Montag, 26. Mai 2014

Schluss mit dem Freud-Bashing!

Er ist der wohl bekannteste Psycholge der Welt. Seine Art zu therapieren wird in Filmen gezeigt. Auf ihm und seiner Art und Weise beruhen die Klischees, mit denen Psychologen zu kämpfen haben: Sigmund Freud.

Seine Theorien wurden und werden seitdem sie bestehen bekämpft und belächelt - doch besiegt hat man sie nie. Dennoch ist die Psychoanalyse Freuds ständiger Geringschätzung ausgesetzt. Er beziehe alles auf die Kindheit, die Mutter und Sexualität. Die Psychoanalyse sei unwissenschaftlich. Sie ist wie eine Religion, man ist für sie, oder gegen sie.

Seit fünf Jahren beschäftige ich mich nun mit der Psychologie und genauso lange kenne ich Freuds Theorien. Und dennoch stoß ich immer wieder auf neue Erkenntnisse. Neue Perspektiven, die seine Theorien in einem helleren Licht, wie schon davor erstrahlen lassen. Vor kurzem war es so mit der Sexualität.

Wenn man sich mit Freud beschäftigt, glaubt man in der Tat sehr schnell, dass er ein verstörter sexversessener Typ ist. Kindliche Onanie. Die Anale Phase. Lustgewinn durch Saugen an der mütterlichen Brust.

Doch Freuds Sexualitätsbegriff hat eigentlich recht wenig mit genialter Sexualität, also mit dem was der Otto-Normal-Bürger unter Sex versteht, zu tun. Sein Sexualitätsbegriff ist viel weiter gefasst und kann am ehesten mit dem gleichgesetzt werden, was man im Deutschen unter "lieben" versteht: Das Gefühl von Halt, körperliche Nähe, sich Fallen lassen können, sich auf jemanden verlassen können und natürlich auch gewöhnlicher Sex.

Fasst man Freuds Sexualitätsbegriff derat auf, wie er ihn selbst gemeint hat, so wirken seine Theorien gleich viel weniger pervers. Die Theroie der psychosexuellen Entwicklung erscheint hierbei richtig schlüssig. Die kutane Phase nach der Geburt, in der durch Körperkontakt, Berührung ein allgemeines angenommen sein in der Welt vermittelt wird. Die orale Phase, die durch die Befriedigung der Essbedürfnisse ein Urvertrauen weckt, also das Vertrauen darauf, dass jemand da ist, wenn man jemanden braucht. Die anale Phase, vermittelt durch die persönliche Kontrolle über den Ausscheidungsvorgang wird früh gelernt, inwieweit man sich selbst hergeben, hingeben darf, wann man möchte. Die phallische-ödipale Phase, in der das Kind durch Beschäftigung mit dem eigenen Geschlechtsteil erlernt, dass es ein bestimmtes Geschlecht hat und das auch ok ist. Und dass es begehrt wird.

Freuds Theorien werden meiner Meinung nach zu wenig gewertschätzt. In der heutigen Psychologie, die immer weiter ökonomisiert wird, aufs messbare reduziert wird, ist ein wenig Wertschätzung von Sigmund Freud durchaus angebracht. Darum Schluss mit Freud-Bashing. Der Mann ist und bleibt genial.

Dienstag, 11. Februar 2014

Emotionalisiert die Politik! Oder: Warum Versachlichung den Fundamenten unserer Gesellschaft schadet.

Es ist immer wieder unglaublich wie unterschiedlich bestimmte Themen diskutiert und beachtet werden. Da werden über Jahre hinweg massiv unsere Freiheitsrechte von den USA verletzt, da kämpfen Menschen in der Ukraine für ihre Freiheit, für Europa - und mal etwas überspitzt gesagt: Keinen interessierts. Wird aber eine Giraffe in einem Zoo umgebracht, oder es wird darüber diskutiert, dass auch Vegetarierer & Veganer der Umwelt schaden - dann entfacht ein regelrechter Shitstorm. Für mich persönlich unverständlich.

Warum ist das so? Ein Wort: Emotionen. Sie werden verabscheut, abgelehnt, als Schwäche dargestellt, sie sind jedoch wichtig, wie kaum etwas anderes. Emotionen färben unsere Gedanken, unterscheiden Wichtiges von weniger Wichtigem, sie haben Schutzfunktionen, sie motivieren und optimimieren uns. Dinge, die uns egal sind, lösen keine oder nur schwache Emotionen aus. Dinge, für die wir brennen, führen zu starken Emotionen.

Unser Essen ist stark mit Emotionen verbunden. Essen führt zu Emotionen und Emotionen bestimmen was wir essen wollen. Das ist wohl der Grund weshalb Vegetarier so ausrasten, wenn man ihre Haltung kritisiert. Das ist wohl der Grund weshalb man einen Fleischliebhaber nicht vom Fleischessen abhalten kann, egal wie viele Wälder dafür gerodet werden.

Die heutige Politik ist wenig von Emotionen geleitet. Es wird Rationalität gefordert, man braucht Entscheidertypen, die den bestmöglichen Konsens für ihre Klienten herausholen. Hört man z.B. Frau Merkel zu, spürt man keine Leidenschaft, kein Feuer in ihr. Sie ist nicht mehr als die Oberbürokratin, die ihre Alltagsgeschäfte verrichtet, so gut wie sie eben kann. Das ist totaler Blödsinn!

Die EU zum Beispiel: Wie soll ein solches Konstrukt anerkannt werden, geschätzt werden, wenn unsere Obrigkeiten davon so langweilig berichten, wie es eben real betrachtet auch ist. Man erzählt von Gesetzgebungsprozessen und langweiligen Details, von organisatorischen Schwierigkeiten, anstatt von dem was wirklich wesentlich ist: Die EU ist unser Staat, die EU hat die europäischen Staaten zusammengebracht und uns Frieden und Wohlstand gebracht, von dem viele Menschen auf der Welt nur Träumen können. Die EU ist ein wunderbares Projekt und das Erklingen ihrer Hymne sollte zu Gerührtheit und Tränen führen. Tut sie jedoch nicht.

Versachlichung ist bei vielen Dingen wichtig und richtig, doch wenn Versachlichung zum erstrebenswerten Status Quo ernannt wird, wenn man nur noch aufgrund der Faktenlage entscheiden und handeln soll, dann ist es keine Wunder, dass Länder wie die USA auf unsere Freiheitsrechte scheißen. Wenn man die Debatte Freiheit versus Sicherheit sachlich führt, so bin ich mir sicher lassen sich mehr Argumente für die Sicherheit finden als für die Freiheit.

Das darf aber nicht sein. Eine Gesellschaft braucht Kämpfer, Menschen die an etwas glauben und danach streben und daran arbeiten, egal wie schwer es ist, egal ob die Sachlage dagegen spricht. Darum meine Empfehlung an die Politiker dieser Welt und auch an alle anderen Menschen: Nutzt eure Emotionen, lasst sie nicht verotten.

Führt einen Feiertag für die Freiheit Europas ein. Zelebriert diesen unglaublich, wie Weihnachten! Lasst die Lehrer mit Tränen in den Augen berichten, was unsere Gesellschaft schon alles erreicht hat. Seid stolz auf unsere Werte, träumt und lasst euch darauf ein. Seid emotional! Nur das kann die Fundamente unserer Gesellschaft retten - von den Sicherheitsfanatikern und all den anderen Homo oecomonicusern.

Dienstag, 21. Januar 2014

Philosophische Grundlagen: Über Mors et Pestis und die Veränderbarkeit der Welt

Ich persönlich vertrete die Ansicht, dass man sich gerade als Psychologiestudent fragen muss: Woher kommt meine Motivation? An was glaube ich? Wer bin ich und zu was führt das? Es geht hierbei sozusagen um die persönliche Philosophie, eigene Grundsätze, etc. Meine Motivation kommt vor allem aus der Annahme, dem Glauben, von einer Veränderbarkeit der Welt, der Menschen.

Mors et Pestis gehört hier zu den zentralen Konstrukten meiner Gedankenwelt. Es ist mein Ausdruck für das Schlechte, es ist die Annahme einer grundsätzlichen Schlechtheit der Welt -unbehebbar.

Mors et Pestis lässt sich hierbei mit Rene Descartes "Cogito ergo sum" verbinden. Er geht von einer Unzulänglichkeit der eigenen Sinne aus. Wenn ich mich nicht auf die eigenen Sinne verlassen kann, so muss ich zweifeln. Zweifel ist eine Form von Denken - Ich denke also bin ich.

Zweifel ist grundsätzlich negativ. Dies meint nicht, dass es schlecht ist, wenn man an manchen Dingen zweifelt (Ganz im Gegenteil, dies ist der Grundsatz des kritischen Denkens). Die Negativität kommt aus dem Bedarf zum Zweifeln: Müsste man nicht zweifeln, könnte man sich also auf alles verlassen - dann wären wir wohl nah an der Utopie der pefekten Welt.

Wenn ich die Welt durch meine Sinne wahrnehme, so muss ich an allem zweifeln, da die Sinne trügen. Ist alles anzweifelbar, so gibt das allem einen negativen Beigeschmack. Hier setzt Mors et Pestis an: Die grundsätzliche Anzweifelbarkeit, die grundsätzliche Schlechtheit von allem.

Dieser Grundsatz hilft natürlich nicht weiter. Hieraus ergibt sich nur Verzweiflung oder Suizid. Damit dieser Grundsatz brauchbar wird, müssen weitere Annahmen gemacht werden.

Nun, das Gedankenkonstrukt macht keinerlei Annahmen über das Ausmaß an Schlechtheit, es stellt schlicht und ergreifend fest, dass die Welt schlecht ist. Das Ausmaß an Schlechtheit allerdings kann variieren. Die Demokratie beispielsweise ist die schlechteste Regierungsform, mit Ausnahme aller anderen. Sie ist nicht perfekt, aber wesentlich weniger schlecht als eine Diktatur.

Eine perfekte Welt ist Unfug, ist Utopie. Solange es Menschen gibt(und auch darüber hinaus), wird es auch schlechte Bestandteile geben, ob eingebildet oder objektiv ist hierbei nicht von Belang. Eine bessere Welt als die heutige hingegen ist machbar.

Statistisch gesehen gibt es ohnehin kein gut oder schlecht, es gibt nur ein bestimmte Ausmaß auf einer Skala zwischen Gut und Schlecht. Ich betrachte es als Lebensaufgabe den Punkt auf dieser Skala in Richtung gut weiter zu verschieben.

Um noch einen Bezug zur Psychologie herzustellen: Die Berufsethik eines Psychologen verlangt nicht nur eine einseitige Anpassung von Individuen an die Gesellschaft, sie verlangt eine Humanisierung der Gesellschaft. Es ist eine ethische Pflicht von Psychologen Missstände, die man feststellt anzugehen, Faktoren, die das psychische Wohl des Menschen bedrohen, zu minimieren. Ein Psychologe kümmert sich nicht nur um die Kranken, er verhindert auch, dass man überhaupt krank wird.





Donnerstag, 16. Januar 2014

Erste Schritte in der Wissenschaft

Das empirisch-experimentelle Seminar war nun im dritten Semster die zweite Lehrveranstaltung, in der "geforscht" wurde. Es ging darum in einer Gruppe eine selbstgewählte Fragestellung empirisch zu überprüfen. Meine Gruppe bestand aus 5 Männern, mit denen ich wenig bis keinen Kontakt hatte bis zu diesem Zeitpunkt.

Unsere Fragestellung drehte sich um den zeitlichen Verfall des Flow-Zustandes. Flow meint einen Zustand, der durch eine Versunkenheit in der Tätigkeit gekennzeichnet ist, in welchem "alles wie von selbst geht". Er tritt dann auf, wenn eine Passung zwischen den Anforderungen der Tätigkeit und den eigenen Fähigkeiten vorliegt. Der Flow-Zustand ist sehr mit der Tätigkeit verbunden, d.h. er kann nur auftreten, wenn man etwas tut. Misst man Flow, so unterbricht man den Flow-Zustand - weshalb der Flow-Wert geringer ausfallen sollte.

Auf diesen beiden Tatsachen baute unsere Haupthypothese auf: Eine Zeit lang nach der Tätigkeit sollte der Flowwert siginifikant gefallen sein, allerdings immernoch höher sein, als hätte man diese Tätigkeit nicht ausgeführt. Höher deshalb, weil Flow, gemessen mit der Flow-Kurzskala (FKS) aus Absorbiertheit (in der Situation versunken sein) und Glatter Verlauf (alles geht von selbst) besteht. Wir nahmen an, dass der Glatte Verlauf stärker mit der Tätigkeit verbunden ist und daher schnell nach dem Abbrechen einer Tätigkeit verschwindet. Die Absorbierheit sollte allerdings anhalten.

Um unsere Hypothese zu testen, mussten wir eine geeignete Stichprobe finden. Zunächst haben wir uns für Skifahrer entschieden, da man sie in den Alpen praktisch unendlich antrifft. Die Störvarialben(das sind Faktoren, die die Ergebnisse einer Studie verfälschen können) für eine Studie auf der Skipiste waren allerdings unerwartet hoch (Alkoholiserung der Skifahrer, unterschiedlich langer Aufenthalt, unterschiedliche Fähgikeiten, etc.), sodass wir unsere Studie auf ein "leichteres" Feld verschoben haben: Schwimmer.

In unserer Studie haben wir den Flow-Wert dreimal getestet: vor dem Schwimmen, während dem Schwimmen und nach dem Duschen. Die Durchführung der Studie ging recht leicht von der Hand, jedoch hatten wir wenige Probanden und ein Proband fehlte in der dritten Runde.

Unser Ergebnis war zunächst bitter: Keine signifikanten Unterschiede. Nachdem wir den Probanden, der in der dritten Runde fehlte, wenigstens für die ersten beiden Flowmessungen herangezogen haben, hatten wir immerhin  einen signifiaknten Unterschied zwischen diesen beiden Flowmessungen. Unsere zentrale Hypothese des Flow-Zerfalls ließ sich aber auch mit keinerlei statistischen Spielerien im Ansatz signifikant machen. Anders wie erwartet, nahm der Glatte Verlauf mit Tätigkeitsbeendigung nicht ab, sondern war auch noch nach dem Duschen messbar.

Weshalb das so ist? Darüber müssen wir noch nachdenken und mutmaßen.

Das Seminar an sich hat mich jedenfalls nicht von der wissenschaftlichen Arbeit abgeschreckt, ganz im Gegenteil: Etwas zu erforschen, die Daten durchzuackern, Ergebnisse zu erklären, daraus schlusszufolgern macht immens Spaß.

Interessant ist auch der Aspekt der Gruppenarbeit: 5 Personen reichen locker aus, um eine Verantwortungsdifussion(man fühlt sich in Gruppen nicht verantwortlich, etwas zu tun) zu erzeugen. Aus diesem und auch Gründen unterschiedlich hoher Motivation für das Seminar musste jemand die Gruppenführung übernehmen. In unsere Gruppe gab es letztendlich zwei "Anführer", ich war einer davon. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass ich selbst einen stärkeren Führungsanspruch hatte. Wer weiß, ob da in mir ein ausgeprägtes Machtmotiv schlummert.

Dienstag, 31. Dezember 2013

Studentischer Jahersrückblick 13: Jahr 1 im Psychologie Bsc

Das Jahr 2013 endet und damit studiere ich nun bereits im 3. Semester Psychologie. Nach etwas mehr als einem Jahr Studium habe ich schon einige Erkenntnisse erlangt. Dieser Beitrag soll als Dokumentation meiner eigenen Entwicklung im Studium dienen, über meine Ansichten, über was mich fasziniert und wohin mich mein Weg wohl führt.

Natur Versus Umwelt
Die Debatte Natur versus Umwelt ist eine zentrale in der Psychologie. Was ist wichtiger bei der menschlichen Entwicklung, was zählt mehr? Meiner Meinung nach zählt die Umwelt mehr. Darwins Evolutionstheorie trifft sicher zu - auch beim Menschen. Viele Merkmale des Menschen zeigen in typischen Verhaltensweisen und Einstellungen. Diese werden durch die Sozialisation vermittelt. Ich denke es ist weniger biologisch, wenn sich Männer einer Familie über Generationen ähnlich verhalten. Für mich ist es das Ergebnis der primiären Sozialisation.

Leib-Seele-Problem
Gibt es sowohl Leib als auch Seele? Oder ist der Geist rein biologisch erklärbar? Hier sehe ich mich am besten durch den Komplemtarismus vertreten. Mag der Glaube an die Naturwissenschaft auch eigentlich einen Geist ausschließen, so ist der Geist dennoch unverzichtbar, um bestimmte Aspekte zu erklären. Es braucht beides, sowohl Leib, als auch Seele.

Qualitative versus quantitative Forschung
Als alter Matheliebhaber sollte es nahe liegen, dass ich mich der quantitativen Forschung verpflichtet fühle. Ich muss allerdings sagen, dass es keineswegs ohne qualitative Forschung geht. Die Psychologie muss sich nicht vor Physikern rechtfertigen. Die Psychologie muss den Weg der Forschung gehen, der für sie am besten ist: Und das ist bisher eine Kombination aus beidem.

Welchen Fächern fühle ich mich am nahsten?
Bisher faszinieren mich die Sozialpsychologie und die Kulturpsychologie am meisten. Menschen in Gruppen, der Einfluss der Kultur auf den Menschen und des Menschen auf die Kultur.

Welche Themen faszinieren mich?
Gruppenpsychologie. Wie verhalten sich Menschen in Gruppen, wie lässt sich das erklären, wie entwickelt sich eine Gruppe - eine bestimmte Kultur. Hier sind wir beim zweiten faszinierenden Thema der Kultur. Der Mensch als aktiver Kulturmacher. Kultur ist das was man tut. Gerade, wenn es um das Geschlecht geht, merkt man den immensen Einfluss der Kultur, der man angehört. Was fasst man als männlich auf? Welche Gegenstände, welche Verhaltensweisen, welche Kleidung, Berufe, etc.? Aus dem Zusammenspiel von wenigen Menschen entwickelt sich über die Zeit hinweg ein Repertoire von Verhaltensweisen, Einstellungen, Erwartungen auf die immer weiter wachsende Gruppe. Und das dritte faszinierende Thema ist die Manipulation: Wie kann man einzelne Menschen verändern? Wie kann man selbst eine bestimmte Kultur erzeugen? Wie kann man Massen von Menschen verändern oder dazu bringen sich auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten?

Wo sehe ich meine Zukunft in der Psychologie?
Aktuell sehe ich sie in der Forschung und in einer Anwendung meiner Forschung. Gerade Präventionsforschung ist interessant. Was ist es in unserer Gesellschaft, was Menschen krank macht. Wie lässt es sich verändern? Dafür möchte ich herausfinden, wie Gruppen funktionieren und was Individuen darin krank macht, inwieweit die Kultur, die Sozialisation dabei eine Rolle spielt & am wichtigsten, was & wie muss manipuliert werden, damit sich die Gesellschaft in eine humane & nachhaltige wandelt.

Dienstag, 12. November 2013

Die Deutschen - ein anal retentives Volk

Sigmund Freud. Kein Psychologe kommt an seinen Theorien vorbei, insbesondere nicht am Instanzenmodell oder der psychosexuellen Entwicklung. Die am häufigsten erwähnten Phasen der psychosexuellen Entwicklung sind die orale, die anale und die phallische Phase. Hier soll nur auf die anale Phase eingegangen werden.

Die anale Phase ist eine frühkindliche Phase, die ca. das 2. und 3. Lebensjahr umfasst. Innerhalb dieser Phase lernt das Kind im Konflikt mit den gesellschaftlichen Normen und sein Ich kennen. Die Sauberkeitserziehung spielt hierbei eine große Rolle: Das Ausscheiden von Kot bringt dem Kind in dieser Phase Triebbefriedigung. Eine erfolgreiche Absolvierung der analen Phase zeigt sich darin, dass das Kind lernt nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort diesen Trieb auslebt, es erlent also Kontrolle. Ein Misserfolg zeigt sich u.a. in einem übertriebenen hergeben oder verweigern von Dingen.

Ausgehend von den Phasen beschreibt Freud verschiedene Persönlichkeitsformen. Der anal-retentive Charakter knüpft an ein Überlernen von Kontrolle in der analen Phase an. Er zeigt sich in gewissen Zwängen und in der sogenannten analen Triade: Ordnung/Sauberkeit, Sparsamkeit/Geiz, Eigensinn/Pedanterie.

Ordnung, Sparsamkeit, Pedanterie? Vielleicht stimmen mir Deutsche hier weniger zu, aber Nicht-Deutsche werden mir durchaus zustimmen können, dass sich das verdächtig nach Deutschland anhört. Ob in der Arbeit, den Gesetzen, jeglicher Bürokratie, dem allgemeinen Lebem - Ordnung und Sauberkeit (insbesondere Ordnung!) sind in der deutschen (früher nur dem preußischen Teil, heute ganz Deutschland) Kultur das A & O. Sparsamkeit & Geiz mögen eher den Schwaben zugerechnet werden, wenn man jedoch nur kurz über die Spardiktate die Deutschland über Europa verhängt (sehr wohl mit krasser Zustimmung vieler Deutscher!) und den Widerstand der Deutschen sobald es an ihren Geldbeutel geht denkt, kann der Geiz wohl doch ganz Deutschland zugerechnet werden. Und pedantisch zu sein, also alles immer schön kleinlich und genau zu nehmen gehört unlängst zur deutschen Tradition (man denke mal nur an die Gesetze).

Liegt das Geheimnis der Deutschen, an ihrem wirtschaftlichen Erfolg, ihrem Drang zur Perfektion und Detailliertheit, ihrem Bedürfnis alles und jeden zu regeln, ihrer enormen Spießigkeit und ihrem ungesunden Leistungszwang also schlicht und ergreifend in einer mangelhaft bewältigten analen Phase zugrunde? Werden deutsche Kinder zu früh und zu stark dazu gedrängt ihre Ausscheidungen in den Griff zu bekommen? Würde ein wenig mehr Scheißen (sorry hierfür) aus den Deutschen also ein Volk machen, dass viele andere Völker besser verstehen könnten?

Als Psychologiestudent muss ich wohl mit einem Nein antworten. So leicht scheint es nicht zu sein. Der Zusammenhang zwischen der Sauberkeitserziehung und dem anal retentiven Charakter (und auch allen anderen Phasen und beschriebenen Persönlichkeitstypen) lässt sich kaum empirisch halten. Die Persönlichkeitstypen selbst jedoch, sollen tatsächlich vorkommen. Was das für die Deutschen & den Rest der Welt heißt, soll sich jeder selbst überlegen.

Für mich jedenfalls, vielen Dank hierfür Sigmund Freud, werden die Deutschen absofort ein anal retentives Volk sein.


"Mir scheint, die wichtigste Redensart im Deutschen heißt: Spaß beiseite, Ernst komm her."
Ramanthan Guri

"Deutscher Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht."
Sigismund von Radecki

Donnerstag, 7. November 2013

Angela Merkel - Weshalb sie wieder gewählt wurde

In den letzten Monaten habe ich mich oft gefragt, warum die Deutschen Angela Merkel wieder gewählt haben. Ihre schwarz-gelbe Regierung versagte in einem Ausmaß, wie schon lange keine Regierung in Deutschland mehr versagt hat: Viele Rücktritte, vermasselte oder fehlende Reformen, keine klare Linie, eine Kanzlerin die nur in Phrasen redet, Minister, die scheinbar ahnungslos in ihrem Gebiet sind, etc.. Dazu kam ein einschläferender Wahlkampf, lustlos und ohne Vision. - Und trotzdem wurde die CDU und Merkel gewählt - beinahe mit absoluter Mehrheit.

Die Popularität Merkels ist allseits bekannt, doch einen wirklichen Grund warum, kann kaum jemand nennen. Sie macht ihre Arbeit gut? Wohl kaum. Sie ist ehrlich zum Volk? Fehlanzeige. Attraktives Äußeres? Kein Kommentar. Wie sehr ich auch rational nachgedacht habe, ich kam nie zu einem Ergebnis, es erschien mir so abwegig weshalb man sie mögen sollte. Bis vor kurzem.

Für die Erklärung ihrer Popularität ist das Konzept der hegemonialen Männlichkeit hilfreich. Hegemoniale Männlichkeit meint die kulturell dominate Form von Männlichkeit. Sie ist sozusagen die Form von Männlichkeit, die Macht hat. Das aktuelle Leitbild der hegemonialen Männlichkeit ist der Homo oeconomicus: der ausschließlich von wirtschaftlichen, Zweckmäßigkeits-Erwägungen geleitete Mensch. Verstand, Vernunft - wirtschaftlich erfolgreich. Er ist das Idealbild des männlichen, weißen, bürgerlichen Menschen.

Dem Leitbild, dem Ideal der hegemonialen Männlichkeit entspricht kaum ein Mensch. Doch es gibt Menschen, die diesem Ideal sehr nahe kommen. Interessanterweise ist die Erfüllung der hegemonialen Männlichkeit nicht nur für Männer hilfreich, sondern auch für Frauen. Hier findet sich möglicherweise der Ursprung für die Popularität Merkels. Früher noch, war sie ungepflegt, rebellisch, relativ unbekannt. Mit steigendem Machtambitionen näherte sich ihr Image und Äußeres jedoch immer näher dem Homo oeconomicus an. Gleichzeitig stieg ihre Popularität.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Merkel teilweise als kühl, als durchdacht beschrieben. Sie wählt den "wirtschaftlich vernünftigen Weg". Es gibt keine Ausnahmen, keine Schwäche. Merkel präsentiert sich beinahe als Prototyp der hegemonialen Männlichkeit. Das wirkt. Ob man sich dessen bewusst ist, oder nicht, die Erfüllung der hegemonialen Männlichkeit wird in der Gesellschaft als erstrebenswert angesehen. Wer sie erfüllt hat Macht und Ansehen.

Quintessenz:
Angela Merkel erfüllt das Bild der hegemonialen, der mächtigen dominaten Männlichkeit. Diese Erfüllung spiegelt sich in ihrer Popularität wider.