Samstag, 17. Februar 2018

Pläne für eine neue Sozialdemokratie

Die Welt ist im Wandel und das Parteiensystem verändert sich. Die deutsche SPD und andere sozialdemorkatische Parteien müssen sich anpassen, verändern, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Hier möchte ich ein paar Punkte präsentieren, die für eine künftige Sozialdemokratie wichit sein könnten:

EUROPA
Zuerst genannt, da er unglaublich wichtig ist. Die Globalisierung ist mehr oder weniger vollendet. Heute spielt der Wettbewerb von Firmen innerhalb der Landesgrenze eine weitaus geringere Rolle als früher. Ein isolierter einzelner Staat kann wenig bewegen, da er auf die Entscheidungen anderer Staaten stets reagieren muss. Dies führt zu einer Einschränkung der Handlungsfreiheit des Staates.

Daher braucht es eine Reform der EU, eine Erweiterung der EU in Richtung eines echten Staates. Die EU braucht eine Regierung, die sich für die Interessen der europäischen Bürger in ganz Europa und der Welt einsetzt. Hierfür braucht es eine Ermächtigung der Europaparlaments. Hierzu braucht es ein Initiativrecht des Europaparlements und den Grundsatz: "Europarecht bricht Landesrecht". Das europäische Parlament muss demoraktisch legimentiert werden, sodass es eine legitime Regierung entsenden kann, die sich um die Wirtschaft, soziale Absicherung, Sicherheit und Entwicklung Europas kümmert.

Nur ein starkes, handlungsfähiges Europa kann in der globalisierten Welt unsere Interessen durchsetzen. Nur ein starkes, handlungsfähiges Europa kann Ungerechtigkeit seien sie wirtschaftlich, militärisch oder humanitär beheben.

Die Sozialdemokratien müssen die europhilen Parteien der EU werden. Die Sozialdemokratie muss sich effektiv für europäische Lösungen einsetzen, wo es europäischer Lösungen bedarf. Wir dürfen keine nationalen vor europäischen Interessen stellen.

GROSSKONZERNE
Die Wirtschaft wird in vielen Branchen von wenigen riesigen Konzernen oder Konzerngruppen dominiert. Gerne sitzen diese in Amerika und beziehen sich auf US-Recht und entziehen sich unserer Kontrolle. Weiterhin hinterziehen sie gerne Steuern über Steueroasen und nutzen eine jedes Schlupfloch, das ihren Interessen dient.

Die Sozialdemokratien sollten sich dafür einsetzen, dass diese Firmen einen einen Sitz in der EU haben. Auch müssen Internetfirmen dazu gezwungen werden Server in Europa einzurichten, sodass die Daten der europäischen Bürger in europäischer Hand sind. Globalisierung darf nicht bedeuten sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen. Konzerne dürfen nicht die Welt regieren.

Konzerne müssen auch dazu gezwungen werden in dem Staat ihre Steuern zu zahlen, in dem sie ihre Waren loswerden. Alternativ muss eine europäische Steuer eingeführt werden, die auf die europäischen Regionen fair und umsatzgetreu verteilt werden. Steuerdeals mit harsch bestraft und unterbunden werden.

EIGENTUM VERPFLICHTET
Wer besitzt hat eine gesellschaftliche Verantwortung. Wer dieser Verantwortung nicht gerecht wird, dem muss sie entzogen werden: Konzerne und Banken, die bankrott gehen, weil sie scheiße gewirtschaftet haben dürfen gerettet werden, aber nur wenn ihr Eigentum an den Staat über geht. Wenn eine ganze Branche, eine Großzahl an Menschen am Überleben eines Konzern angewiesen sind, dann müssen sie auch gesellschaftlich kontrolliert werden können.

Wenn eine Firma wie VW mit unlauteren Mitteln Gewinne erzielt und dann wenn es rauskommt im freien Fall ist, dann darf ihre wichtige Position für Deutschland kein Kritierum sein, dass man sie nicht bestraft. Eine solche Firma muss ihre Schulden an die Gesellschaft zurückzahlen und wenn sie das nicht kann wird sie verstaatlicht. Zudem sollten Manager auch privat haften können, wenn sie eine Firma in den Ruin treiben.

Eigentum verpflichtet. Dieser Grundsatz muss viel stärker beachtet werden um die Auswüchsen des Kapitalismus gerecht zu werden.

DIGITALISIERUNG
Die Digitalisierung ist eine gute Sache. Von der Digitialsierung können viele Menschen enorm profitieren, daher ist es wichtig Spielregeln dafür aufzustellen. Es kann nicht sein, dass wenn eine Firma 50 % der Zeit spart, weil sie vermehrt Software nutzt, dies nicht beim Arbeitnehmer ankommt. Wenn man durch Digitalisierung und Einsatz von Robotoren die Gewinne erhöhen kann bei geringeren zeitlichen Aufwand, dann muss dies für die Arbeitnehmer mit kräftigen Lohnzuwäschen und Reduzierungen der Arbeitszeit verbunden sein.

Die Digitalisierung kann uns enorme neue Freiheiten und Verbesserungen der Lebensqualität bringen. Mehr Zeit für die Familie, Freunde und Freizeit. Mehr Zeit sich zu erholen. Die Digitalisierung darf nicht einseitig für Konzerninteressen genutzt werden. Digitalisierung darf nicht mit einer Verschlechterung des Arbeitsbedingungen und einem riesigen Abbau von Arbeitsplätzen verbunden werden.

Und na klar: Alter braut endlich die Internetleitungen aus! Kackegal wie viel es kostet.

SOZIALE ABSICHERUNG
Soziale Absicherung heißt in der modernen Welt sich weiterbilden zu können und müssen. Bildung ist der Schlüssel für unseren Wohlstand. Damit dies gelingt müssen Menschen auch in der Lage sein sich weiterbilden zu können. Hierfür ist vor allem finanzielle Absicherung gefragt.


Ein bedingungsloses Grundeinkommen oder ähnliche Konzepte können hier helfen. Ein Mensch muss seine Arbeit unterbrechen können ohne dass er zu tief fällt. Nur dann werden sich noch mehr Menschen weiterbilden. Die Sozialdemokratie muss sich dafür einsetzen, dass der Staat sich um die Zukunft seiner Bürger kümmert und dies nicht dem Privatwesen überlassen.

Soziale Absicherung muss sich immer an den Armen orientieren. Es geht darum, dass der wenig hat immernoch genug hat um zu überleben und teilzuhaben. Bei künftigen Rentenkonzepten braucht es nicht darum gehen, dass das monatliche Einkommen ausreicht, dass Bonzen weiter einen bonzigen Lebensstil haben können. Eine künftige Rente muss für den Armen hoch genug sein. Reiche können sich immer irgendwie selbst versorgen.

Ganz wichtig: Nur wer viel hat, kann sich Rücklagen anlegen. Aus Vermögen lässt sich nur mehr Vermögen erzielen, wenn man das Geld nicht direkt benötigt. Ein Armer ist nicht zu blöd sich Aktien zu kaufen. Er kann es sich schlicht nicht leisten. Armut bedeutet, dass wenn du dir eine neuen Waschmaschine kaufst, du für sehr lange Zeit kein Geld für einen neuen Fernseher, ein Auto, etc. haben wirst. Soziale Absicherung muss sich an der unteren Hälfte der Gesellschaft orientieren, nicht an der oberen.

Freitag, 17. November 2017

Eigenverantwortlichkeit - Ein Konzept ohne Spielräume

Ausführbarkeit, Schädigungsfreiheit, Beeinträchtigungsfreiheit und Persönlichkeits-/Gesundheitsförderlichkeit. Unter diesen 4 Schlagworten kann man die Anforderungen einer humanistischen Arbeitsgestaltung zusammenfassen. Konkret geht es darum, dass ein Arbeitsauftrag überhaupt schaffbar ist, dabei weder körperlich noch psychisch Schaden beim Ausführenden anrichtet und am besten noch dazu führt, dass die Personen etwas lernen kann. Um diese 4 Kriterien zu erfüllen muss aus psychologischer Sicht einiges bei einer Stelle vorhanden sein, insbesondere Freiräume und Ressourcen. Eigenverantwortlichkeit ist ein Schlagwort, dass auf den ersten Blick impliziert, dass es einer Person Freiräume ermöglicht. Da Freiräume zur psychischen Gesundheit beitragen, sollte man also folglich Eigenverantwortlichkeit als Psychologe befürworten?

Nicht unbedingt. Eigenveranwortlichkeit im moderenen Arbeitsalltag ist nämlich häufig wenig mit Freiräumen verbunden, sondern stattdessen tatsächlich eher mit einer Einschränkung der Spielräume verbunden. Eine eigenverantwortliche Tätigkeit umfasst im Normalfall, dass ein bestimmtes Ziel, eine bestimmte Tätigkeit übertragen wird, die der Einzelne auf seine eigene Art und Weise umsetzen kann, ohne dabei zu stark von einem Vorgesetzten eingeschränkt zu werden. Grundsätzlich wäre Eigenveranwortlichkeit also tatsächlich sehr förderlich und gesundheitserhaltend für einene Menschen, da sie impliziert, dass man sich aus der fremdgesteuerten Sklaverei befreit und "sein eigener Chef" sein kann.

Ist nur leider nicht so. Damit eine eigenveranwortliche Tätigkeit gesundheitsförderlich sein kann muss sie Handlungspielräume UND zeitliche Spielräume umfassen. In der Praxis ist aufgrund zeitlicher Verdichtungen und Wachstumsdruck zumeist wenig zeitlicher Spielraum vorhanden. Übrig bleibt der Handlungsspielraum. Der Handlungsspielraum ist aber wiederum vom zeitlichen Spielraum abhängig. Wenn ich eigenverwortlich ein bestimmtes Ziel in einer sehr begrenzten Zeit verrichten muss, habe ich eben NICHT die Möglichkeit mir auszusuchen WIE ich die Tätigkeit umsetze, sondern ich bin dazu verdammt die Strategie zu wählen, die es am ehesten noch ermöglicht in der begrenzten Zeit zum Erfolg zu führen. Diese Strategien sind zumeist nicht die Strategien, die persönlichkeitsfördernd oder gesundheitsfördernd sind, sondern schlicht auf Effizienz ausgerichtet sind. Bei einer komplett auf Effizienz ausgerichteten Tätigkeitsregulation bleibt wenig Platz für soziale Kontake, Ressourcenaufbau oder auch nur Erholungszeiträumen.

Das Problem an der Eigenverantwortlichkeit ist also, dass man eigenverantwortlich, d.h. SELBST die Strategie wählt, die einen am meisten ausbeutet. Freumdgesteuerte Sklaverei wird durch eigenindizierte Sklaverei ersetzt. In einem solchen Fall kann man dann nicht mehr auf den Chef schimpfen, der einem unmögliche Methoden zumutet. An die Stelle der Attribution auf den Chef tritt die Attribution auf das eigene Selbst - man selbst ist der Versager, der die eigenverwantwortliche Tätigkeit nicht gut genug ausüben kann. Zerstört wird hier also direkt das eigene Selbstbewusstsein. Folgen sind Depressionen und Ängste.

Eigenverantwortlichkeit kann nur dann gut für den Menschen sein, wenn er SELBST über die MENGE und ZEIT bestimmten kann. Nur dann kann er auch SELBST über die METHODE entscheiden. Zusammengefasst muss in der modernen Arbeitswelt also darauf geachtet werden, dass das schöne Konzept der Selbstverantwortung nicht zur Selbstversklavung mit oben genannten Folgen wird. Wie kann das geschehen? Schritt 1 ist Widerstand. Widerstand gegen eine Verdichtung der eigenen Aufträge. Es darf nicht zu viel angenommen werden und es muss dafür gesorgt werden, dass auch weniger Aufträge angemessen entlohnt werden. Eine große Chance birgt die Digitalisierung, da durch den Einsatz modernen Informationstechnik eine Zeitersparnis erzielt werden kann, die in der Folge dann als zeitlicher Spielraum zur Verfügung steht. Wichtig: Die freigewordene Zeit darf dann nicht durch neue Aufträge gefüllt werden. Letztlich hängt es auch am Arbeitnehmer selbst: Man muss auch nein sagen können. Man muss sich selbst zugestehen, dass man die Zeit braucht.

Montag, 28. August 2017

Plädoyer für eine Rentenreform

Bundestagswahl 2017. Unsere Bundeskanzlerin sagte, sie sehe keinen Handlungsbedarf bei der Rente bis 2030. Sag a mal - gehts noch?

2030 - noch ganze 13 Jahre sollen wir also weiter wursteln. Das sehe ich doch ganz anders. Ganz wichtig, mir geht es hier nicht um die Präferenz für eine bestimmte Rentenposition. Mir geht es um Planungssicherheit. Vollkommen egal, ob ich einmal 50 %, oder 40 % oder 1000 Euro mit 60, 67, 70 oder 80 Jahren bekomme muss ich doch die Möglichkeit haben mich auf meinen Ruhestand vorzubereiten.

Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt über 10 Jahre in die Rentenkasse einzahle im Glauben, dass ich einmal etwas davon zurückbekomme. Und dann heißt es plötzlich: Pech. Wir machens jetzt anders. Du hast über 10 Jahre Fehlinvestitionen begangen. Nein, das kann nicht wahr sein.

Schlimmer noch ist es für andere Menschen. Ich als angehender Akademiker kann vermutlich mit meinem Gehalt aus dem oberen Drittel 10 Jahre Täuschung noch ausgleichen, aber wie sollen das all die Menschen machen, die nicht studieren? Bürger in meinem Alter haben schon mit 15 oder 16 ihre Ausbildung begonnen - sie zahlen bereits gute 10 Jahre in die Kasse ein. Bis 2030 sind bei über 20 Beitragsjahren! Ihnen dann ihre Rente zu rauben ist nicht nur ethisch inkorrekt, es ist einfach nur absolut arschlochhaft. Es ist eine Haltung von oben herab. Als Bundeskanzler mit gesicherter Pension muss man sich ja nicht sorgen ums Geld.

Wie - wie sollen bitte Menschen mit 1000 bis 1500 Euro Nettoeinkommen 20 Jahre aufholen? Kann mir das irgendeiner erklären? Heute nicht an die Rente der Generation Y zu denken ist Wählerverarsche, kurzfristiges denken und ängstlich. Wir müssen HEUTE etwas für unsere Zukunft tun. Wenn wir einmal alt sind ist es zu spät.

Darum liebe Menschen unter 30 denkt nochmal genau darüber nach, ob eure aktuelle Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage Deutschland wirklich ausreicht um Angela Merkel und die CDU zu wählen. Wenn ihr das bejahen könnt, dann beschwert euch aber bitte nicht in 13 Jahren darüber, dass man eure Rente streicht.

Montag, 10. April 2017

On the Road to A & O

Populismus, Ausbeutung, Europafeindlichkeit, Rassismus, neoliberaler Wahnsinn. Die Liste kann beliebig erweitert werden. Es handelt sich hierbei um Gründe politisch aktiv zu werden. Ein kluger Mensch muss politisch sein. Ein kluger Mensch muss sein Wissen anwenden, um damit der Menschheit zu dienen. Denn ich lebe nicht allein auf dieser Welt.

Die Psychologie verfolgt grundsätzlich einen Individualansatz, insbesondere die Psychotherapie. Hilfe in individuellen Problemen, Hilfe eigene psychische Dynamiken zu durchbrechen, oder sie zu akzeptieren. Man zielt auf das individuelle Glück. So tun das auch viele Psychologen und Psychologinnen. Man zieht sich zurück aus der großen komplexen Welt und befasst sich mit seinem eigenen begrenzten Horizont. Denn geht es mir jetzt gut, dann ist das gut. Damit kann ich nichts anfangen.

Das Schlechte sitzt tiefer. Das Schlechte ist systematisch in unserer Gesellschaft vorhanden. Wir leben bestimmte Normen und sozialisieren unsere Kinder in sie hinein. Wenn Schlechtes resultiert doktern wir an den Symptomen herum, anstatt große Lösungen anzugehen: denn sie scheinen uns schwer bis unmöglich umsetzbar. Angela Merkel prägt das Wort der Alternativlosigkeit. Ihr politischer Stil und ihre Haltung zur Welt haben sich in den langen Jahren ihres Regierens in unseren Köpfen festgesetzt. Es gibt keine Alternativen, wir können es nur so machen. Alles andere ist zu teuer, es gibt keine Mehrheiten, es dauert zu lange, etc.. Das ist Schwachsinn.

Ich kann niemals die Union wählen. Trotz ihres Linksdrucks sind sie konservativ, sie wollen nichts verändern. Aber nur durch Veränderung kann es besser werden, nur durch Veränderung kann man auch in Zukunft hohen Wohlstand erwirtschaften. Ich bin progressiv, liberal und sozial eingestellt. Mein Horizont ist auch auf die weitere Zukunft ausgerichtet. Unsere gegenwärtige gesellschaftliche Form ist gegenwartsorientiert. Wir leisten jetzt alles und die Zukunft ist uns egal. Aber wo führt das hin? Zu einer breiten Ausprägung sogenannter "Burnouts" - oder realistischer ausgedrückt Depressionen? Man erzählt uns soziale Absicherung wäre in der Globalisierung nicht mehr möglich. Aber das ist Schwachsinn. Das ist neoliberale  Lehre, die auf nichts als haltlosen Theorien fußt.

Was hat das nun alles mit mir als angehender Psychologe zu tun? Es gibt verschiedene Gründe für eine Entwicklung in mir, die unter anderem die obigen Punkte miteinschließt: Es treibt mich in die Arbeitspsychologie. Der Schutz der Humanität, der Schutz vor psychischen Störungen, die Möglichkeit zur nachhaltigen persönlichen Entwicklung - das ist humanistische Arbeitspsychologie. Da möchte ich hin. Es ist meine Verpflichtung und mein Wunsch die Welt zu verbessern. In der Forschung bin ich vermutlich zu defensiv. Ich weiß noch nicht wo genau ich landen werde. Doch es wird wohl im A & O Bereich sein. In einer Position mit der ich die Menschen schützen kann.

Die Welt ist schlecht. Aber der Grad der Schlechtheit liegt in unserem Händen.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016 - Die Mitte des Masters und das beginnende Studiumsende

2016 war ein scheiß Jahr. Scheiß Anschläge. Scheiß Populisten. Siege von Nationalisten. Das elfte Jahr unter Angela Merkel. Unter diesem Hintergrund verlief das erste Jahr des Masters. Die Weltlage ist real, selbst im idyllischen Innsbruck, das umgeben von einem Kranz von Bergen vom Rest der Welt abgeschnitten scheint kann man sich dem nicht entziehen.

Blicken wir zurück aufs Studium und das Studienleben.

Was ist ein Psychologe?
Die Psychologe ist die Wissenschaft vom Verhalten und Erleben. Soweit, so gut. Aber was ist ein Psychologe? Was soll das sein, das wir werden, wenn wir mit dem Studium fertig sind? Ist es eine Art zu Denken? Sind es unsere Methoden und Kompetenzen? Ist es unser mehr oder weniger funidertes Grundlagenwissen über den Menschen? Es ist schwer zu sagen. Ein Psychologe ist wohl das Resultat aus dem absolvierten Studienplan. Ein Mensch der sich vielleicht Gedanken gemacht hat oder einfach nur Bulimielernen betrieben hat und meint wir brauche das alles sowieso nicht.

Was ist ein guter Psychologe?
Eine weitere wichtige Frage. Je weiter das Studium voranschritt, desto mehr werden Differenzen mit anderen Kommillitonen offensichtlicher. Viele wollen Therapeut werden. Sie hinterfragen das Studium. Sind wohl eher unzufrieden als zufrieden damit. Ob diese Studenten gute Therapeuten werden ist eine Frage, die sich noch zeigen wird, ob sie gute Psychologen sind, ist eine andere Frage. Psychologie ist eine Naturwissenschaft. Eine Naturwissenschaft, die auch geisteswissenschaftliche Anteile hat. Eine Wissenschaft über den Menschen, die wenig am Einzelfall interessiert ist. Ein guter Psychologe ist methodisch stark. Er arbeitet ethisch korrekt. Er kennt die Grenzen psychologischen Erkenntnis, resigniert aber nicht an ihen. Ein resignierter Psychologe, also jemand der glaubt er wüsste nichts und könnte nichts, der wird in der realen Welt wahrscheinlich scheitern.

Was ist für die Psychotherapie von Relevanz?
Liebe Freunde. Ja es stimmt, die Beziehung zwischen Therapeut und Klient ist das wichtigste Element einer Therapie. Aber ohne Methodik, ohne Plan und ohne Überzeugung von der Therapiemethode wird man diese therapeutische Allianz nicht herstellen. Es ist nicht scheißegal, was man mit Menschen macht. Diese Vorstellung ist mehr als ethisch fragwürdig. Menschen haben verschiedene Bedürfnisse und Weltvorstellungen. Für Therapeuten ist es wichtig methodisch gut zu sein. Es reicht nicht aus ein netter empathischer Mensch zu sein. Das unterscheidet einen Therapeuten von einem guten Freund. Ein Therapeut arbeitet mit einer fundierten Methode zielorientiert an einem Problem und schenkt nicht nur Wärme und Verständnis. Eine notwendige Bedingung - die therapeutische Allianz - ist notwendig aber eben nicht allein ausreichend.

Was halte ich von Arbeits- und Organisationspsychologie?
Ich habe es kategorisch ausgeschlossen in die A & O Richtung zu gehen. Nein, viele von uns haben es kategorisch ausgeschlossen. Und einige, wie ich tun das jetzt nicht mehr. In A & O kann man Geld verdienen - ekelhafte Vorstellung, dass das für einen Psychologen von Belang ist, aber dennoch wichtig. A & O steht vor der psychischen Störung. A & O bietet einen Haufen Möglichkeiten zu intervenieren. A & Oler sind als Humanisten so etwas wie ein Gegenpol zu den "kalten" tayloristischen Wirtschaftswissenschaftler. Wir haben Verantwortung. Wenn wir uns vor der Privatwirtschaft scheuen, wird ein Mensch unsere Stellungen einnehmen, der dafür wahrscheinlich schlechter qualifiziert ist wie wir. Und wir verlieren eine Möglichkeit der Partizipation an der realen Welt da draußen.

Welche Themen faszinieren mich am meisten?
Ich interessiere mich nach wie vor für viel grundlegendes vom Menschen, von der Psyche. Psyche ist wissenschaftlich fassbar. Man wird nie alles vorhersagen können. Aber nicht weil die Psyche so komplex und undurchschaubar ist und jeder Mensch individuell, sondern weil die Umwelt komplex und unvorhersehbar ist. Der Faktor Zufall ist immens wichtig. Aber wir dürfen deshalb nicht aufhören, die Psyche immer adäquater zu beschreiben. Wir müssen außerdem raus aus dem Baum. Wir müssen an dem Ganzen arbeiten.

Wo sehe ich meine Zukunft in der Psychologie?
Eine schwierige Frage. Ich wollte bislang immer in die Forschung. Aber Forschung ist nicht leicht. Werde ich deshalb im A & O Bereich arbeiten? Ich weiß aktuell nicht viel. Ich weiß nicht worüber ich meine Masterarbeit schreiben werde, ich weiß nicht wo ich anfangen werde, wenn das Studium in gut einem Jahr endet. Wenn man sich dem Ende des Weges nähert, dann macht man sich reale Gedanken über das danach. Meine Zukunft ist noch nicht geschrieben. Wir werden sehen, wo ich lande. 
 

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Valenz und Arousal - Emotionen in der Werkstattmetapher

Mein Modell des Alltagshandelns beschreibt in etwa die Vorstellung, die ich über die Psyche im Verlauf meines Studiums erhalten habe. Eine Frage die offen bleibt ist der Einfluss der Emotionen. Emotionen spielen in der Realität des Menschen eine zentrale Rolle und müssen daher beinah zwangsläufig Teil eines jeden guten übergeordneten Modells sein. Wie lässt sich die Emotion nun in meinem Modell unterbringen?

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Emotionsmodelle. Man kann mehr oder weniger die sechs Grundemotionen Freude, Ärger, Ekel, Angst, Überraschung und Trauer unterscheiden. Ein anderer Ansatz unterscheidet Emotionen in den Dimensionen Arousal und Valenz. Valenz beschreibt, ob eine Emotion eher positiv ist bzw. zu Anäherungsverhalten("Appetenz") führt oder negativ ist und Vermeidungsverhalten ("Aversion") auslöst. Arousal beschreibt das Ausmaß an Aktivierung, das eine Emotion mitbringt: Je höher das Arousal, desto mehr spüren wir die Emotion auch körperlich, desto mehr durchströmt sie uns. Ein Beispiel für hohes Arousal gepaart mit hoher (positiver) Valenz ist beispielsweise sexuelle Erregung: Das Gefühl löst Apptenz aus und macht sich stark körperlich bemerkbar. Starker Ekel beispielsweise vor einem verschimmelten Brot ist ein Beispiel für hohes Arousal gepaart mit hoher (negativer) Valenz und den resultierenden Vermeidungsverhalten.

Wie sind Emotionen nun unterzubringen in der Werkstattmetapher? Die Grundemotionen sind eher einem Aspekt des Deutens zuzuordnen: Ich empfinde Appetenz in einem bestimmten Ausmaß gegenüber einem bestimmten Objekt und interpretiere diese Kombination als Freude. Arousal und Valenz hingegen sind eher unspezifiertes Erleben, die eher ausgelöst werden von bestimmten Objekten als gedeutet werden als bestimmtes Gefühl. Sie stehen mehr oder weniger vor der Grundemotion. Dieses unspezifizierte Erleben eines Gefühls kann innerhalb der Werkstatt des Handelns an mehreren Stellen wirken.

Infragekommen zum einen die automatische Kontrollprozesse. Ein Gefühl mit negativer Valenz und erhöhtem Arousal weist das Ich darauf hin, dass irgendetwas in der aktuellen Handlung nicht stimmt. Dieses Gefühl regt das Ich an den Fehler genauer zu analysieren, also im Sinne der Werkstattmetapher den Beobachtern zu befehlen nach dem Fehler in der Handlung zu suchen.
Läuft alles glatt, so zeigt ein positives Gefühl mit geringem oder mittleren Arousal an, dass die ausgewählte Handlung funktioniert und das Ich nicht übermäßig aufmerksam sein muss: Es kann sich auf seine Beobachter und Mitarbeiter verlassen. Die Emotionen sind in diesem Kontext Experten, besonders erfahrene Mitarbeiter, die dem tätigen Monteuer, dem Ich zur Seite stehen und kontrollieren, ob die Handlung grundsäztlich zum Handlungsziel führt.

Weiterhin kommt die Werkzeugauswahl infrage. Zwar liegen Handbücher voller Informationen zu den Werkzeugen und den möglichen Situationen vor, doch wäre das detaillierte Nachlesen trotz vieler Mitarbeiter zu aufwendig, um schnell und effizient auf Ereignisse zu reagieren und entsprechende Handlungen einzuleiten. Emotionen sind hier Vorgesetze, die durch die Werkstatt laufen und den Mitarbeitern sagen, dass sie das was sie tun gut machen oder schlecht machen, d.h. die Auswahl an Werkzeugen ist die richtige, also für die Situation passend. Es resultiert ein postives Gefühl, wenn die Mitarbeiter die richtigen Werkzeuge in der richtigen Situation parat haben, während ein negatives Gefühl resultiert, wenn dies nicht der Fall ist.

Letztlich erleichtern Emotionen somit das flüssige Funktionieren in der Werkstatt, da sie Prozesse bescheunigen, in dem sie quasi mit Daumen nach oben oder unten den Mitarbeitern zeigen, ob sie richtig liegen und damit diese weniger intensiv nachdenken müssen, d.h. effizienter werden.


Dienstag, 15. November 2016

Kahneman und der Homo oeconomicus - Der Irrtum der Entscheidungsforschung

Ein für mich seit längerem recht interessantes Thema sind sogenannte Heuristiken. Heuristiken werden meist im Rahmen der Entscheidungsforschung diskutiert. Aus diesem Interesse besuche ich gegenwärtig ein Seminar zu Fehlentscheidungen und stehe nach zwei Blöcken vor einem ähnlichen Gefühl wie beim Lesen von Kahnemans Schnelles Denken, Langsames Denken.

Kahneman und ich vermute auch mein Dozent sehen den Menschen hierbei als irrationales Wesen an. Kahneman erkannte richtigerweise, dass der Mensch sich in der realen Welt nicht gemäß des rationalen homo oeconomicus verhält. Er begründete als Folge mehr oder weniger das human decicsion making, das sich mit diesen Besonderheiten des menschlichen Entscheidens auseinandersetzt. Es werden Mechanismen erforscht, die den Menschen zu irrationalen Fehlentscheidungen verleiten. Diese werden als Heuristiken bezeichnet.

Das Erforschen von Mechanismen der menschlichen Entscheidungen ist an und für sich vollkommen legitim. Das Leitbild Kahnemans und meines Dozenten jedoch nicht. Es wird richtig erkannt, dass der Mensch sich nicht gemäß des homo oeconomicus verhält, es wird richtig geschlossen, dass dieses den Menschen schlecht erklären kann. Logische Folge wäre an dieser Stelle sich vom Menschenbild des homo oeconomicus zu verabschieden. Das geschieht aber nicht. Letztlich dreht sich die gesamte Forschung um die Frage, wie man aus dem normalen Menschen einen homo oecnomicus machen kann. Das falsche Menschenbild wird nicht verworfen, sondern bleibt weiterhin präsent. Der Mensch wird nach den Kritieren eines homo oecomicus beurteilt.

Wo liegt hierbei nun das Problem? Insgesamt sehe ich zwei wichtige Probleme. Das erste Problem liegt in der falschen Beschreibung des Menschen. Trifft ein Menschenbild nicht zu, so muss es verworfen werden und ein neues muss entworfen werden. Die Aufgabe des Psychologie ist es den Menschen zu erforschen WIE ER IST und nicht wie man einen Menschen dazu bewegen kann sich gemäß irgendeiner philosophischen Ansicht zu verhalten. Durch die Fixierung auf den homo oeconomicus entzieht man sich den wichtigen Erkenntnissen, wie ein Mensch in der realen ist und was das das zu bedeuten hat. Hier sind auch mehr oder weniger beim zweiten Problem: Der homo oecnomicus ist omnipräsent in der Gesellschaft. Das wirtschaftswissenschafltiche Menschenbild prägt unseren Alltag und richtet das gesellschaftlichen Handeln auf seine Normen aus. Diese sind jedoch nicht zwingend richtig. Rationale Entscheidungen mögen in bestimmten Lebensbereichen, z.B. der Politik wichtig sein, diese aber in alle Gesellschaftsebenen zu übertragen ist mehr als falsch und wird dem Menschen nicht gerechet. Die Entscheidungsforschung nach Kahneman bestärkt die Stellung des homo oecnomicus. Rationalität, Gewinnmaximierung, etc. sind aber nicht die einzigen Kritieren, die in einer Gesellschaft von Bedeutung sind. Genau deshalb ist es immens wichtig das Menschenbild des homo oecnomicus aus der Entscheidungsforschung zu streichen. Erkenntnisse über die reale Natur des Menschen, die nicht von vorn herein bewertet sind - und das sind sie im Lichte des homo oecnomicus - führen zu einem adäquateren Bild des Menschen und damit auch langfrsitig zu einer humaneren Gesellschaftsform.

Als Psychologe und allgemein als Wissenschaftler muss es unser Ziel sein möglichst wertefrei unsere Erkenntnisse zu generien, um die Welt besser und passender zu beschreiben und zu behandeln. Ein offensichtlich falsches Menschenbild darf nicht aufrecht erhalten werden, nur weil es vorherrschend ist. Ich kann es nur noch einmal sagen: Wir müssen die Welt und den Menschen betrachten wie er ist und nicht wie wir ihn oder sie gerne hätten.