und kann somit zur Diskussion beitragen.
Ein Kommilitone stellte vor kurzer Zeit folgende Frage: "Warum soll Pferdefleisch widerlicher sein als anderes Fleisch?" Viele fühlten sich berufen auf diese Frage eine Antwort zu geben, größtenteils herrschte Einigkeit darüber, dass Pferdefleisch keineswegs widerlicher als jedwedes anderes Fleisch ist. Jedoch führte diese Frage zu einer viel interessanteren Frage: "Ist Vegetarismus angebracht?" Meine persönliche Lehre aus dieser Diskussion ist: Vegetarismus ist auf keinen Fall eine wissenschaftliche Frage, er ist und bleibt eine ethische, philosophische Haltung.
Wenn Vegetarismus aber eine philosophische und nicht wissenschaftliche Frage ist, was kann die Psychologie zu dieser Diskussion beitragen? Die Antwort hierauf ist: Sie kann Denkanstöße liefern.
Häufig wird Schmerz als Grund für Vegetarismus herangezogen. Das Schmerzargument kann allerdings mit Leichtigkeit umgangen werden, da Schmerz u.a. ausgeschaltet werden kann. Weiterhin kann auf eine eventuelle Schmerzfähigkeit von Pflanzen verwiesen werden, die zwar bisher wissenschaftlich gesehen nicht bewiesen ist, jedoch dennoch nicht ausgeschlossen werden kann. Letztendlich lässt sich festhalten: Schmerz ist scheinbar kein geeignetes Argument.
Für die Diskussion um den Vegetarismus hält die Psychologie den sogenannten Rouge-Test bereit:
Beim "Rouge-Test" wird einem Menschen/Tier ein Fleck ins Gesicht(etc.) gemalt. Anschließend wird es vor einen Spiegel gesetzt. Wenn der Mensch/das Tier erkennt, dass es einen Fleck im Gesicht hat, ihn also zu entfernen versucht, so geht man davon aus, dass es eine eigenes Selbstwahrnehmung bzw. eine eigene Ich-Wahrnehmung besitzt.
Bei diesem Argument geht es also darum, ob ein Tier eine eigene Ich-Wahrnehmung besitzt, also darum, ob es sich selbst bewusst ist, dass es existiert. Tiere, die diesen Test bestehen sind u.a. einige Menschenaffen, Delfine, Elefanten, Elstern und Tauben.
Klar ist, dass auch der Rouge-Test in diesem Kontext stark kritisiert werden können. Schweine erkennen beispielsweise im Spiegel nach einer Weile, dass ein Futternapf hinter ihnen steht. Ähnlich wie Hunde sind sie in der Lage sich selbst in Beziehung zu anderen Dingen zu setzen und zukünftige Handlungsmuster zu entwerfen ("assessment awareness").
Quintessenz:
Die Frage, ob Vegetarismus angebracht ist kann wissenschaftlich schwer beantwortet werden. Der Rouge-Test zeigt, ob Tiere eine eigene Ich-Wahrnehmung haben und kann somit zur Diskussion beitragen.
Donnerstag, 3. Januar 2013
Spuren im Schnee
Schnee fällt, der Boden wird weiß. Es ist ein Phänomen, das jedes Jahr zu beobachten ist. Irgendwann kommt ein Mensch und sucht sich seinen Weg durch das intakte Weiß. Er hinterlässt Spuren, die für jedermann erkennbar sind. Irgendwann später kommt ein weiterer Mensch, er sieht die Spuren und wählt höchstwahrscheinlich den selben Weg, wie sein Vorgänger. So geht es weiter: Die Spuren werden tiefer, Mensch um Mensch ergibt sich ein eindeutiger Weg, der nur von wenigen Ausnahmen nicht gewählt wird.
Nun: Was hat diese banale winterliche Beobachtung aber mit der Psychologie zu tun? Die Antwort lautet: Synapsenwachstum.
Ähnlich dem Phänomen des sich selbst ergebenen, nutzungsabhängigen Weges im Schnee funktioniert auch das Gehirn. Es ist ein Netz aus vielen Verbindungen, neuronalen Verbindungen. Entlang dieser Verbindungen werden elektrische Signale weitergeleitet, sogenannte Aktionspotentiale. An den Enden dieser Verbindungen befinden sich die Synapsen, sie leiten das Aktionspotential von dem einen Neuron zum nächsten. Sie, die Synapsen wachsen nutzungsabhängig.
Was wichtig ist: Größere Synapsen leiten Aktionspotentiale besser weiter, d.h. mit der Zeit legt sich ähnlich dem Weg im Schnee auch im Hirn ein "typischer Weg" der elektrischen Signale an. Erfahrungen, Gedanken, Wahrnehmungen, kurz: Kognitionen gestalten damit die Feinheiten unserers Gehirns.
Die Frage ist nun, wie man sich das zunutze machen kann:
Die Kognitive Verhaltenstherapie nach Aaron T. Beck geht davon aus, dass jeder Mensch sogenannte kognitive Grundannahmen hat, welche das grundlegende Denkmuster bestimmen. Diese Grundannahmen äußern sich in automatischen Gedanken, die, wie der Name schon sagt, automatisch gedacht werden, wenn man sich in einer bestimmten Situation befindet. Sie beeinflussen nun, wie wir die Situation bewerten, uns verhalten, in welche Stimmungslage wir verfallen, etc.
Ein Beispiel hierfür:
Ein Junge sieht 2 Mädchen in der Nähe, die lachen. Ihm schießen Gedanken wie "Die lachen über mich." in den Kopf. Der Junge erkennt gar nicht, dass die Mädchen eventuell nur über ein lustiges Thema lachen, oder allgemein, dass ihr lachen nichts mit ihm zu tun hat. Seine Gedanken haben ihm die Situation negativ erscheinen lassen und er befindet sich nun in einer schlechter Stimmung.
Weiter nimmt man nun an, dass man die kognitiven Grundannahmen verändern kann. Der Weg dorthin führt über das Aufdecken der automatischen Gedanken, ihrer Hinterfragung und letztendlich der Einübung neuer, eigener Gedanken.
Die Kognitive Verhaltenstherapie lässt sich gut mit den nutzungsabhänigen neuronalen Wegen im Hirn verbinden. Die kognitiven Grundannahmen wären dann quasi die großen Synapsen, über welche die elektrischen Signale bevorzugt laufen. Durch das Einüben eigener, neuer Gedanken schafft man neue neuronale Wege im Gehirn bzw. vergrößert die Synapsen alternativer Wege. Mit der Zeit wird dann der alternative Weg öfter von den elektrischen Signalen "gewählt", bis zu dem Punkt, an dem der alternative Weg zum neuen "normalen" Weg wird. Ähnlich den anderen Wegen im Schnee, die immer öfter gewählt werden, wenn auch sie tiefer sind.
Quintessenz:
Durch aktives Andersdenken verändert man mit der Zeit auch sein Gehirn. Irgendwann wird man dann wie automatisch anders Denken. Man kann also selbst dafür sorgen, dass man in einer anderen Weise, sei es nun positiver, komplexer, oder selbstbewusster, denkt.
"Kein Ding ist gut oder schlecht, erst das Denken macht es dazu."
William Shakespeare
Nun: Was hat diese banale winterliche Beobachtung aber mit der Psychologie zu tun? Die Antwort lautet: Synapsenwachstum.
Ähnlich dem Phänomen des sich selbst ergebenen, nutzungsabhängigen Weges im Schnee funktioniert auch das Gehirn. Es ist ein Netz aus vielen Verbindungen, neuronalen Verbindungen. Entlang dieser Verbindungen werden elektrische Signale weitergeleitet, sogenannte Aktionspotentiale. An den Enden dieser Verbindungen befinden sich die Synapsen, sie leiten das Aktionspotential von dem einen Neuron zum nächsten. Sie, die Synapsen wachsen nutzungsabhängig.
Was wichtig ist: Größere Synapsen leiten Aktionspotentiale besser weiter, d.h. mit der Zeit legt sich ähnlich dem Weg im Schnee auch im Hirn ein "typischer Weg" der elektrischen Signale an. Erfahrungen, Gedanken, Wahrnehmungen, kurz: Kognitionen gestalten damit die Feinheiten unserers Gehirns.
Die Frage ist nun, wie man sich das zunutze machen kann:
Die Kognitive Verhaltenstherapie nach Aaron T. Beck geht davon aus, dass jeder Mensch sogenannte kognitive Grundannahmen hat, welche das grundlegende Denkmuster bestimmen. Diese Grundannahmen äußern sich in automatischen Gedanken, die, wie der Name schon sagt, automatisch gedacht werden, wenn man sich in einer bestimmten Situation befindet. Sie beeinflussen nun, wie wir die Situation bewerten, uns verhalten, in welche Stimmungslage wir verfallen, etc.
Ein Beispiel hierfür:
Ein Junge sieht 2 Mädchen in der Nähe, die lachen. Ihm schießen Gedanken wie "Die lachen über mich." in den Kopf. Der Junge erkennt gar nicht, dass die Mädchen eventuell nur über ein lustiges Thema lachen, oder allgemein, dass ihr lachen nichts mit ihm zu tun hat. Seine Gedanken haben ihm die Situation negativ erscheinen lassen und er befindet sich nun in einer schlechter Stimmung.
Weiter nimmt man nun an, dass man die kognitiven Grundannahmen verändern kann. Der Weg dorthin führt über das Aufdecken der automatischen Gedanken, ihrer Hinterfragung und letztendlich der Einübung neuer, eigener Gedanken.
Die Kognitive Verhaltenstherapie lässt sich gut mit den nutzungsabhänigen neuronalen Wegen im Hirn verbinden. Die kognitiven Grundannahmen wären dann quasi die großen Synapsen, über welche die elektrischen Signale bevorzugt laufen. Durch das Einüben eigener, neuer Gedanken schafft man neue neuronale Wege im Gehirn bzw. vergrößert die Synapsen alternativer Wege. Mit der Zeit wird dann der alternative Weg öfter von den elektrischen Signalen "gewählt", bis zu dem Punkt, an dem der alternative Weg zum neuen "normalen" Weg wird. Ähnlich den anderen Wegen im Schnee, die immer öfter gewählt werden, wenn auch sie tiefer sind.
Quintessenz:
Durch aktives Andersdenken verändert man mit der Zeit auch sein Gehirn. Irgendwann wird man dann wie automatisch anders Denken. Man kann also selbst dafür sorgen, dass man in einer anderen Weise, sei es nun positiver, komplexer, oder selbstbewusster, denkt.
"Kein Ding ist gut oder schlecht, erst das Denken macht es dazu."
William Shakespeare
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Montag, 17. Dezember 2012
Amoklauf von Newtown: Ursachen fernab des Populismus
Ein sehr aktuelles Thema ist der Amoklauf von Newtown. Durch ihn sind in Amerika wieder Debatten über Waffen- und Gewaltspielverbote ausgebrochen. Doch nicht die Waffen oder die Gewaltspiele sind das Problem in der Gesellschaft, das Problem liegt in der Gesellschafts- bzw. Wirtschaftsform selbst.
Ich möchte zunächst darauf hinweisen, dass dieser Beitrag kein Widerspruch zu einem Waffen- oder Gewaltspielverbot sein soll, er soll nur etwas den Fokus von den Symptomen auf wahrscheinlichere Ursachen verschieben.
Da ich im folgenden auf sogenannte Korrelationen eingehen werde, werde ich kurz erläutern was es mit diesen auf sich hat. Korrelationen sind statische "Maße" die angeben, inwieweit eine Beziehung zwischen 2 verschiedenen Merkmalen existiert. Es geht darum, wie wahrscheinlich es ist, dass wenn Merkmal A vorhanden ist, dass dann auch Merkmal B vorhanden ist.
Bsp. Eine Korrelation von 0,65 zwischen Äpfeln und Bäumen meint, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass wenn ein Apfel vorhanden ist auch gleichzeitig ein Baum vorhanden ist.
Korrelationen meinen Zusammenhänge im Allgmeinen, keine Ursache-Wirkung. Im Allgmeinen sind 4 Erkläransätze möglich: A bedingt B, B bedingt A, A und B bedingen sich gegenseitig oder A und B werden von C bedingt.
Auf mein Bsp. bezogen hieße dies: Der Apfel ist die Ursache vom Baum, der Baum ist die Ursache vom Apfel, Apfel und Baum bedingen sich gegenseitig oder eine Drittvariable, z.B. der Frühling ist Ursache von Apfel und Baum.
Nun aber zum eigentlichen Thema.
Im Allgmeinen gibt es eine Korrelation, einen Zusammenhang zwischen der ungleichen Verteilung des Einkommens und sozialen Problemen in einer Gesellschaft. Diese sozialen Probleme sind unter anderem Gewalt, mangelnde Gesundheit, geringere Lebenserwartung, etc.. Die konkreten Einkommenshöhen spielen hierbei keine wesentliche Rolle, es geht rein um die Ungleichverteilung des Einkommens, also es ist egal ob nun ein Armer 50 € hat und ein Reicher 200 € oder ob ein Armer 5000 € und ein Reicher 20.000 € hat.
Nun was heißt das, ganz konkret: Je größer die ungleiche Verteilung des Einkommens in der Gesellschaft, also je höher die Einkommenschere auseinander klafft, desto mehr soziale Probleme tauchen in der Gesellschaft auf.
In der USA ist das Einkommen sehr stark ungleich verteilt. Hieraus lässt sich also folgern, dass soziale Probleme auftreten, also auch ein höheres Gewaltpotential. Wenn also das Gewaltpotential im Allgemeinen höher liegt, so lässt sich vermuten, dass auch Probleme eher mit Gewalt gelöst werden. Demnach ist die ungleiche Einkommensverteilung in der Gesellschaft also ein möglicher Grund für die steigende Anzahl an Amokläufen.
Quintessenz:
Amokläufe sind möglicherweise eine Folge von einer ungleichen Einkommensverteilung. Es erscheint daher sinnvoll an dieser zu arbeiten, statt sich nur mit Symptombekämpfung zu beschäftigen.
Anmerken möchte ich noch, dass die ungleiche Einkommensverteilung sicher nicht der einzige gesellschaftliche Grund für Amokläufe ist. Ich selbst vermute mehr in der Ökonomisierung der Gesellschaft die wesentlichen Ursachen, vor allem im Leistungsprinzip. Wenn nur Menschen etwas wert sind, die viel leisten, die schön, stark, sportlich und intelligent sind, dann geht ein wesentlicher Teil der Menschenwürde verloren. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen ausrasten, bei denen es nicht so gut läuft. Sozialpsychologisch könnte ich noch viele weitere Aspekte aufzählen, die Amokläufe eher bedingen als Gewaltspiele und das Vorhandensein von Waffen. Ich beschränke mich allerdings hier auf die ungleiche Einkommensverteilung, da die Bekämpfung dieser am stärksten Aufgabe der Politik ist.
Ich möchte zunächst darauf hinweisen, dass dieser Beitrag kein Widerspruch zu einem Waffen- oder Gewaltspielverbot sein soll, er soll nur etwas den Fokus von den Symptomen auf wahrscheinlichere Ursachen verschieben.
Da ich im folgenden auf sogenannte Korrelationen eingehen werde, werde ich kurz erläutern was es mit diesen auf sich hat. Korrelationen sind statische "Maße" die angeben, inwieweit eine Beziehung zwischen 2 verschiedenen Merkmalen existiert. Es geht darum, wie wahrscheinlich es ist, dass wenn Merkmal A vorhanden ist, dass dann auch Merkmal B vorhanden ist.
Bsp. Eine Korrelation von 0,65 zwischen Äpfeln und Bäumen meint, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass wenn ein Apfel vorhanden ist auch gleichzeitig ein Baum vorhanden ist.
Korrelationen meinen Zusammenhänge im Allgmeinen, keine Ursache-Wirkung. Im Allgmeinen sind 4 Erkläransätze möglich: A bedingt B, B bedingt A, A und B bedingen sich gegenseitig oder A und B werden von C bedingt.
Auf mein Bsp. bezogen hieße dies: Der Apfel ist die Ursache vom Baum, der Baum ist die Ursache vom Apfel, Apfel und Baum bedingen sich gegenseitig oder eine Drittvariable, z.B. der Frühling ist Ursache von Apfel und Baum.
Nun aber zum eigentlichen Thema.
Im Allgmeinen gibt es eine Korrelation, einen Zusammenhang zwischen der ungleichen Verteilung des Einkommens und sozialen Problemen in einer Gesellschaft. Diese sozialen Probleme sind unter anderem Gewalt, mangelnde Gesundheit, geringere Lebenserwartung, etc.. Die konkreten Einkommenshöhen spielen hierbei keine wesentliche Rolle, es geht rein um die Ungleichverteilung des Einkommens, also es ist egal ob nun ein Armer 50 € hat und ein Reicher 200 € oder ob ein Armer 5000 € und ein Reicher 20.000 € hat.
Nun was heißt das, ganz konkret: Je größer die ungleiche Verteilung des Einkommens in der Gesellschaft, also je höher die Einkommenschere auseinander klafft, desto mehr soziale Probleme tauchen in der Gesellschaft auf.
In der USA ist das Einkommen sehr stark ungleich verteilt. Hieraus lässt sich also folgern, dass soziale Probleme auftreten, also auch ein höheres Gewaltpotential. Wenn also das Gewaltpotential im Allgemeinen höher liegt, so lässt sich vermuten, dass auch Probleme eher mit Gewalt gelöst werden. Demnach ist die ungleiche Einkommensverteilung in der Gesellschaft also ein möglicher Grund für die steigende Anzahl an Amokläufen.
Quintessenz:
Amokläufe sind möglicherweise eine Folge von einer ungleichen Einkommensverteilung. Es erscheint daher sinnvoll an dieser zu arbeiten, statt sich nur mit Symptombekämpfung zu beschäftigen.
Anmerken möchte ich noch, dass die ungleiche Einkommensverteilung sicher nicht der einzige gesellschaftliche Grund für Amokläufe ist. Ich selbst vermute mehr in der Ökonomisierung der Gesellschaft die wesentlichen Ursachen, vor allem im Leistungsprinzip. Wenn nur Menschen etwas wert sind, die viel leisten, die schön, stark, sportlich und intelligent sind, dann geht ein wesentlicher Teil der Menschenwürde verloren. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen ausrasten, bei denen es nicht so gut läuft. Sozialpsychologisch könnte ich noch viele weitere Aspekte aufzählen, die Amokläufe eher bedingen als Gewaltspiele und das Vorhandensein von Waffen. Ich beschränke mich allerdings hier auf die ungleiche Einkommensverteilung, da die Bekämpfung dieser am stärksten Aufgabe der Politik ist.
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