Das Ziel meiner Forschungsarbeit besteht darin zu prüfen, inwieweit in kurzer Zeit ein Sprachniveau erreicht werden kann, das letztlich zur Gesprächstherapie ausreicht. Doch wann reicht ein Sprachniveau aus? Was macht Sprachniveau überhaupt aus? Nach welchen Kriterien lässt sich Sprachniveau bemessen und wie lassen sich diese formalisieren? Die Frage nach der Erreichung eines adäquaten Sprachniveaus zieht wesentlich grundlegendere Fragen nach sich, die für eine möglichst adäquate Beantwortung der Ursprungsfrage geklärt werden müssen.
Als allgemeinpsychologisch orientierter Psychologe muss für mich diese Frage sogar sehr grundlegend beantwortet werden. Daher komme ich nicht daran vorbei mich grundsätzliche Fragen der Beschaffenheit der Psyche zu stellen. Was ist eigentlich die Psyche? Die Psy-Theorie von Dietrich Dörner versucht sich dieser Frage anzunäheren indem Dörner versucht eine Psyche nachzubauen. Nun denn:
Woraus besteht eigentlich unser Gehirn? Aus sogenannten Neuronen. Neuronen sind grundsätzlich einmal eine recht langweilie Sache, denn sie können unterm Strich nicht mehr als zu-Feuern oder eben Nicht-zu-Feuern (verschiedene Komplexitäten dahinter seien hier mal dahin gestellt). Sie stellen damit ein binäres System dar mit folgenden möglichen Ausprägungen: 1 - Feuern oder 0 - Nicht-Feuern. Diese langweiligen beiden Zustände können jedoch in der Kombination vieler Neuronen beachtliches vollbringen. Wer das jetzt nicht glaubt, muss nur an Computer denken und was diese alles tolles darstellen können. Alles was du hier siehst, alles was dein Computer macht geht auch auf ein binäres 1 - 0 System zurück: Bestimmte Teilchen im Prozessor sind an, oder aus. Sie feuern, oder feuern nicht. Aus diesem 1 - 0 System lässt sich im Prinzip alles darstellen, da die logischen Operatoren UND, ODER und NICHT darstellbar sind. Hierfür muss man schlicht und ergreifend mehrere Neuronen miteinander verbinden und diese sich gegenseitig aktivieren bzw. deaktivieren lassen:
- Ein UND-Neuron lässt sich dann aktivieren, wenn mehreren mit ihm verbundenen Neuronen GLEICHZEITIG Signale eingehen, d.h. die verbundenen Neuronen feuern alle gleichzeitig auf das UND-Neuron.
- Ein ODER-Neuron lässt sich dann aktivieren, wenn mindestens eines von mehreren verbundenen Neuronen auf es schießt.
- Ein NICHT-Neuron lässt sich dann aktivieren, wenn ein oder mehere mit ihm verbundene Neuronen nicht schießen. Das lässt sich zum Beispiel verwirklichen, in dem die Neuronen, die nicht schießen dürfen nicht direkt mit dem NICHT-Neuron verbunden sind, sondern vermittelt durch ein anderes Neuron, das immer schießt, außer es wird durch ein anderes Neuron deaktiviert.
Nun zurück zur Sprache. Unser Gehirn erkennt Wörter auf Basis des Feuerns- oder Nicht-Feuerns von Neuronen. Das funktioniert wie folgt: Wenn wir Sprechen senden wir Laute aus. Diese Laute werden von unseren Ohren empfangen. Es gibt im Gehirn nun Neuronen, die immer dann Feuern, wenn ein bestimmter Laut empfangen wird. Damit erkennt das Gehirn: "Aha! Dieser Laut ist gerade da." Wenn nun das Neuron aktiviert ist das auf "A" reagiert UND das Neuron das auf "H" reagiert UND noch ein Neuron das auf "A" reagiert, dann können diese das "Aha"-Neuron aktivieren und damit wissen wir das Aha gesagt wurde. Das Gehirn hat abspeichert, dass ein A, ein H und ein A zusammen ein AHA sind. Wird wieder AHA gesagt, wird das erkannt. (Wie das Speichern genau funktioniert ist ein anderes Thema, das tatsächlich gar nicht so schwierig ist! Doch dazu vielleicht ein anderes Mal.) In der Kombination und Verbindung vieler solcher UND, ODER und NICHT Verbindungen lässt sich ein System kreiieren, das Wörter und Grammatik repräsentiert.
Was hat die neurologische Repräsentation nun mit der Frage zu tun wann ein Sprachniveau reicht? Die Frage der Repräsentation bringt uns der Frage näher, was denn überhaupt als Kriterium infrage kommt. Unsere Neuronen können Korrelationen darstellen/repräsentieren. Wenn X UND/ODER/NICHT Y vorhanden sind DANN wird Z auch da sein (oder neurologisch gesehen: wenn X UND/ODER/NICHT Y feuert, dann feuert Z auch). Das heißt letztlich das sich Unterschiede im Sprachniveau darauf zurückführen lassen inwiefern bestimmte Korrelationen und Zusammenhänge mit den vorhanden Repräsentationen(Wörtern & Grammatik) dargestellt werden können, oder eben nicht. Hieraus lässt sich auch ableiten, dass es nicht absolut auf Quantität (also je mehr Wörter desto besser) ankommt, sondern auf das vorhanden sein BESTIMMTER Wörter, BESTIMMTER Grammatik ankommt, eben derartige Wörter und Grammatik, die die Repräsentation und die Darstellung von Zusammenhängen über das bisherige Ausmaß hinaus verbessern.
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Mittwoch, 6. März 2019
Mittwoch, 14. Dezember 2016
Valenz und Arousal - Emotionen in der Werkstattmetapher
Mein Modell des Alltagshandelns beschreibt in etwa die Vorstellung, die ich über die Psyche im Verlauf meines Studiums erhalten habe. Eine Frage die offen bleibt ist der Einfluss der Emotionen. Emotionen spielen in der Realität des Menschen eine zentrale Rolle und müssen daher beinah zwangsläufig Teil eines jeden guten übergeordneten Modells sein. Wie lässt sich die Emotion nun in meinem Modell unterbringen?
Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Emotionsmodelle. Man kann mehr oder weniger die sechs Grundemotionen Freude, Ärger, Ekel, Angst, Überraschung und Trauer unterscheiden. Ein anderer Ansatz unterscheidet Emotionen in den Dimensionen Arousal und Valenz. Valenz beschreibt, ob eine Emotion eher positiv ist bzw. zu Anäherungsverhalten("Appetenz") führt oder negativ ist und Vermeidungsverhalten ("Aversion") auslöst. Arousal beschreibt das Ausmaß an Aktivierung, das eine Emotion mitbringt: Je höher das Arousal, desto mehr spüren wir die Emotion auch körperlich, desto mehr durchströmt sie uns. Ein Beispiel für hohes Arousal gepaart mit hoher (positiver) Valenz ist beispielsweise sexuelle Erregung: Das Gefühl löst Apptenz aus und macht sich stark körperlich bemerkbar. Starker Ekel beispielsweise vor einem verschimmelten Brot ist ein Beispiel für hohes Arousal gepaart mit hoher (negativer) Valenz und den resultierenden Vermeidungsverhalten.
Wie sind Emotionen nun unterzubringen in der Werkstattmetapher? Die Grundemotionen sind eher einem Aspekt des Deutens zuzuordnen: Ich empfinde Appetenz in einem bestimmten Ausmaß gegenüber einem bestimmten Objekt und interpretiere diese Kombination als Freude. Arousal und Valenz hingegen sind eher unspezifiertes Erleben, die eher ausgelöst werden von bestimmten Objekten als gedeutet werden als bestimmtes Gefühl. Sie stehen mehr oder weniger vor der Grundemotion. Dieses unspezifizierte Erleben eines Gefühls kann innerhalb der Werkstatt des Handelns an mehreren Stellen wirken.
Infragekommen zum einen die automatische Kontrollprozesse. Ein Gefühl mit negativer Valenz und erhöhtem Arousal weist das Ich darauf hin, dass irgendetwas in der aktuellen Handlung nicht stimmt. Dieses Gefühl regt das Ich an den Fehler genauer zu analysieren, also im Sinne der Werkstattmetapher den Beobachtern zu befehlen nach dem Fehler in der Handlung zu suchen.
Läuft alles glatt, so zeigt ein positives Gefühl mit geringem oder mittleren Arousal an, dass die ausgewählte Handlung funktioniert und das Ich nicht übermäßig aufmerksam sein muss: Es kann sich auf seine Beobachter und Mitarbeiter verlassen. Die Emotionen sind in diesem Kontext Experten, besonders erfahrene Mitarbeiter, die dem tätigen Monteuer, dem Ich zur Seite stehen und kontrollieren, ob die Handlung grundsäztlich zum Handlungsziel führt.
Weiterhin kommt die Werkzeugauswahl infrage. Zwar liegen Handbücher voller Informationen zu den Werkzeugen und den möglichen Situationen vor, doch wäre das detaillierte Nachlesen trotz vieler Mitarbeiter zu aufwendig, um schnell und effizient auf Ereignisse zu reagieren und entsprechende Handlungen einzuleiten. Emotionen sind hier Vorgesetze, die durch die Werkstatt laufen und den Mitarbeitern sagen, dass sie das was sie tun gut machen oder schlecht machen, d.h. die Auswahl an Werkzeugen ist die richtige, also für die Situation passend. Es resultiert ein postives Gefühl, wenn die Mitarbeiter die richtigen Werkzeuge in der richtigen Situation parat haben, während ein negatives Gefühl resultiert, wenn dies nicht der Fall ist.
Letztlich erleichtern Emotionen somit das flüssige Funktionieren in der Werkstatt, da sie Prozesse bescheunigen, in dem sie quasi mit Daumen nach oben oder unten den Mitarbeitern zeigen, ob sie richtig liegen und damit diese weniger intensiv nachdenken müssen, d.h. effizienter werden.
Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Emotionsmodelle. Man kann mehr oder weniger die sechs Grundemotionen Freude, Ärger, Ekel, Angst, Überraschung und Trauer unterscheiden. Ein anderer Ansatz unterscheidet Emotionen in den Dimensionen Arousal und Valenz. Valenz beschreibt, ob eine Emotion eher positiv ist bzw. zu Anäherungsverhalten("Appetenz") führt oder negativ ist und Vermeidungsverhalten ("Aversion") auslöst. Arousal beschreibt das Ausmaß an Aktivierung, das eine Emotion mitbringt: Je höher das Arousal, desto mehr spüren wir die Emotion auch körperlich, desto mehr durchströmt sie uns. Ein Beispiel für hohes Arousal gepaart mit hoher (positiver) Valenz ist beispielsweise sexuelle Erregung: Das Gefühl löst Apptenz aus und macht sich stark körperlich bemerkbar. Starker Ekel beispielsweise vor einem verschimmelten Brot ist ein Beispiel für hohes Arousal gepaart mit hoher (negativer) Valenz und den resultierenden Vermeidungsverhalten.
Wie sind Emotionen nun unterzubringen in der Werkstattmetapher? Die Grundemotionen sind eher einem Aspekt des Deutens zuzuordnen: Ich empfinde Appetenz in einem bestimmten Ausmaß gegenüber einem bestimmten Objekt und interpretiere diese Kombination als Freude. Arousal und Valenz hingegen sind eher unspezifiertes Erleben, die eher ausgelöst werden von bestimmten Objekten als gedeutet werden als bestimmtes Gefühl. Sie stehen mehr oder weniger vor der Grundemotion. Dieses unspezifizierte Erleben eines Gefühls kann innerhalb der Werkstatt des Handelns an mehreren Stellen wirken.
Infragekommen zum einen die automatische Kontrollprozesse. Ein Gefühl mit negativer Valenz und erhöhtem Arousal weist das Ich darauf hin, dass irgendetwas in der aktuellen Handlung nicht stimmt. Dieses Gefühl regt das Ich an den Fehler genauer zu analysieren, also im Sinne der Werkstattmetapher den Beobachtern zu befehlen nach dem Fehler in der Handlung zu suchen.
Läuft alles glatt, so zeigt ein positives Gefühl mit geringem oder mittleren Arousal an, dass die ausgewählte Handlung funktioniert und das Ich nicht übermäßig aufmerksam sein muss: Es kann sich auf seine Beobachter und Mitarbeiter verlassen. Die Emotionen sind in diesem Kontext Experten, besonders erfahrene Mitarbeiter, die dem tätigen Monteuer, dem Ich zur Seite stehen und kontrollieren, ob die Handlung grundsäztlich zum Handlungsziel führt.
Weiterhin kommt die Werkzeugauswahl infrage. Zwar liegen Handbücher voller Informationen zu den Werkzeugen und den möglichen Situationen vor, doch wäre das detaillierte Nachlesen trotz vieler Mitarbeiter zu aufwendig, um schnell und effizient auf Ereignisse zu reagieren und entsprechende Handlungen einzuleiten. Emotionen sind hier Vorgesetze, die durch die Werkstatt laufen und den Mitarbeitern sagen, dass sie das was sie tun gut machen oder schlecht machen, d.h. die Auswahl an Werkzeugen ist die richtige, also für die Situation passend. Es resultiert ein postives Gefühl, wenn die Mitarbeiter die richtigen Werkzeuge in der richtigen Situation parat haben, während ein negatives Gefühl resultiert, wenn dies nicht der Fall ist.
Letztlich erleichtern Emotionen somit das flüssige Funktionieren in der Werkstatt, da sie Prozesse bescheunigen, in dem sie quasi mit Daumen nach oben oder unten den Mitarbeitern zeigen, ob sie richtig liegen und damit diese weniger intensiv nachdenken müssen, d.h. effizienter werden.
Donnerstag, 19. November 2015
Modell des Alltagshandelns: Die Werkstattmetapher
Dieser Beitrag bezieht sich direkt auf einen älteren Post von mir und meinem postulierten Modell des Alltagshandelns. Ich versuche das Modell in einer Metapher darzustellen, um es besser verständlich zu machen.
Die Werkstattmetapher.
Man stelle sich das LZG als Werkstatt vor in der jede Menge Werkzeuge gelagert sind. Diese Werkzeuge sind Prinzipien, Prozesse und Fähigkeiten, über die wir bescheid wissen (Heuristiken). Es existieren Anleitungen für alle Werkzeuge, die praxisnah, in bildhafter und anekdotenhafter Form zeigen, wie und wo man ein bestimmtes Werkezug anwenden kann(episodische Fakten). In der Mitte steht ein Tisch auf dem das Werkstück liegt, das man gerade bearbeitet. Die Arbeiter in der Werkstatt beobachten die Tätigkeit des tätigen Monteurs(Priming), dem Ich, und holen permanent Werkzeuge, damit er jederzeit das richtige Werkzeug zur Hand haben kann (aktivierte teile des LZG). Da der Monteur nur mit den Werkzeugen arbeiten kann, die er zur Hand bekommt, bestimmen die Arbeiter gewisserweise seine Handlungsfähigkeit. Er kann jedoch den Arbeitern auch Befehele erteilen, um an das Werkzeug zu kommen, dass er gerade benötigt. Dem Monteur stehen einige Beobachter zur Seite, die ihn auf Fehler hinweisen oder falls nötig auch selbst eingreifen, ihm das Kommando entreißen (Monitoring). Um neue Werkezuge zu entwicklen, vorhandene zu modifizieren oder die Anleitungen zu verändern stehen dem Monteur einige Ingenieure zu Verfügung, die meist selbständig arbeiten, jedoch auch vom Monteur dirkte Anweisungen erhalten können (implizites und explizites Lernen). Die Zusammenarbeit in dieser Werkstatt verläuft meistens flüssig und erfolgreich, sodass die Tätigkeit an den Werkstücken in der Regel keine Probleme verursacht.
Welche Aussagen werden in dieser Metapher nun also getroffen?
1. Das LZG ist nicht als träge Bilbiothek oder Festplatte zu verstehen, in der Informationen kleinlich genau archiviert werden. Es ist viel mehr eine Art Abenteuermuseum, in der zu jedem Artefakt lebendige Geschichten erzählt werden, die seinen Zweck und seinen Hintergrund illustrieren.
2. Das Ich ist ein Akteur, das in großem Maße von anderen Faktoren determiniert wird, weil ihm dies enorme Vorteile bringt. Es ist der Entscheider und das ausführende Organ, die Exekutive, kann Befehle erteilen, muss dies aber meistens nicht, da es sich auf die Akteure im Hintergrund verlassen kann. (In etwa wie ein führender Politiker, der zwar klar die Entscheidungsgewalt hat, jedoch trotzdem in großem Maß von der richtigen Arbeit seiner Mitarbeiter abhängt.)
3. Das Gehirn bereitet sich in jedem Moment auf mögliche Folgesituationen vor, in dem es bestimmte Hirnbereiche und damit Wissen voraktiviert, damit schnell darauf zugegriffen werden kann.
4. Es werden permanent neues Wissen angelegt, altes modifiziert und verändert. Stichworte: Akkumodation und Assimilation
5. Neben der bewussten Überwachung des Ichs existiert auch eine weitere implizite Kontrollinstanz, die uns kurzzeitig die explizite Kontrolle entreißt, sollte es nötig sein.
6. Man bearbeitet immer nur eine Aufgabe im Aufmerksamkeitsfokus.
Welche Fragen bleiben offen?
Welche Rolle spielen Emotionen? Diese kommen in dieser Metapher und dem Modell nicht vor, obwohl sie eine entscheidende Rolle spielen müssen.
Wenn nur eine Aufgabe bearbeitet wird, wie gehen wir mit komplexen und vielfachen Anforderungen im Alltag um bzw. wie wird entschieden, was in den Aufmerksamkeitsfokus kommt?
Sind wir immer tätig? Oder was passiert, wenn wir nicht tätig sind?
Und vermutlich einige weitere.
Insgesamt versuche ich mein Modell des Menschen zu verfeinern und dem Menschen gerechter werden zu lassen. Ich finde es ist die Aufgabe eines Psychologen nicht nur Fachwissen in vielen Einzelgebieten zu erzielen, sondern dieses Wissen auch zusammenzubringen, um dem Verständnis des Waldes bzw. der Psyche im Gesamten immer näher zu kommen. Zu tief in den Baum zu schauen führt dazu, dass der Blick auf das Wesentliche verloren geht.
Die Werkstattmetapher.
Man stelle sich das LZG als Werkstatt vor in der jede Menge Werkzeuge gelagert sind. Diese Werkzeuge sind Prinzipien, Prozesse und Fähigkeiten, über die wir bescheid wissen (Heuristiken). Es existieren Anleitungen für alle Werkzeuge, die praxisnah, in bildhafter und anekdotenhafter Form zeigen, wie und wo man ein bestimmtes Werkezug anwenden kann(episodische Fakten). In der Mitte steht ein Tisch auf dem das Werkstück liegt, das man gerade bearbeitet. Die Arbeiter in der Werkstatt beobachten die Tätigkeit des tätigen Monteurs(Priming), dem Ich, und holen permanent Werkzeuge, damit er jederzeit das richtige Werkzeug zur Hand haben kann (aktivierte teile des LZG). Da der Monteur nur mit den Werkzeugen arbeiten kann, die er zur Hand bekommt, bestimmen die Arbeiter gewisserweise seine Handlungsfähigkeit. Er kann jedoch den Arbeitern auch Befehele erteilen, um an das Werkzeug zu kommen, dass er gerade benötigt. Dem Monteur stehen einige Beobachter zur Seite, die ihn auf Fehler hinweisen oder falls nötig auch selbst eingreifen, ihm das Kommando entreißen (Monitoring). Um neue Werkezuge zu entwicklen, vorhandene zu modifizieren oder die Anleitungen zu verändern stehen dem Monteur einige Ingenieure zu Verfügung, die meist selbständig arbeiten, jedoch auch vom Monteur dirkte Anweisungen erhalten können (implizites und explizites Lernen). Die Zusammenarbeit in dieser Werkstatt verläuft meistens flüssig und erfolgreich, sodass die Tätigkeit an den Werkstücken in der Regel keine Probleme verursacht.
Welche Aussagen werden in dieser Metapher nun also getroffen?
1. Das LZG ist nicht als träge Bilbiothek oder Festplatte zu verstehen, in der Informationen kleinlich genau archiviert werden. Es ist viel mehr eine Art Abenteuermuseum, in der zu jedem Artefakt lebendige Geschichten erzählt werden, die seinen Zweck und seinen Hintergrund illustrieren.
2. Das Ich ist ein Akteur, das in großem Maße von anderen Faktoren determiniert wird, weil ihm dies enorme Vorteile bringt. Es ist der Entscheider und das ausführende Organ, die Exekutive, kann Befehle erteilen, muss dies aber meistens nicht, da es sich auf die Akteure im Hintergrund verlassen kann. (In etwa wie ein führender Politiker, der zwar klar die Entscheidungsgewalt hat, jedoch trotzdem in großem Maß von der richtigen Arbeit seiner Mitarbeiter abhängt.)
3. Das Gehirn bereitet sich in jedem Moment auf mögliche Folgesituationen vor, in dem es bestimmte Hirnbereiche und damit Wissen voraktiviert, damit schnell darauf zugegriffen werden kann.
4. Es werden permanent neues Wissen angelegt, altes modifiziert und verändert. Stichworte: Akkumodation und Assimilation
5. Neben der bewussten Überwachung des Ichs existiert auch eine weitere implizite Kontrollinstanz, die uns kurzzeitig die explizite Kontrolle entreißt, sollte es nötig sein.
6. Man bearbeitet immer nur eine Aufgabe im Aufmerksamkeitsfokus.
Welche Fragen bleiben offen?
Welche Rolle spielen Emotionen? Diese kommen in dieser Metapher und dem Modell nicht vor, obwohl sie eine entscheidende Rolle spielen müssen.
Wenn nur eine Aufgabe bearbeitet wird, wie gehen wir mit komplexen und vielfachen Anforderungen im Alltag um bzw. wie wird entschieden, was in den Aufmerksamkeitsfokus kommt?
Sind wir immer tätig? Oder was passiert, wenn wir nicht tätig sind?
Und vermutlich einige weitere.
Insgesamt versuche ich mein Modell des Menschen zu verfeinern und dem Menschen gerechter werden zu lassen. Ich finde es ist die Aufgabe eines Psychologen nicht nur Fachwissen in vielen Einzelgebieten zu erzielen, sondern dieses Wissen auch zusammenzubringen, um dem Verständnis des Waldes bzw. der Psyche im Gesamten immer näher zu kommen. Zu tief in den Baum zu schauen führt dazu, dass der Blick auf das Wesentliche verloren geht.
Sonntag, 9. November 2014
Weitere Schritte in der Wissenschaft: Forschungspraktikum in der Allgemeinen Psychologie
Diesen Sommer stand das Pflichtpraktkum im Bachelorstudium an. Bedingt durch meine Forschungsinteresse habe ich mir hierfür ein Praktikum an der Universität ausgesucht. Zur Auswahl standen für mich die Fachbereiche Sozialpsychologie und Allgemeine Psychologie, die Sozialpsychologie aufgrund meiner Interesse an Gruppen und die Allgemeine Psychologie, weil sie die Grundlagen der Grundlagenfächer bereit hält. Die Entscheidung viel eher zufällig, da sich die Möglichkeit in der Allgemeinen Psychologie schneller bot.
Nun, wie war das nun mit dem Bewerbungsprozess? Letztendlich bin ich in die Sprechstunde meines Professors gegangen und habe ihn gefragt, ob man ein Praktikum machen kann. Er informierte sich bei seinen Kollegen, ich wurde noch einmal kurz im Plenum der Allgemeinen Psychologie befragt und schon hatte ich meinen Platz.
Ich unterstützte nun einen Dozenten bei seiner Forschung. Ihn selbst kannte ich bereits von einer Vertiefungsveranstaltung zur Kognitionspsychologie. Thema der Forschung war "Second Condition Order Learning": Hierbei tauchen auf dem Monitor Punkte an verschiedenen Positionen auf, mithilfe der letzten beiden Positionen lässt sich die nächste Position ermitteln. Was hier sehr trocken klingt, ist es in der Tat auch. Es dauerte auch eine Weile bis ich genau verstand, worum es eigentlich ging.
Anfangs beschäftigte ich mich mit Literaturrecherche. Allgemeinpsychologische Texte gehören zu den anspruchsvolleren Texten in der Psychologie. Schwierig wird es gerade bei einem Thema, dass man sich nicht wirklich gut vorstellen kann. Dass die Literatur auf Englisch war, machte es zugegeben nicht gerade angenehmer sich hier durchzuarbeiten. Die meiste Zeit war ich nur damit beschäftigt mich zu fragen, wovon zur Hölle diese Artikel genau handeln und wo sich die verschiedenen Artikel jetzt unterscheiden. Rückblickend lässt sich festhalten, dass ich erst nachdem ich die Studie geplant hatte verstand, worum es ging.
Der nächste Schritt, die Planung der Studie, war wesentlich angenehmer und bereitete mir auch viel Spaß. Zunächst musste ich mich in das Programm "E-Prime" einarbeiten. E-Prime ist ein Programm zur Erstellung von Experimenten auf dem PC. Man kann hierbei verschiedenes Stimulusmaterial(Bilder, Töne, Videos, etc.) einbauen und hunderte von Einstellungen vornehmen. Für sehr anspruchsvolle Experimente existiert zudem die Möglichkeit mithilfe von Programmiersprache(E-Basic) Modifikationen vorzunehmen.
Ich erstellte nun das Experiment und lernte, worauf es in der Programmierung an kam: Es geht nicht nur darum, dass alles flüssig läuft, sondern auch um die richtige Anordnung, darum die richtigen Variablen zu verwenden, man muss auf den Output achten, da man sonst letztendlich nicht die richtigen Daten bekommt, um die Studie so auszuwerten, wie man möchte.
Bei der Durchführung der Studie fungierte ich als Versuchsleiter. Menschen zuzusehen, wie sie vor dem PC sitzen und sehr anstrengende Tasks bearbeiten ist weniger unterhaltsam, wie man glaubt. Da wir jedoch mithilfe von IAPS eine bestimmte Stimmung induzierten, konnte man immerhin ein wenig Veränderung bei den jeweiligen Probanden von außen feststellen(angewiderte Gesichter, Verzweiflung, etc.). Die Durchführung verlief letztendlich ohne große Probleme. Probanden gab es genug, da mein Dozent die Studenten aus seinen LVs gewinnen konnte.
Dann kam die Auswertung: Die Studie umfasste 15 Blöcke mit jeweils 72 Trials, bei 72 Probanden sind das fast 78.000 Trials, die es zu auswerten gab. Zunächst musste der Datensatz aufbereitet werden, um ihn überhaupt verwenden zu können. Ich saß sehr lange Zeit vor SPSS und überlegte, wie ich bestimmte Variablen erstellen konnte und Ausreißer eliminieren. Mithilfe des Internets, meinen bis dato grundlegenden SPSS Kenntnissen und der Hilfe von einem Dozenten gelang es mir den Datensatz durchzuarbeiten.
Unsere Hypothese, dass die induzierte Stimmung einen Einfluss auf eine bestimmte Art von Fehlern hatte, ließ sich fürs erste nicht bestätigen. Aktuell wird die Hypothese mithilfe einer anderen Methode noch einmal geprüft - und bisher wurden auch nur schlecht gelaunte Probanden mit neutral gelaunten Probanden vergleichen, dass sich die Hypothese doch noch wenigstens teilweise bestätigen lässt, ist also noch möglich.
Nun: Was lässt sich festhalten zu meinem Praktikum? Ich habe sehr viele wichtige Erfahrungen gesammelt bezüglich was Wissenschaft bedeutet, wie man rangeht, was sich umsetzen lässt, etc. Bei der Auswertung merkte ich auch, dass ich bestimmte Dinge hätte besser antizipieren müssen, sodass die Auswertung leichter vonstatten geht. Ich habe festgestellt, dass auch ein fürs erste wenig spannend klingendes Thema in der Ausführung und Erforschung spannend werden kann.
Und das wichtigste: Das Praktikum hat mich in meinem Wunsch danach Forschung zu betreiben bestätigt. Es hat Spaß gemacht und wird auch noch eine Weile bestand meines Studiums bleiben.
Die Studie möchte mein Dozent bei einem Kongress einreichen, zu dem ich ihn begleiten kann, falls die Studie angenommen wird. Weiterhin wird mein Name im Artikel erscheinen, sodass ich meine erste Publikation erreicht habe. Meinem Dozenten kann ich nur Wertschätzung entgegebenbringen, da er ein freundlicher, kompetenter und wertschätzender Mensch ist.
Ich bin nun also Wissenschaftler. Es bleibt spannend, wie sich meine weiterer Weg gestalten wird.
Nun, wie war das nun mit dem Bewerbungsprozess? Letztendlich bin ich in die Sprechstunde meines Professors gegangen und habe ihn gefragt, ob man ein Praktikum machen kann. Er informierte sich bei seinen Kollegen, ich wurde noch einmal kurz im Plenum der Allgemeinen Psychologie befragt und schon hatte ich meinen Platz.
Ich unterstützte nun einen Dozenten bei seiner Forschung. Ihn selbst kannte ich bereits von einer Vertiefungsveranstaltung zur Kognitionspsychologie. Thema der Forschung war "Second Condition Order Learning": Hierbei tauchen auf dem Monitor Punkte an verschiedenen Positionen auf, mithilfe der letzten beiden Positionen lässt sich die nächste Position ermitteln. Was hier sehr trocken klingt, ist es in der Tat auch. Es dauerte auch eine Weile bis ich genau verstand, worum es eigentlich ging.
Anfangs beschäftigte ich mich mit Literaturrecherche. Allgemeinpsychologische Texte gehören zu den anspruchsvolleren Texten in der Psychologie. Schwierig wird es gerade bei einem Thema, dass man sich nicht wirklich gut vorstellen kann. Dass die Literatur auf Englisch war, machte es zugegeben nicht gerade angenehmer sich hier durchzuarbeiten. Die meiste Zeit war ich nur damit beschäftigt mich zu fragen, wovon zur Hölle diese Artikel genau handeln und wo sich die verschiedenen Artikel jetzt unterscheiden. Rückblickend lässt sich festhalten, dass ich erst nachdem ich die Studie geplant hatte verstand, worum es ging.
Der nächste Schritt, die Planung der Studie, war wesentlich angenehmer und bereitete mir auch viel Spaß. Zunächst musste ich mich in das Programm "E-Prime" einarbeiten. E-Prime ist ein Programm zur Erstellung von Experimenten auf dem PC. Man kann hierbei verschiedenes Stimulusmaterial(Bilder, Töne, Videos, etc.) einbauen und hunderte von Einstellungen vornehmen. Für sehr anspruchsvolle Experimente existiert zudem die Möglichkeit mithilfe von Programmiersprache(E-Basic) Modifikationen vorzunehmen.
Ich erstellte nun das Experiment und lernte, worauf es in der Programmierung an kam: Es geht nicht nur darum, dass alles flüssig läuft, sondern auch um die richtige Anordnung, darum die richtigen Variablen zu verwenden, man muss auf den Output achten, da man sonst letztendlich nicht die richtigen Daten bekommt, um die Studie so auszuwerten, wie man möchte.
Bei der Durchführung der Studie fungierte ich als Versuchsleiter. Menschen zuzusehen, wie sie vor dem PC sitzen und sehr anstrengende Tasks bearbeiten ist weniger unterhaltsam, wie man glaubt. Da wir jedoch mithilfe von IAPS eine bestimmte Stimmung induzierten, konnte man immerhin ein wenig Veränderung bei den jeweiligen Probanden von außen feststellen(angewiderte Gesichter, Verzweiflung, etc.). Die Durchführung verlief letztendlich ohne große Probleme. Probanden gab es genug, da mein Dozent die Studenten aus seinen LVs gewinnen konnte.
Dann kam die Auswertung: Die Studie umfasste 15 Blöcke mit jeweils 72 Trials, bei 72 Probanden sind das fast 78.000 Trials, die es zu auswerten gab. Zunächst musste der Datensatz aufbereitet werden, um ihn überhaupt verwenden zu können. Ich saß sehr lange Zeit vor SPSS und überlegte, wie ich bestimmte Variablen erstellen konnte und Ausreißer eliminieren. Mithilfe des Internets, meinen bis dato grundlegenden SPSS Kenntnissen und der Hilfe von einem Dozenten gelang es mir den Datensatz durchzuarbeiten.
Unsere Hypothese, dass die induzierte Stimmung einen Einfluss auf eine bestimmte Art von Fehlern hatte, ließ sich fürs erste nicht bestätigen. Aktuell wird die Hypothese mithilfe einer anderen Methode noch einmal geprüft - und bisher wurden auch nur schlecht gelaunte Probanden mit neutral gelaunten Probanden vergleichen, dass sich die Hypothese doch noch wenigstens teilweise bestätigen lässt, ist also noch möglich.
Nun: Was lässt sich festhalten zu meinem Praktikum? Ich habe sehr viele wichtige Erfahrungen gesammelt bezüglich was Wissenschaft bedeutet, wie man rangeht, was sich umsetzen lässt, etc. Bei der Auswertung merkte ich auch, dass ich bestimmte Dinge hätte besser antizipieren müssen, sodass die Auswertung leichter vonstatten geht. Ich habe festgestellt, dass auch ein fürs erste wenig spannend klingendes Thema in der Ausführung und Erforschung spannend werden kann.
Und das wichtigste: Das Praktikum hat mich in meinem Wunsch danach Forschung zu betreiben bestätigt. Es hat Spaß gemacht und wird auch noch eine Weile bestand meines Studiums bleiben.
Die Studie möchte mein Dozent bei einem Kongress einreichen, zu dem ich ihn begleiten kann, falls die Studie angenommen wird. Weiterhin wird mein Name im Artikel erscheinen, sodass ich meine erste Publikation erreicht habe. Meinem Dozenten kann ich nur Wertschätzung entgegebenbringen, da er ein freundlicher, kompetenter und wertschätzender Mensch ist.
Ich bin nun also Wissenschaftler. Es bleibt spannend, wie sich meine weiterer Weg gestalten wird.
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