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Dienstag, 30. Juli 2019

Warum fehlende Härte nicht unser Problem ist

Viel zu häufig wird heutzutage "Härte" gefordert. Etwas passiert und die volle "Härte" des Staates wird gefordert. Man muss "hart durchgreifen". Man muss "die volle Härte der Gesetze" durchsetzen. Diese und ähnliche Forderungen sind kompletter Nonsense.

Härtere Sanktionen und härteres Durchgreifen führen in der Regel nicht zum Ziel, sondern arbeiten gegen das eigene Ziel an. Unser Justizsystem ist zurecht auf die Rehabilitation der Straftäter ausgerichtet. Das Ziel ist das Wiedererlangens der bürgerlichen Freiheit und Teilhabe an der Gesellschaft. Ein "harter Staat" weckt Misstrauen gegenüber den staatlichen Institutionen und führt zu einer geringeren Bindung an soziale Regeln. Die Folge ist die Ausnutzung von Grauzonen, das Verstecken eigener Schwächen, Lug, Betrug und bewusste Missachtung von Regeln und Gesetzen.

Der Staat muss seinen Bürgern Vertrauen schenken. Und wir müssen anderen Bürgern Vertrauen schenken. Die Chance morgen ein besserer Mensch zu sein. Wer selbst ein humanistisches Ideal gegenüber anderen Menschen vertritt, der erzeugt in ihnen auch die Lust diesem selbst zu folgen, da es sich lohnt. Die wichtige Message muss sein: Vertrauen in die Regeln, Vertrauen in die Mitmenschen - das lohnt sich, denn am Ende leben wir alle damit besser.

Die Dynamik menschlicher Interaktionen und menschlichem Zusammenlebens ergibt sich aus selbsterfüllenden Prophezeihungen. Ein einfaches Beispiel ist die sogenannte "Theorie X" und "Theorie Y":
  • Ein Arbeitgeber, der nach "Theorie X" arbeitet geht davon aus, dass Mitarbeiter faul und arbeitsscheu sind und deshalb stark kontrolliert werden müssen. Hieraus ergeben sich starre Vorschriften und Kontrollen. Beim Mitarbeiter erzeugt dies ein passives Arbeitsverhalten: Wird er vom Arbeitgeber kontrolliert und beobachtet führt er ziemlich genau das aus, was der Arbeitgeber von ihm verlangt, nicht mehr und nicht weniger, da hierdurch Sanktionen drohen. Es folgt eine geringe Eigeninitative, da diese sich nicht lohnt. Steht man nicht unter Beobachtung wird sich von der strengen Beobachtung erholt und dadurch das Arbeitsvolumen gesenkt. Aus dem passivem Arbeitsverhalten heraus wird der Arbeitgeber in seiner "Theorie X" bestätigt.
  • Ein Arbeitgeber der "Thoerie Y" hingegen geht davon aus, dass seine Mitarbeiter grundsätzlich motiviert sind und sich gerne für ihre Arbeit anstrengen. Hieraus ergeben sich für den Mitarbeiter verschiedene Freiräume und Freiheiten. Der Mitarbeiter erledigt seine Arbeit so, wie er es am besten kann. Durch seine Freiräume und geringe Angst vor Sanktionen bei kleineren Abweichungen von der Vorgabe, übernimmt er auch Aufgaben außerhalb seines eigentlichen Arbeitsbereichs. Ein solcher Mitarbeiter wirkt motiviert und zeigt Eigeninitiave. Der Arbeitgeber wird in seiner "Theorie Y" bestätigt.
Die Beispiele sollen erläutern, dass durch das eigene und staatliche Verhalten Bedinungen geschaffen werden unter denen ein bestimmtes Spektrum an Verhaltensweisen möglich oder nicht möglich ist. "Weiche Sanktionen" halten am Vertrauen fest und führen dazu, dass ein Mensch ein Spektrum an Verhaltensweisen ausprobieren kann und so erfahren kann, mit welchem Mitteln er am besten im Zusammenklang mit anderen Menschen leben kann. Eine humanistische Lebenswelt, die Vertrauen und prosoziales Verhalten belohnt führt damit dazu, dass Menschen sich im wesentlichen an dem Ideal orientieren. Prosoziales Verhalten, das nicht unmittelbar zur Bedürfnisbefriedung führt, lohnt sich, da davon auszugehen ist, das zumindest mittelfristig die erhoffte Belohnung wiederholt erfolgen kann. "Harte Sanktionen" führen hingegen zu Misstrauen und eingeschränkten Spielräumen, die dazu führen, dass neue Verhaltensweisen weniger ausprobiert werden können. In einer stark sanktionierenden Umgebung werden Verhaltensweisen belohnt, die unmittelbare Befiedigung von Bedürfnissen ermöglichen, da damit zu rechnen ist, dass bald wieder eine Sanktion erfolgt und man den Zeitraum bis zur Sanktion auskosten muss.


Samstag, 17. Februar 2018

Pläne für eine neue Sozialdemokratie

Die Welt ist im Wandel und das Parteiensystem verändert sich. Die deutsche SPD und andere sozialdemorkatische Parteien müssen sich anpassen, verändern, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Hier möchte ich ein paar Punkte präsentieren, die für eine künftige Sozialdemokratie wichit sein könnten:

EUROPA
Zuerst genannt, da er unglaublich wichtig ist. Die Globalisierung ist mehr oder weniger vollendet. Heute spielt der Wettbewerb von Firmen innerhalb der Landesgrenze eine weitaus geringere Rolle als früher. Ein isolierter einzelner Staat kann wenig bewegen, da er auf die Entscheidungen anderer Staaten stets reagieren muss. Dies führt zu einer Einschränkung der Handlungsfreiheit des Staates.

Daher braucht es eine Reform der EU, eine Erweiterung der EU in Richtung eines echten Staates. Die EU braucht eine Regierung, die sich für die Interessen der europäischen Bürger in ganz Europa und der Welt einsetzt. Hierfür braucht es eine Ermächtigung der Europaparlaments. Hierzu braucht es ein Initiativrecht des Europaparlements und den Grundsatz: "Europarecht bricht Landesrecht". Das europäische Parlament muss demoraktisch legimentiert werden, sodass es eine legitime Regierung entsenden kann, die sich um die Wirtschaft, soziale Absicherung, Sicherheit und Entwicklung Europas kümmert.

Nur ein starkes, handlungsfähiges Europa kann in der globalisierten Welt unsere Interessen durchsetzen. Nur ein starkes, handlungsfähiges Europa kann Ungerechtigkeit seien sie wirtschaftlich, militärisch oder humanitär beheben.

Die Sozialdemokratien müssen die europhilen Parteien der EU werden. Die Sozialdemokratie muss sich effektiv für europäische Lösungen einsetzen, wo es europäischer Lösungen bedarf. Wir dürfen keine nationalen vor europäischen Interessen stellen.

GROSSKONZERNE
Die Wirtschaft wird in vielen Branchen von wenigen riesigen Konzernen oder Konzerngruppen dominiert. Gerne sitzen diese in Amerika und beziehen sich auf US-Recht und entziehen sich unserer Kontrolle. Weiterhin hinterziehen sie gerne Steuern über Steueroasen und nutzen eine jedes Schlupfloch, das ihren Interessen dient.

Die Sozialdemokratien sollten sich dafür einsetzen, dass diese Firmen einen einen Sitz in der EU haben. Auch müssen Internetfirmen dazu gezwungen werden Server in Europa einzurichten, sodass die Daten der europäischen Bürger in europäischer Hand sind. Globalisierung darf nicht bedeuten sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen. Konzerne dürfen nicht die Welt regieren.

Konzerne müssen auch dazu gezwungen werden in dem Staat ihre Steuern zu zahlen, in dem sie ihre Waren loswerden. Alternativ muss eine europäische Steuer eingeführt werden, die auf die europäischen Regionen fair und umsatzgetreu verteilt werden. Steuerdeals mit harsch bestraft und unterbunden werden.

EIGENTUM VERPFLICHTET
Wer besitzt hat eine gesellschaftliche Verantwortung. Wer dieser Verantwortung nicht gerecht wird, dem muss sie entzogen werden: Konzerne und Banken, die bankrott gehen, weil sie scheiße gewirtschaftet haben dürfen gerettet werden, aber nur wenn ihr Eigentum an den Staat über geht. Wenn eine ganze Branche, eine Großzahl an Menschen am Überleben eines Konzern angewiesen sind, dann müssen sie auch gesellschaftlich kontrolliert werden können.

Wenn eine Firma wie VW mit unlauteren Mitteln Gewinne erzielt und dann wenn es rauskommt im freien Fall ist, dann darf ihre wichtige Position für Deutschland kein Kritierum sein, dass man sie nicht bestraft. Eine solche Firma muss ihre Schulden an die Gesellschaft zurückzahlen und wenn sie das nicht kann wird sie verstaatlicht. Zudem sollten Manager auch privat haften können, wenn sie eine Firma in den Ruin treiben.

Eigentum verpflichtet. Dieser Grundsatz muss viel stärker beachtet werden um die Auswüchsen des Kapitalismus gerecht zu werden.

DIGITALISIERUNG
Die Digitalisierung ist eine gute Sache. Von der Digitialsierung können viele Menschen enorm profitieren, daher ist es wichtig Spielregeln dafür aufzustellen. Es kann nicht sein, dass wenn eine Firma 50 % der Zeit spart, weil sie vermehrt Software nutzt, dies nicht beim Arbeitnehmer ankommt. Wenn man durch Digitalisierung und Einsatz von Robotoren die Gewinne erhöhen kann bei geringeren zeitlichen Aufwand, dann muss dies für die Arbeitnehmer mit kräftigen Lohnzuwäschen und Reduzierungen der Arbeitszeit verbunden sein.

Die Digitalisierung kann uns enorme neue Freiheiten und Verbesserungen der Lebensqualität bringen. Mehr Zeit für die Familie, Freunde und Freizeit. Mehr Zeit sich zu erholen. Die Digitalisierung darf nicht einseitig für Konzerninteressen genutzt werden. Digitalisierung darf nicht mit einer Verschlechterung des Arbeitsbedingungen und einem riesigen Abbau von Arbeitsplätzen verbunden werden.

Und na klar: Alter braut endlich die Internetleitungen aus! Kackegal wie viel es kostet.

SOZIALE ABSICHERUNG
Soziale Absicherung heißt in der modernen Welt sich weiterbilden zu können und müssen. Bildung ist der Schlüssel für unseren Wohlstand. Damit dies gelingt müssen Menschen auch in der Lage sein sich weiterbilden zu können. Hierfür ist vor allem finanzielle Absicherung gefragt.


Ein bedingungsloses Grundeinkommen oder ähnliche Konzepte können hier helfen. Ein Mensch muss seine Arbeit unterbrechen können ohne dass er zu tief fällt. Nur dann werden sich noch mehr Menschen weiterbilden. Die Sozialdemokratie muss sich dafür einsetzen, dass der Staat sich um die Zukunft seiner Bürger kümmert und dies nicht dem Privatwesen überlassen.

Soziale Absicherung muss sich immer an den Armen orientieren. Es geht darum, dass der wenig hat immernoch genug hat um zu überleben und teilzuhaben. Bei künftigen Rentenkonzepten braucht es nicht darum gehen, dass das monatliche Einkommen ausreicht, dass Bonzen weiter einen bonzigen Lebensstil haben können. Eine künftige Rente muss für den Armen hoch genug sein. Reiche können sich immer irgendwie selbst versorgen.

Ganz wichtig: Nur wer viel hat, kann sich Rücklagen anlegen. Aus Vermögen lässt sich nur mehr Vermögen erzielen, wenn man das Geld nicht direkt benötigt. Ein Armer ist nicht zu blöd sich Aktien zu kaufen. Er kann es sich schlicht nicht leisten. Armut bedeutet, dass wenn du dir eine neuen Waschmaschine kaufst, du für sehr lange Zeit kein Geld für einen neuen Fernseher, ein Auto, etc. haben wirst. Soziale Absicherung muss sich an der unteren Hälfte der Gesellschaft orientieren, nicht an der oberen.

Montag, 28. August 2017

Plädoyer für eine Rentenreform

Bundestagswahl 2017. Unsere Bundeskanzlerin sagte, sie sehe keinen Handlungsbedarf bei der Rente bis 2030. Sag a mal - gehts noch?

2030 - noch ganze 13 Jahre sollen wir also weiter wursteln. Das sehe ich doch ganz anders. Ganz wichtig, mir geht es hier nicht um die Präferenz für eine bestimmte Rentenposition. Mir geht es um Planungssicherheit. Vollkommen egal, ob ich einmal 50 %, oder 40 % oder 1000 Euro mit 60, 67, 70 oder 80 Jahren bekomme muss ich doch die Möglichkeit haben mich auf meinen Ruhestand vorzubereiten.

Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt über 10 Jahre in die Rentenkasse einzahle im Glauben, dass ich einmal etwas davon zurückbekomme. Und dann heißt es plötzlich: Pech. Wir machens jetzt anders. Du hast über 10 Jahre Fehlinvestitionen begangen. Nein, das kann nicht wahr sein.

Schlimmer noch ist es für andere Menschen. Ich als angehender Akademiker kann vermutlich mit meinem Gehalt aus dem oberen Drittel 10 Jahre Täuschung noch ausgleichen, aber wie sollen das all die Menschen machen, die nicht studieren? Bürger in meinem Alter haben schon mit 15 oder 16 ihre Ausbildung begonnen - sie zahlen bereits gute 10 Jahre in die Kasse ein. Bis 2030 sind bei über 20 Beitragsjahren! Ihnen dann ihre Rente zu rauben ist nicht nur ethisch inkorrekt, es ist einfach nur absolut arschlochhaft. Es ist eine Haltung von oben herab. Als Bundeskanzler mit gesicherter Pension muss man sich ja nicht sorgen ums Geld.

Wie - wie sollen bitte Menschen mit 1000 bis 1500 Euro Nettoeinkommen 20 Jahre aufholen? Kann mir das irgendeiner erklären? Heute nicht an die Rente der Generation Y zu denken ist Wählerverarsche, kurzfristiges denken und ängstlich. Wir müssen HEUTE etwas für unsere Zukunft tun. Wenn wir einmal alt sind ist es zu spät.

Darum liebe Menschen unter 30 denkt nochmal genau darüber nach, ob eure aktuelle Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage Deutschland wirklich ausreicht um Angela Merkel und die CDU zu wählen. Wenn ihr das bejahen könnt, dann beschwert euch aber bitte nicht in 13 Jahren darüber, dass man eure Rente streicht.

Sonntag, 1. Mai 2016

Links ist europäisch.

UKIP, Front National, in Österreich die FPÖ und in Deutschland die AfD. In ganz Europa wächst das nationalistische Unkraut das sich nach der alten Welt sehnt. Weg mit dem Euro, Kompetenzen zurück in die Nationen, Grenzen dicht machen, Klimawandel leugnen, sexuelle Vielfalt verurteilen und die Kernfamilie als einzige Form des Zusammenlebens fördern. Alles in allem wollen die nationalistischen Parteien zurück in die 70er Jahre. Damals, wo noch alles ja so überschaulich war. Früher war ja alles besser. Wer Angst vor der Gegenwart hat, sehnt sich nach der Vergangenheit - die wenn man ein wenig psychologisches Wissen besitzt, sowieso nicht adäquat im Gehirn abgespeichert ist.

Die neue Rechte ist nationalistisch. Es fehlt die neue Linke, die die internationalistisch ist. Der heutige politische Kampf ist nicht mehr mit den alten Kategorien der 70er Jahre zu fassen. Der heutigen Rechten darf nicht mit einer Mitten-Durchwurstel-Haltung entgegen getreten werden. Es muss krachen. Wir brauchen wieder echte linke Politik, eine echte linke Identität, die sich nicht nur dahingegehnd erstreckt, dass man gegen das ist, was die Rechten fordern, sondern dass man selbst Visionen hat, selbst ein echtes Ziel. Wir müssen am anderen Pol stehen, müssen echten Kontrast zu den rechten Spinnern zeigen.
Aktuell ist nicht die Zeit für Grautöne. Wir brauchen Schwarz und Weiß. Wir brauchen Gut und Böse. Wir brauche Fortschritt gegen Verharrung. Europäisch gegen Nationalistisch.

Wenn das rechte Pack fordert die nationalen Grenzen zu schließen, muss Links heißen die Grenzen am Mittelmeer zu ziehen, die Grenzen der EU sind unsere Grenzen. Wenn das rechte Pack fordert Brüssel sämtliche Kompetenzen zu entziehen, um wieder "selbst entscheiden zu dürfen" muss gefordert werden mehr Kompetenzen an Brüssel abzugeben, denn nur so können wir tatsächlich wieder selbst entscheiden. Wenn das rechte Pack die nationale Währung zurückfordert muss klar werden, dass wir uns selbst ans Bein pissen. Es muss klar werden, wer nationalen Wohlstand will, dessen Nation ist die europäische. Wir müssen endlich einen richtigen europäischen Staat fordern. Einen Staat der den Konzernen ihre Macht entreißt, sodass wieder die Politik den Markt diktiert und nicht der Markt die Politik.

Wir dürfen den Rechten nicht das Feindbild der Gesellschaft vorgeben lassen. Das Feindbild darf nicht Osteuorpa oder der Islam sein. Unsere Feinde müssen globaler sein. Der Amerikaner, der uns nur als kleines Kind sieht und mit seinen Gesetzen meint das Universum einnehmen zu können. Der Russe, der unsere europäischen Grenzen nicht akzeptiert und nach dem Osten greift. Wir müssen uns als Linke als europäisch begreifen. Der Kampf für eine globale faire Welt kann nicht in einer Schlucht in den österreichischen Alpen stattfinden. Er muss ganz Europa umfassen.

Wenn die Rechte sich europäisiert und den Nationalstaat zurückfordert, muss sich die europäische linke Formieren und das Verteidigen, was wir bereits besitzen und die Schritte fordern, dass wir den Nationalstaat endgültig überwinden. Links muss heute europäisch sein, wenn rechts nationalistisch ist. Wir brauchen wieder Idenität. Wir müssen den Leuten ermöglichen sich für eine Seite entscheiden zu können. Unpolitisch zu sein darf keine Option sein. Wir brauchen einen richtigen Kampf zwischen Links und Rechts. So werden wir die Arschlöcher los. Und in 15 Jahren können wir wieder Politik der Mitte machen und uns in unseren Erfolgen baden.

Be european. Be left-winged.

Sonntag, 26. April 2015

Das ungenutzte Potential der studentischen Macht

Studenten zetteln Revolutionen an. Zumindest lernt man das so.
Warum tun wir das dann eigentlich nicht mehr?

Gründe gäbe es genug:

Grund 1: Bafög.
Das Bafög ist ein Witz. Knapp 600 Euro sollen laut der Regierung ausreichen, um als Student zu leben. 600 Euro. In welcher Studentenstadt kommt man schon gut mit 600 Euro zurecht? Theoretisch ist das Bafög ja dazu gedacht auch Lehrmittel, wie Bücher zu kaufen. Bei Mietpreisen von 350 Euro oder mehr kann man da nur lachen. Es sind sage und schreibe 225 Euro für die Miete vorgesehen.
In welcher Stadt kann man bitte für 225 Euro leben ohne in einer 10 m² Baracke zu leben?
Und v.a. in welcher Stadt kann man das großflächig?

Und da sind wir auch schon bein nächsten Grund.

Grund 2: Mietpreise.
Es ist abartig was man für eine Wohnung zahlen muss. Ich selbst mag in Innsbruck wohnen, das allgemein ein teures Pflaster ist, aber dieses Problem gibt es ja auch über all anders. Es kann doch nicht sein, dass 2/3 des Geldes, das man zur Verfügung hat schon weg sind, wenn man gerade einmal seine Warmmiete, Internet und GIS(GEZ)-Gebühren gezahlt hat. Es soll einmal eine Zeit gegeben haben, in der Staaten sozialen Wohnungsbau betrieben haben. Warum tut man das denn heute nicht mehr großflächig? Warum verkauft man Wohnungen Privatleute? Staatliche/städtische Wohnungen müssen doch eine wunderbare Einnahmequelle sein.

Grund 3: Masterzugang.
Ein Bachelor ist ein Witz. Ich bin nun kurz dem Ende des Bachelor in Psychologie und habe einen Scheiß für die Anwendung gelernt. Logischerweise. Schließlich muss man erst einmal Grundlagen haben, bevor man sie anwenden kann. Doch ich brauche den Master, um arbeiten zu können. Da gibts keine Ausrede. Es kann nicht sein, dass man auch bei Masterbewerbungen Schnitte von 1,5 braucht. Und man selbst ist dann wieder der Gearschte, der seinen Abschluss jahrelang hinausziehen muss. Die Gesellschaft dankt es einem mit dem schönen Wort "Schmarotzer".

Es gibt natürlich noch viele weitere Gründe auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren, zu protestieren, Steine auf den Bundestag zu werfen. Doch warum tun wir es nicht? Sind wir zu "zivilisiert"? Haben wir Angst? Wir sind immerhin 2,6 Mio. Menschen. Knapp 3 % der Gesellschaft. Mit Unterstützung von Schülern und Azubis können wir locker in den Bundstag einziehen.

Warum tun wir es nicht? Warum ziehen wir nicht auf die Straße und schreien den Frust hinaus? Warum nutzen wir nicht die Macht die wir haben? Wir sind viele. Wir sind die Zukunft. Sind wir zu faul oder zu unmotiviert? Woran liegt es, dass wir so unmotiviert sind?

Samstag, 25. April 2015

Es fehlt Europa

Politisch interessiert zu sein, bedeutet sich mit seiner Welt auseinanderzusetzen.

Europa ist Realität. Mag es auch viele gerade ältere Mitbürger geben, die in der Vergangenheit leben, so ist es unbestreitbar. Was schert noch was in Berlin passiert oder in Athen? Wir leben in einem riesigen gemeinsamen Land. Dieses Land mag seine kulturellen Unterschiede haben, doch uns verbindet vieles: die Vergangenheit - die Geschichte, die Gegenwart - die Wirtschaft, die Zukunft - der Klimawandel, um nur drei Beispiele zu nennen.

Es gibt kaum lokale Krisen mehr. Alle wichtigen Krisen sind globale, internationale Krisen: Klimawandel, demografischer Wandel, Ressourenmangel, Wirtschaftskrisen, etc.. Lokal zu denken ist oft Fehl am Platz und dennoch so verbreitet. Es fehlt an europäischen Meinungsmachern.

Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Der erste Satz aus der deutschsprachigen Version von Edward Bernays Buch "Propaganda" spricht wahre Worte. Heute gibt es kaum noch große Autoriäten, die die Meinung bilden. Es gibt Organisationen, Zeitungen, politsche Parteien, Lobbys, und viele weiteren, die zur Meinungsbildung da sind. Und es ist nötig. Ohne breitflächige Meinungen und Einstellungen gibt es keine Richtung, keinen Weg.

Und hier sind wir bei einem grundsätzlichen Problem Europas. Es gibt kaum solche europäischen Meinungsmacher. Und die die es gibt kennt kaum wer. Wir sind so beschäftigt mit unseren nationalen Gedanken, dass wir das europäische nicht sehen. Wir sind so damit beschäftigt lokale Interessen zu vertreten, dass wir die Macht die wir haben könnten nicht sehen.

Europa ist eine wahnsinnige Möglichkeit der Gestaltung. Die Macht über die Wirtschaft ist uns abhandengekommen als die Globalisierung immer größer wurde. Ein Gesetz, das in Berlin beschlossen wird, in London aber keine Gültigkeit trägt, wirkt nur begrenzt. Es wirkt nur in einem begrenzten Raum, der dank freien Grenzen und gemeinsamer Währung locker umgangen werden kann. Was wir brauchen sind globale Kontrollmöglichkeiten.

Es wirkt schon etwas verdreht, dass wir global leben, aber lokal regieren. Wir jungen Menschen sollten es als unsere Aufgabe sehen das zu verändern, ehe es zu spät ist. Wir brauchen nicht "Mehr Europa", wir brauchen Anerkennung von Realität. Wir müssen uns der Realität stellen, politisch sein.

Oft wird mir gesagt, wir sind noch weit weg von den Vereinigten Staaten Europas, doch das sind wir nicht. Es existiert bereits eine Generation Europäer und wir werden immer älter und einflussreicher. Die alte Generation wird und muss vertrieben werden. Wir müssen das tun, was für uns angebracht ist und das ist Europa.

Wir brauchen europäische Zeitungen, die unsere europäischen Blick bilden und schärfen.
Wir brauchen eine europäische Regierung, die die Nationalität in die Schranken weist.
Wir brauchen eine europäische Öffentlichkeit, die sich endlich um die globalen Krisen kümmert.

Probleme muss man an den Ebenen angehen, in denen sie sich befinden. Und diese Ebene ist global.

Donnerstag, 7. November 2013

Angela Merkel - Weshalb sie wieder gewählt wurde

In den letzten Monaten habe ich mich oft gefragt, warum die Deutschen Angela Merkel wieder gewählt haben. Ihre schwarz-gelbe Regierung versagte in einem Ausmaß, wie schon lange keine Regierung in Deutschland mehr versagt hat: Viele Rücktritte, vermasselte oder fehlende Reformen, keine klare Linie, eine Kanzlerin die nur in Phrasen redet, Minister, die scheinbar ahnungslos in ihrem Gebiet sind, etc.. Dazu kam ein einschläferender Wahlkampf, lustlos und ohne Vision. - Und trotzdem wurde die CDU und Merkel gewählt - beinahe mit absoluter Mehrheit.

Die Popularität Merkels ist allseits bekannt, doch einen wirklichen Grund warum, kann kaum jemand nennen. Sie macht ihre Arbeit gut? Wohl kaum. Sie ist ehrlich zum Volk? Fehlanzeige. Attraktives Äußeres? Kein Kommentar. Wie sehr ich auch rational nachgedacht habe, ich kam nie zu einem Ergebnis, es erschien mir so abwegig weshalb man sie mögen sollte. Bis vor kurzem.

Für die Erklärung ihrer Popularität ist das Konzept der hegemonialen Männlichkeit hilfreich. Hegemoniale Männlichkeit meint die kulturell dominate Form von Männlichkeit. Sie ist sozusagen die Form von Männlichkeit, die Macht hat. Das aktuelle Leitbild der hegemonialen Männlichkeit ist der Homo oeconomicus: der ausschließlich von wirtschaftlichen, Zweckmäßigkeits-Erwägungen geleitete Mensch. Verstand, Vernunft - wirtschaftlich erfolgreich. Er ist das Idealbild des männlichen, weißen, bürgerlichen Menschen.

Dem Leitbild, dem Ideal der hegemonialen Männlichkeit entspricht kaum ein Mensch. Doch es gibt Menschen, die diesem Ideal sehr nahe kommen. Interessanterweise ist die Erfüllung der hegemonialen Männlichkeit nicht nur für Männer hilfreich, sondern auch für Frauen. Hier findet sich möglicherweise der Ursprung für die Popularität Merkels. Früher noch, war sie ungepflegt, rebellisch, relativ unbekannt. Mit steigendem Machtambitionen näherte sich ihr Image und Äußeres jedoch immer näher dem Homo oeconomicus an. Gleichzeitig stieg ihre Popularität.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Merkel teilweise als kühl, als durchdacht beschrieben. Sie wählt den "wirtschaftlich vernünftigen Weg". Es gibt keine Ausnahmen, keine Schwäche. Merkel präsentiert sich beinahe als Prototyp der hegemonialen Männlichkeit. Das wirkt. Ob man sich dessen bewusst ist, oder nicht, die Erfüllung der hegemonialen Männlichkeit wird in der Gesellschaft als erstrebenswert angesehen. Wer sie erfüllt hat Macht und Ansehen.

Quintessenz:
Angela Merkel erfüllt das Bild der hegemonialen, der mächtigen dominaten Männlichkeit. Diese Erfüllung spiegelt sich in ihrer Popularität wider.