Freitag, 25. Dezember 2020

Hierarchische übereinander geordnete System - die fortschreitende Entwicklung meiner Vorstellung des Geistes

Im Rahmen meiner Dissertation habe ich mir viel Gedanken über das Sprachsystem gemacht. Diese Überlegungen wirken letztlich auch zurück auf mich selbst und meine Vorstellungen über die Psyche. Nach dem sogenannten gebrauchsbasierten Ansatz wird Sprache in der Nutzung erworben: Der Mensch macht forwährend innerhalb einer Vielzahl von Kontexten sprachliche Erfahrungen. Hierbei zeigen sich wiederkehrende verbale Muster in bestimmten Kontexten. Durch das zunehmende Wissen um den Kontext bestimmter verbaler Codes erschließt sich mit der Zeit auch die Funktion von Wörtern und von grammtikalischen Konstruktionen. Dies wird hierbei als Emergenz bezeichnet. 

Einfach gesprochen: Wenn ich zum 100. Mal das Wort "Ball" höre und dabei in der Regel ein rundlicher Gegenstand sichtbar war, ist es naheliegend aus dem Kontext zu schließen, dass das Wort Ball diesen rundlichen Gegenstand bezeichnet. Wenn ich zum 100. Mal die grammtikalische Konstruktion "Gestern habe ich x gemacht" für eine Geschichte höre, von der ich weiß, dass sie in der Vergangenheit geschehen ist, dann ist es naheliegend davon auszugehen, dass "habe gemacht" mit Vergangenheit zu tun hat. Durch den Abgleich meiner verbalen Erfahrungen, durch immer mehr Beispiele von Situationen in denen Wörter und Konstruktionen von anderen genutzt wurden oder nicht genutzt werden, kann ich Schritt für Schritt eine Sprache erfassen. Durch die Nutzung von Sprache in echten Situationen lerne ich zunehmend diese Sprache.

Moderne Sprachsoftware funktioniert vergleichbar: Durch das Einlesen großer Mengen an verbalem Material, kann mit der Zeit ein Algorithmus die "Funktion" eines Wortes lernen bzw. festellen welches Wort gerade eher passend ist und welches eher nicht. Die mathematischen Details findet sich im "Deep-Learning-Ansatz".

Faszinierend finde ich hierbei auch die Vorstellung des sogenannten extended mind. Traditionell werden mit dem Begriff Kognition in der Psychologie Gedanken und die hinter den Gedanken stehenden informationsverarbeitenden Prozesse bezeichnet. Eine Kognition ist hierbei an einen Menschen gebunden & kann nicht außerhalb von ihm sein. Bei der Vorstellung des extendend mind wird dem wiedersprochen. Das Lernen einer Sprache ist hierbei ein gutes Beispiel. Das durch und durch kognitive Sprachsystem existiert nicht nur innerhalb eines Individuums, sondern insbesondere zwischen verschiedenen Sprechern. Sprachsysteme ergeben sich durch die Kommunikationserfordernisse zwischen Sprechern. Die Kognitionen befinden sich damit auch außerhalb des eigenen Körpers. 

Klarer wird das ganze wenn man Kultur betrachtet. Kultur sind geteilte geistige Vorstellungen. Wenn ich zusammen mit anderen Menschen das Oktoberfest erlebe, drücken wir uns über dieses Fest verbal aus. Die kulturelle Funktion von Dingen - und damit ihre Bedeutung - emergiert wie auch verbale Bedeutung durch wiederkehrende Muster in bestimmten Kontexten. Wir erfinden hierfür die passende Wörter. Die Sprecher einer Sprache verstehen die Kultur durch die Wörter, die mit ihren kulturellen Kontexten verbunden sind. 

Unser eigenes individuelles Sprachsystem ist eingebettet in ein übergeordneten, von den Sprechern eines Kulturraum geteilten Sprachsystems. Das geteilte Sprachsystem beeinflusst uns eigenen Sprachsystem (weil wir sonst nicht mit anderen kommunizieren könnten). Unser eigenes Sprachsystem beeinflusst aber auch das geteilte Sprachsystem - denn durch neue oder veränderte Kommunikationserfordernisse zwischen einzelnen Sprechern müssen Wörter neu erfunden oder neu gedeutet werden. Wenn für genügend Sprecher mit "Telefon" nicht mehr ein kabelgebundenes Gerät im eigenen Haus gemeint ist, sondern das Smartphone in der eigenen Hosentasche, dann geht diese Veränderung auch ins übergeordnete System über.

Weiter gesponnen kann eine solche Hierarchie von Systemen auch außerhalb von Sprachsytemen beobachtet werden. Ein Lebewesen ist ein System, das aus kleineren Systemen - Organen - besteht, die wiederum aus kleineren Systemen - Zellen - besteht, usw.. Gleichzeitig ist ein Lebewesen in ein größeres System - eine Gesellschaft oder die Natur - eingebettet. Der Geist ist ein System, das aus vielen kleineren geistigen Systemen besteht, die wiederum aus kleineren geistigen Systemen bestehen. Gleichzeitig muss der Geist sich an die externe Umwelt - also die äußeren Systeme - anpassen und ist damit gewisserweise wiederum ein Subsystem größerer Systeme, die alle miteinander interagieren.

Dienstag, 30. Juli 2019

Warum fehlende Härte nicht unser Problem ist

Viel zu häufig wird heutzutage "Härte" gefordert. Etwas passiert und die volle "Härte" des Staates wird gefordert. Man muss "hart durchgreifen". Man muss "die volle Härte der Gesetze" durchsetzen. Diese und ähnliche Forderungen sind kompletter Nonsense.

Härtere Sanktionen und härteres Durchgreifen führen in der Regel nicht zum Ziel, sondern arbeiten gegen das eigene Ziel an. Unser Justizsystem ist zurecht auf die Rehabilitation der Straftäter ausgerichtet. Das Ziel ist das Wiedererlangens der bürgerlichen Freiheit und Teilhabe an der Gesellschaft. Ein "harter Staat" weckt Misstrauen gegenüber den staatlichen Institutionen und führt zu einer geringeren Bindung an soziale Regeln. Die Folge ist die Ausnutzung von Grauzonen, das Verstecken eigener Schwächen, Lug, Betrug und bewusste Missachtung von Regeln und Gesetzen.

Der Staat muss seinen Bürgern Vertrauen schenken. Und wir müssen anderen Bürgern Vertrauen schenken. Die Chance morgen ein besserer Mensch zu sein. Wer selbst ein humanistisches Ideal gegenüber anderen Menschen vertritt, der erzeugt in ihnen auch die Lust diesem selbst zu folgen, da es sich lohnt. Die wichtige Message muss sein: Vertrauen in die Regeln, Vertrauen in die Mitmenschen - das lohnt sich, denn am Ende leben wir alle damit besser.

Die Dynamik menschlicher Interaktionen und menschlichem Zusammenlebens ergibt sich aus selbsterfüllenden Prophezeihungen. Ein einfaches Beispiel ist die sogenannte "Theorie X" und "Theorie Y":
  • Ein Arbeitgeber, der nach "Theorie X" arbeitet geht davon aus, dass Mitarbeiter faul und arbeitsscheu sind und deshalb stark kontrolliert werden müssen. Hieraus ergeben sich starre Vorschriften und Kontrollen. Beim Mitarbeiter erzeugt dies ein passives Arbeitsverhalten: Wird er vom Arbeitgeber kontrolliert und beobachtet führt er ziemlich genau das aus, was der Arbeitgeber von ihm verlangt, nicht mehr und nicht weniger, da hierdurch Sanktionen drohen. Es folgt eine geringe Eigeninitative, da diese sich nicht lohnt. Steht man nicht unter Beobachtung wird sich von der strengen Beobachtung erholt und dadurch das Arbeitsvolumen gesenkt. Aus dem passivem Arbeitsverhalten heraus wird der Arbeitgeber in seiner "Theorie X" bestätigt.
  • Ein Arbeitgeber der "Thoerie Y" hingegen geht davon aus, dass seine Mitarbeiter grundsätzlich motiviert sind und sich gerne für ihre Arbeit anstrengen. Hieraus ergeben sich für den Mitarbeiter verschiedene Freiräume und Freiheiten. Der Mitarbeiter erledigt seine Arbeit so, wie er es am besten kann. Durch seine Freiräume und geringe Angst vor Sanktionen bei kleineren Abweichungen von der Vorgabe, übernimmt er auch Aufgaben außerhalb seines eigentlichen Arbeitsbereichs. Ein solcher Mitarbeiter wirkt motiviert und zeigt Eigeninitiave. Der Arbeitgeber wird in seiner "Theorie Y" bestätigt.
Die Beispiele sollen erläutern, dass durch das eigene und staatliche Verhalten Bedinungen geschaffen werden unter denen ein bestimmtes Spektrum an Verhaltensweisen möglich oder nicht möglich ist. "Weiche Sanktionen" halten am Vertrauen fest und führen dazu, dass ein Mensch ein Spektrum an Verhaltensweisen ausprobieren kann und so erfahren kann, mit welchem Mitteln er am besten im Zusammenklang mit anderen Menschen leben kann. Eine humanistische Lebenswelt, die Vertrauen und prosoziales Verhalten belohnt führt damit dazu, dass Menschen sich im wesentlichen an dem Ideal orientieren. Prosoziales Verhalten, das nicht unmittelbar zur Bedürfnisbefriedung führt, lohnt sich, da davon auszugehen ist, das zumindest mittelfristig die erhoffte Belohnung wiederholt erfolgen kann. "Harte Sanktionen" führen hingegen zu Misstrauen und eingeschränkten Spielräumen, die dazu führen, dass neue Verhaltensweisen weniger ausprobiert werden können. In einer stark sanktionierenden Umgebung werden Verhaltensweisen belohnt, die unmittelbare Befiedigung von Bedürfnissen ermöglichen, da damit zu rechnen ist, dass bald wieder eine Sanktion erfolgt und man den Zeitraum bis zur Sanktion auskosten muss.


Mittwoch, 6. März 2019

Die Psyche als binäres Systems feuerender oder nicht feuerender Neuronen am Beispiel der Sprache

Das Ziel meiner Forschungsarbeit besteht darin zu prüfen, inwieweit in kurzer Zeit ein Sprachniveau erreicht werden kann, das letztlich zur Gesprächstherapie ausreicht. Doch wann reicht ein Sprachniveau aus? Was macht Sprachniveau überhaupt aus? Nach welchen Kriterien lässt sich Sprachniveau bemessen und wie lassen sich diese formalisieren? Die Frage nach der Erreichung eines adäquaten Sprachniveaus zieht wesentlich grundlegendere Fragen nach sich, die für eine möglichst adäquate Beantwortung der Ursprungsfrage geklärt werden müssen.

Als allgemeinpsychologisch orientierter Psychologe muss für mich diese Frage sogar sehr grundlegend beantwortet werden. Daher komme ich nicht daran vorbei mich grundsätzliche Fragen der Beschaffenheit der Psyche zu stellen. Was ist eigentlich die Psyche? Die Psy-Theorie von Dietrich Dörner versucht sich dieser Frage anzunäheren indem Dörner versucht eine Psyche nachzubauen. Nun denn:

Woraus besteht eigentlich unser Gehirn? Aus sogenannten Neuronen. Neuronen sind grundsätzlich einmal eine recht langweilie Sache, denn sie können unterm Strich nicht mehr als zu-Feuern oder eben Nicht-zu-Feuern (verschiedene Komplexitäten dahinter seien hier mal dahin gestellt). Sie stellen damit ein binäres System dar mit folgenden möglichen Ausprägungen: 1 - Feuern oder 0 - Nicht-Feuern. Diese langweiligen beiden Zustände können jedoch in der Kombination vieler Neuronen beachtliches vollbringen. Wer das jetzt nicht glaubt, muss nur an Computer denken und was diese alles tolles darstellen können. Alles was du hier siehst, alles was dein Computer macht geht auch auf ein binäres 1 - 0 System zurück: Bestimmte Teilchen im Prozessor sind an, oder aus. Sie feuern, oder feuern nicht. Aus diesem 1 - 0 System lässt sich im Prinzip alles darstellen, da die logischen Operatoren UND, ODER und NICHT darstellbar sind. Hierfür muss man schlicht und ergreifend mehrere Neuronen miteinander verbinden und diese sich gegenseitig aktivieren bzw. deaktivieren lassen:

- Ein UND-Neuron lässt sich dann aktivieren, wenn mehreren mit ihm verbundenen Neuronen GLEICHZEITIG Signale eingehen, d.h. die verbundenen Neuronen feuern alle gleichzeitig auf das UND-Neuron.
- Ein ODER-Neuron lässt sich dann aktivieren, wenn mindestens eines von mehreren verbundenen Neuronen auf es schießt.
- Ein NICHT-Neuron lässt sich dann aktivieren, wenn ein oder mehere mit ihm verbundene Neuronen nicht schießen. Das lässt sich zum Beispiel verwirklichen, in dem die Neuronen, die nicht schießen dürfen nicht direkt mit dem NICHT-Neuron verbunden sind, sondern vermittelt durch ein anderes Neuron, das immer schießt, außer es wird durch ein anderes Neuron deaktiviert.

Nun zurück zur Sprache. Unser Gehirn erkennt Wörter auf Basis des Feuerns- oder Nicht-Feuerns von Neuronen. Das funktioniert wie folgt: Wenn wir Sprechen senden wir Laute aus. Diese Laute werden von unseren Ohren empfangen. Es gibt im Gehirn nun Neuronen, die immer dann Feuern, wenn ein bestimmter Laut empfangen wird. Damit erkennt das Gehirn: "Aha! Dieser Laut ist gerade da." Wenn nun das Neuron aktiviert ist das auf "A" reagiert UND das Neuron das auf "H" reagiert UND noch ein Neuron das auf "A" reagiert, dann können diese das "Aha"-Neuron aktivieren und damit wissen wir das Aha gesagt wurde. Das Gehirn hat abspeichert, dass ein A, ein H und ein A zusammen ein AHA sind. Wird wieder AHA gesagt, wird das erkannt. (Wie das Speichern genau funktioniert ist ein anderes Thema, das tatsächlich gar nicht so schwierig ist! Doch dazu vielleicht ein anderes Mal.) In der Kombination und Verbindung vieler solcher UND, ODER und NICHT Verbindungen lässt sich ein System kreiieren, das Wörter und Grammatik repräsentiert.

Was hat die neurologische Repräsentation nun mit der Frage zu tun wann ein Sprachniveau reicht? Die Frage der Repräsentation bringt uns der Frage näher, was denn überhaupt als Kriterium infrage kommt. Unsere Neuronen können Korrelationen darstellen/repräsentieren. Wenn X UND/ODER/NICHT Y vorhanden sind DANN wird Z auch da sein (oder neurologisch gesehen: wenn X UND/ODER/NICHT Y feuert, dann feuert Z auch). Das heißt letztlich das sich Unterschiede im Sprachniveau darauf zurückführen lassen inwiefern bestimmte Korrelationen und Zusammenhänge mit den vorhanden Repräsentationen(Wörtern & Grammatik) dargestellt werden können, oder eben nicht. Hieraus lässt sich auch ableiten, dass es nicht absolut auf Quantität (also je mehr Wörter desto besser) ankommt, sondern auf das vorhanden sein BESTIMMTER Wörter, BESTIMMTER Grammatik ankommt, eben derartige Wörter und Grammatik, die die Repräsentation und die Darstellung von Zusammenhängen über das bisherige Ausmaß hinaus verbessern.

Samstag, 22. September 2018

Nach dem Studium - Erster Schritte als Psychologe

Nun ist es einige Monate her seitdem ich das Psychologiestudium beendet habe. Es war eine gute und wichtige Zeit und es hat den Grundstein für meine Zukunft gelegt. Wo bin ich nun gelandet? In der forenischen Psychiatrie - als Forscher. Forschung hat mir schon im Studium Spaß bereitet, doch der Drang etwas zu ändern hat mich aus ihr getrieben und dennoch scheint sie eine gute Möglichkeit zu sein, den nötigen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen zu können.

Nun: Was lernt man in seinen ersten Monaten nach dem Studium?
Zunächst lernt man die Schrecken der Unsicherheit kennen, wenn man nicht weiß wo man landet. Wenn man gute Noten hat, gute Kenntnisse und doch über ein viertel Jahr zwischen der Vergangenheit und der Zukunft hängt. Das ist eine Zeit in der es extrem schwer ist Entscheidungen zu treffen und extrem schwer ist eine Ressourcen zu nutzen und nicht verrückt zu werden, oder zumindest sehr traurig. Man weiß nicht wo man landen wird, örtlich wie jobtechnisch, man weiß nicht, ob man seine Freunde behalten wird und man weiß nicht, ob das was im Studium gemacht hat eine gute Idee war. Hat man vielleicht seine Zeit verschwendet? Hätte man mehr Praktika machen müssen? Hätte man sich mehr nach den Bedürfnissen der Wirtschaft richten müssen? Wird man nun als Versagerpersönlichkeit enden, die erstmal ein Jahr rumgurkt, bis sie sich doch durchrafft 20.000 Euro für die ausbeuterische Psychotherapieausbildung zu investieren?

Bei mir hat sich diese Zeit der Unsicherheit über gute 3 Monate gezogen. Das war eine emotionale Zeit mit Bewerbungen, Absagen, gefühlten 10.000 möglicherweise-letzten-Mal-Treffen von Freunden, Vorstelllungsgesprächen, die einem eine kurze Hoffnung schenken, um dann doch wieder von der Realität gerichtet zu werden und zu erkennen: Einen Job nach dem Studium zu finden, der a) an dem Ort ist zu dem man möchte und b) den eigenen Fähigkeiten und Wünschen entspricht & dabei c) noch angemessen bezahlt ist, ist verdammt schwer. Respekt an die Menschen, die alle 3 Kriterien geschafft haben. Ich habe gelernt, dass man mindestens bei einem der Kriterien flexibel sein muss. Bei mir war es der Ort. Es ist ätzend nicht mehr alle seine Freunde sehen zu können und ein neues Sozialleben aufbauen zu müssen, doch letztlich muss es manchmal sein. Irgendwann kam der Tag mit dem Job und dem Vorstellungsgespräch, die gepasst haben und dann der befreiende Anruf einer Zusage. In diesem Moment fiel mir eine riesige Last vom Rücken. Endlich konnte ich wieder über meine Zukunft bestimmen. Endlich konnte ich die missliche Lage wieder lenken und selbstwirksam sein. Für die Menschen, die das hier lesen: Es ist übrings völlig normal, dass man mehrere Monate nach dem ersten Job sucht: Hier eine kurze Übersicht. Dennoch sind das zermürrbende Monate, weil man nicht glaubt zu den normalen zu gehören, man glaubt man wird einer dieser Menschen sein, die länger brauchen - dieses Warten zerstört das eigene Selbstbewusstsein, das man im Studium aufgebaut hat.

Wie fühlt sich dann der erste Job an?
Viele berichten von Inkompetenz. Ich habe es eher als Herausforderung gesehen. Man ist sich nicht sicher, ob das was man gelernt hat jetzt richtig ist. Aber man merkt schnell: Es gibt nicht immer ein richtig und falsch. Es gibt verschiedene Wege und wenn man seinen Weg gut begründen kann, dann kommt das auch an. Schließlich arbeiten dort auch nur Menschen. Klar - mit mehr Berufserfahrung, aber auch diese Wissen nicht immer was richtig ist. Auch diese müssen mit besten Wissen und Gewissen den optimalen Weg zu finden. Und: Das Studium bietet einem eine wirkliche gute Grundlage. Man glaubt es vielleicht nicht, aber wir Psychologen wissen nach dem Studium mehr als wir glauben, oder wir wissen wo wir es finden können. Das Studium ist ein riesiges Nachschlagewerk für Situationen in den man sich unsicher ist. Also schmeißt eure Unterlagen nicht weg. Ihr werdet sie wieder brauchen.

Man wird auch von Woche zu Woche kompetenter und mit ein wenig Glück und Selbstbewusstsein findet man seine eigene Position im System. Ich persönlich arbeite jetzt in der forenisch-psychiatrischen Forschung an einem Migrationsprojekt. Hier merke ich, dass es in der Evaluationsforschung oftmals an Grundlagenforschung fehlt, an fundierter allgemeinpsychologischer Ausrichtung. Hier setze ich nun an und schauen wir mal wo mich das hin führt.

Weiterhin, und liebe Pias ihr werdet mir das jetzt hoffentich entschuldigen, bin ich froh dass ich mir selbst genug Wert war nicht Pia zu werden. Pia zu werden ist scheiße: Du wirst ausgenutzt und scheiße bezahlt. Du machst viel Arbeit, die du nicht machen dürftest und es wird dir nicht anerkennt. Und viele meiner Kollegen bei den Pias lassen es mit sich machen: Denn man möchte ja Psychotherapeut werden. Meine Empfehlung an alle künftigen und aktuellen Pias: Lasst es sein. Investiert eure 120 Euro und werdet Heilpraktiker für Psychotherapie. Damit könnt ihr zwar keine Kassenpatienten arbeiten, aber nur so lernen es die Politik. Ihr braucht diese Ausbildung nicht, um kompetent zu werden. Ihr könnt auch in einer Klinik als richtiger Psychologe arbeiten und rumprobieren und eure Kenntnisse aus den Manualen holen. Und Supervision könnt ihr auch machen ohne Pia zu sein. Ich will hier niemand beleidgen. Ich will nur sagen: Seid euch selbst genug wert. Und wenn ihr es doch macht, dann demonstriert, demonstriert, demonstriert. Macht nicht mehr als ihr solltet, lasst euch alles aufschreiben und verklagt eure Klinik wenn ihr fertig seid (denn wenn ihr als Psychotherapeut arbeitet, steht euch auch der Lohn zu - und das passiert sobald ihr euren Praktikantenstatus überschreitet, was offenbar permanent passiert.)

Dienstag, 21. August 2018

Post-Hartz 4 - für eine belohnungsorientierte statt sanktionsorientierte Grundsicherung

Hartz 4 - ALG 2. Es wird viel in linken Kreisen über die Höhe der Sätze diskutiert, der wesentliche Makel befindet sich jedoch nicht in der Höhe der Grundsicherung, sondern im Menschenbild das dahinter steckt: Hartz 4 haftet der neoliberale Geist der 00er Jahre an. Es ist ein sanktionsorientiertes System, das den Menschen als arbeitsscheues Wesen betrachtet, der sich um jedwede Bemühung drückt und von oben kontrolliert werden muss.

Im Wesentlichen entspricht dies der Theorie X von McGregor mit den entsprechenden Folgen einer selbsterfüllenden Prophezeihung: Man geht davon aus, dass Hartz 4 von arbeitsscheuen Menschen bezogen wird, die schlicht das soziale System belasten und sich von der Mehrheit finanzierern lassen möchten. Es werden enge Grenzen gesetzt, die belegen, dass diese Theorie stimmt, z.B. das Ablehnen von Jobangeboten. Danach wird sanktioniert, um die Person dazu zu zwingen Jobs anzunehmen, die nicht zu ihnen passen und von denen sie nicht leben können. Dies erzeugt ein Misstrauen und eine Abneigung gegen den Staat und führt zu einer Weigerung den Anforderungen nachzukommen.

Bei Hartz 4 geht es in diesem Sinne darum diejenigen Personen möglichst gering zu halten, die das System missbrauchen, d.h. das Ziel ist Reduzierung von Sozialmissbrauch. Durch die Einschränkung der Möglichkeiten des Menschen wird eine Rückkehr in eine eigenständige Lebensführung erschwert, da schlicht zur Flucht aus der Sanktion Arbeit angenommen werden muss, die in einer kurzen oder mittleren Frist wieder abgelegt wird, da sie unter Bedinungen von schlechter Bezahlung und Fremdzwang zu wenig Bindung an die Arbeitsstelle und Arbeitsmotivation führt.

Eine Alternative stellt eine belohnungsorientiertes System dar: In diesem System erhält man eine Grundsicherung, die nicht gekürzt werden kann. Hierbei schwebt mir in etwa der aktuelle Hartz 4 Regelsatz vor. Bemüht sich eine Person um Arbeit, eine Ausbildung oder Weiterbildung so wird sie in einem solchen System mit einer Erhöhung des Satzes belohnt, z.B. 100 Euro. (Wer einmal mit ein paar Hundert Euro pro Monat über eine längere Zeit auskommen musste, der wird den Wert von 100 Euro pro Monat sicherlich kennen.) Zusätzlich bieten sich weitere "Erleichterungen" an, die erteilt werden könnten. Der Vorteil in diesem System ist, dass man Menschen nicht mehr zwingt, sondern Angebote macht. Wer seiner gesellschaftlichen Pflicht nachkommt wird belohnt, wer nicht dem wird keine Beachtung geschenkt.

In einem solchen System wird vom Staat der arbeitswillige ALG2-Empfänger in seinen Bemühungen unterstützt und gewertschätzt. Das Ziel ist nicht länger die Reduzierung von Sozialmissbrauch, sondern die Förderung von Arbeitstätigkeit, die wohl das eigentliche Ziel des Arbeitsamtes darstellt. Menschen, die ehrlich der Ansicht sind, dass sie von ca. 420 Euro leben wollen, können dies auch tun. Sie erhalten aber auch nicht mehr vom Staat. In diesem Sinne liegt die Entscheidungsgewalt wieder beim Empfänger der Sozialleistung, nicht beim Staat.

Ich persönlich würde eine solche Grundsicherung auch auf andere Bereiche ausweiten, z.B. als Ersatz für das Bafög. In diesem Sinne wäre das neue Bafög der Grundsicherungsbeitrag + Studienzulage (natürlich darf das in der Summe nicht weniger sein als der heutige bereits geringe Bafög-Satz). Jemand der nicht arbeitet erhält also eine Grundsicherung. Jemand der aus einem guten Grund nicht arbeitet, z.B. zur Aus- und Weiterbildung oder zur Pflege der Eltern, etc., der erhält mehr. Hierbei werden die Facetten der Realität mehr anerkannt. Gutes Verhalten verstärkt.

Abschließend sei bemerkt: Ich habe durchaus bewusst den aktuellen Hartz 4 Satz als Grundsicherung gewählt. Dieser gewährleistet gerade in Kombination mit dem Bezahlen einer Wohnung das ÜBERLEBEN einer Person. Ich gehe persönlich davon aus, dass sich die Mehrheit der ALG2-Empfänger sowieso bemüht und damit Zulagen in diesem System erhalten würde. Und das wäre auch richtig so. Die, die tatsächlich nicht arbeiten oder anderes leisten WOLLEN, werden schlicht nicht belohnt, sondern müssen mit dem wenigen, was sie bekommen auskommen.

Samstag, 17. Februar 2018

Pläne für eine neue Sozialdemokratie

Die Welt ist im Wandel und das Parteiensystem verändert sich. Die deutsche SPD und andere sozialdemorkatische Parteien müssen sich anpassen, verändern, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Hier möchte ich ein paar Punkte präsentieren, die für eine künftige Sozialdemokratie wichit sein könnten:

EUROPA
Zuerst genannt, da er unglaublich wichtig ist. Die Globalisierung ist mehr oder weniger vollendet. Heute spielt der Wettbewerb von Firmen innerhalb der Landesgrenze eine weitaus geringere Rolle als früher. Ein isolierter einzelner Staat kann wenig bewegen, da er auf die Entscheidungen anderer Staaten stets reagieren muss. Dies führt zu einer Einschränkung der Handlungsfreiheit des Staates.

Daher braucht es eine Reform der EU, eine Erweiterung der EU in Richtung eines echten Staates. Die EU braucht eine Regierung, die sich für die Interessen der europäischen Bürger in ganz Europa und der Welt einsetzt. Hierfür braucht es eine Ermächtigung der Europaparlaments. Hierzu braucht es ein Initiativrecht des Europaparlements und den Grundsatz: "Europarecht bricht Landesrecht". Das europäische Parlament muss demoraktisch legimentiert werden, sodass es eine legitime Regierung entsenden kann, die sich um die Wirtschaft, soziale Absicherung, Sicherheit und Entwicklung Europas kümmert.

Nur ein starkes, handlungsfähiges Europa kann in der globalisierten Welt unsere Interessen durchsetzen. Nur ein starkes, handlungsfähiges Europa kann Ungerechtigkeit seien sie wirtschaftlich, militärisch oder humanitär beheben.

Die Sozialdemokratien müssen die europhilen Parteien der EU werden. Die Sozialdemokratie muss sich effektiv für europäische Lösungen einsetzen, wo es europäischer Lösungen bedarf. Wir dürfen keine nationalen vor europäischen Interessen stellen.

GROSSKONZERNE
Die Wirtschaft wird in vielen Branchen von wenigen riesigen Konzernen oder Konzerngruppen dominiert. Gerne sitzen diese in Amerika und beziehen sich auf US-Recht und entziehen sich unserer Kontrolle. Weiterhin hinterziehen sie gerne Steuern über Steueroasen und nutzen eine jedes Schlupfloch, das ihren Interessen dient.

Die Sozialdemokratien sollten sich dafür einsetzen, dass diese Firmen einen einen Sitz in der EU haben. Auch müssen Internetfirmen dazu gezwungen werden Server in Europa einzurichten, sodass die Daten der europäischen Bürger in europäischer Hand sind. Globalisierung darf nicht bedeuten sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen. Konzerne dürfen nicht die Welt regieren.

Konzerne müssen auch dazu gezwungen werden in dem Staat ihre Steuern zu zahlen, in dem sie ihre Waren loswerden. Alternativ muss eine europäische Steuer eingeführt werden, die auf die europäischen Regionen fair und umsatzgetreu verteilt werden. Steuerdeals mit harsch bestraft und unterbunden werden.

EIGENTUM VERPFLICHTET
Wer besitzt hat eine gesellschaftliche Verantwortung. Wer dieser Verantwortung nicht gerecht wird, dem muss sie entzogen werden: Konzerne und Banken, die bankrott gehen, weil sie scheiße gewirtschaftet haben dürfen gerettet werden, aber nur wenn ihr Eigentum an den Staat über geht. Wenn eine ganze Branche, eine Großzahl an Menschen am Überleben eines Konzern angewiesen sind, dann müssen sie auch gesellschaftlich kontrolliert werden können.

Wenn eine Firma wie VW mit unlauteren Mitteln Gewinne erzielt und dann wenn es rauskommt im freien Fall ist, dann darf ihre wichtige Position für Deutschland kein Kritierum sein, dass man sie nicht bestraft. Eine solche Firma muss ihre Schulden an die Gesellschaft zurückzahlen und wenn sie das nicht kann wird sie verstaatlicht. Zudem sollten Manager auch privat haften können, wenn sie eine Firma in den Ruin treiben.

Eigentum verpflichtet. Dieser Grundsatz muss viel stärker beachtet werden um die Auswüchsen des Kapitalismus gerecht zu werden.

DIGITALISIERUNG
Die Digitalisierung ist eine gute Sache. Von der Digitialsierung können viele Menschen enorm profitieren, daher ist es wichtig Spielregeln dafür aufzustellen. Es kann nicht sein, dass wenn eine Firma 50 % der Zeit spart, weil sie vermehrt Software nutzt, dies nicht beim Arbeitnehmer ankommt. Wenn man durch Digitalisierung und Einsatz von Robotoren die Gewinne erhöhen kann bei geringeren zeitlichen Aufwand, dann muss dies für die Arbeitnehmer mit kräftigen Lohnzuwäschen und Reduzierungen der Arbeitszeit verbunden sein.

Die Digitalisierung kann uns enorme neue Freiheiten und Verbesserungen der Lebensqualität bringen. Mehr Zeit für die Familie, Freunde und Freizeit. Mehr Zeit sich zu erholen. Die Digitalisierung darf nicht einseitig für Konzerninteressen genutzt werden. Digitalisierung darf nicht mit einer Verschlechterung des Arbeitsbedingungen und einem riesigen Abbau von Arbeitsplätzen verbunden werden.

Und na klar: Alter braut endlich die Internetleitungen aus! Kackegal wie viel es kostet.

SOZIALE ABSICHERUNG
Soziale Absicherung heißt in der modernen Welt sich weiterbilden zu können und müssen. Bildung ist der Schlüssel für unseren Wohlstand. Damit dies gelingt müssen Menschen auch in der Lage sein sich weiterbilden zu können. Hierfür ist vor allem finanzielle Absicherung gefragt.


Ein bedingungsloses Grundeinkommen oder ähnliche Konzepte können hier helfen. Ein Mensch muss seine Arbeit unterbrechen können ohne dass er zu tief fällt. Nur dann werden sich noch mehr Menschen weiterbilden. Die Sozialdemokratie muss sich dafür einsetzen, dass der Staat sich um die Zukunft seiner Bürger kümmert und dies nicht dem Privatwesen überlassen.

Soziale Absicherung muss sich immer an den Armen orientieren. Es geht darum, dass der wenig hat immernoch genug hat um zu überleben und teilzuhaben. Bei künftigen Rentenkonzepten braucht es nicht darum gehen, dass das monatliche Einkommen ausreicht, dass Bonzen weiter einen bonzigen Lebensstil haben können. Eine künftige Rente muss für den Armen hoch genug sein. Reiche können sich immer irgendwie selbst versorgen.

Ganz wichtig: Nur wer viel hat, kann sich Rücklagen anlegen. Aus Vermögen lässt sich nur mehr Vermögen erzielen, wenn man das Geld nicht direkt benötigt. Ein Armer ist nicht zu blöd sich Aktien zu kaufen. Er kann es sich schlicht nicht leisten. Armut bedeutet, dass wenn du dir eine neuen Waschmaschine kaufst, du für sehr lange Zeit kein Geld für einen neuen Fernseher, ein Auto, etc. haben wirst. Soziale Absicherung muss sich an der unteren Hälfte der Gesellschaft orientieren, nicht an der oberen.

Freitag, 17. November 2017

Eigenverantwortlichkeit - Ein Konzept ohne Spielräume

Ausführbarkeit, Schädigungsfreiheit, Beeinträchtigungsfreiheit und Persönlichkeits-/Gesundheitsförderlichkeit. Unter diesen 4 Schlagworten kann man die Anforderungen einer humanistischen Arbeitsgestaltung zusammenfassen. Konkret geht es darum, dass ein Arbeitsauftrag überhaupt schaffbar ist, dabei weder körperlich noch psychisch Schaden beim Ausführenden anrichtet und am besten noch dazu führt, dass die Personen etwas lernen kann. Um diese 4 Kriterien zu erfüllen muss aus psychologischer Sicht einiges bei einer Stelle vorhanden sein, insbesondere Freiräume und Ressourcen. Eigenverantwortlichkeit ist ein Schlagwort, dass auf den ersten Blick impliziert, dass es einer Person Freiräume ermöglicht. Da Freiräume zur psychischen Gesundheit beitragen, sollte man also folglich Eigenverantwortlichkeit als Psychologe befürworten?

Nicht unbedingt. Eigenveranwortlichkeit im moderenen Arbeitsalltag ist nämlich häufig wenig mit Freiräumen verbunden, sondern stattdessen tatsächlich eher mit einer Einschränkung der Spielräume verbunden. Eine eigenverantwortliche Tätigkeit umfasst im Normalfall, dass ein bestimmtes Ziel, eine bestimmte Tätigkeit übertragen wird, die der Einzelne auf seine eigene Art und Weise umsetzen kann, ohne dabei zu stark von einem Vorgesetzten eingeschränkt zu werden. Grundsätzlich wäre Eigenveranwortlichkeit also tatsächlich sehr förderlich und gesundheitserhaltend für einene Menschen, da sie impliziert, dass man sich aus der fremdgesteuerten Sklaverei befreit und "sein eigener Chef" sein kann.

Ist nur leider nicht so. Damit eine eigenveranwortliche Tätigkeit gesundheitsförderlich sein kann muss sie Handlungspielräume UND zeitliche Spielräume umfassen. In der Praxis ist aufgrund zeitlicher Verdichtungen und Wachstumsdruck zumeist wenig zeitlicher Spielraum vorhanden. Übrig bleibt der Handlungsspielraum. Der Handlungsspielraum ist aber wiederum vom zeitlichen Spielraum abhängig. Wenn ich eigenverwortlich ein bestimmtes Ziel in einer sehr begrenzten Zeit verrichten muss, habe ich eben NICHT die Möglichkeit mir auszusuchen WIE ich die Tätigkeit umsetze, sondern ich bin dazu verdammt die Strategie zu wählen, die es am ehesten noch ermöglicht in der begrenzten Zeit zum Erfolg zu führen. Diese Strategien sind zumeist nicht die Strategien, die persönlichkeitsfördernd oder gesundheitsfördernd sind, sondern schlicht auf Effizienz ausgerichtet sind. Bei einer komplett auf Effizienz ausgerichteten Tätigkeitsregulation bleibt wenig Platz für soziale Kontake, Ressourcenaufbau oder auch nur Erholungszeiträumen.

Das Problem an der Eigenverantwortlichkeit ist also, dass man eigenverantwortlich, d.h. SELBST die Strategie wählt, die einen am meisten ausbeutet. Freumdgesteuerte Sklaverei wird durch eigenindizierte Sklaverei ersetzt. In einem solchen Fall kann man dann nicht mehr auf den Chef schimpfen, der einem unmögliche Methoden zumutet. An die Stelle der Attribution auf den Chef tritt die Attribution auf das eigene Selbst - man selbst ist der Versager, der die eigenverwantwortliche Tätigkeit nicht gut genug ausüben kann. Zerstört wird hier also direkt das eigene Selbstbewusstsein. Folgen sind Depressionen und Ängste.

Eigenverantwortlichkeit kann nur dann gut für den Menschen sein, wenn er SELBST über die MENGE und ZEIT bestimmten kann. Nur dann kann er auch SELBST über die METHODE entscheiden. Zusammengefasst muss in der modernen Arbeitswelt also darauf geachtet werden, dass das schöne Konzept der Selbstverantwortung nicht zur Selbstversklavung mit oben genannten Folgen wird. Wie kann das geschehen? Schritt 1 ist Widerstand. Widerstand gegen eine Verdichtung der eigenen Aufträge. Es darf nicht zu viel angenommen werden und es muss dafür gesorgt werden, dass auch weniger Aufträge angemessen entlohnt werden. Eine große Chance birgt die Digitalisierung, da durch den Einsatz modernen Informationstechnik eine Zeitersparnis erzielt werden kann, die in der Folge dann als zeitlicher Spielraum zur Verfügung steht. Wichtig: Die freigewordene Zeit darf dann nicht durch neue Aufträge gefüllt werden. Letztlich hängt es auch am Arbeitnehmer selbst: Man muss auch nein sagen können. Man muss sich selbst zugestehen, dass man die Zeit braucht.

Montag, 28. August 2017

Plädoyer für eine Rentenreform

Bundestagswahl 2017. Unsere Bundeskanzlerin sagte, sie sehe keinen Handlungsbedarf bei der Rente bis 2030. Sag a mal - gehts noch?

2030 - noch ganze 13 Jahre sollen wir also weiter wursteln. Das sehe ich doch ganz anders. Ganz wichtig, mir geht es hier nicht um die Präferenz für eine bestimmte Rentenposition. Mir geht es um Planungssicherheit. Vollkommen egal, ob ich einmal 50 %, oder 40 % oder 1000 Euro mit 60, 67, 70 oder 80 Jahren bekomme muss ich doch die Möglichkeit haben mich auf meinen Ruhestand vorzubereiten.

Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt über 10 Jahre in die Rentenkasse einzahle im Glauben, dass ich einmal etwas davon zurückbekomme. Und dann heißt es plötzlich: Pech. Wir machens jetzt anders. Du hast über 10 Jahre Fehlinvestitionen begangen. Nein, das kann nicht wahr sein.

Schlimmer noch ist es für andere Menschen. Ich als angehender Akademiker kann vermutlich mit meinem Gehalt aus dem oberen Drittel 10 Jahre Täuschung noch ausgleichen, aber wie sollen das all die Menschen machen, die nicht studieren? Bürger in meinem Alter haben schon mit 15 oder 16 ihre Ausbildung begonnen - sie zahlen bereits gute 10 Jahre in die Kasse ein. Bis 2030 sind bei über 20 Beitragsjahren! Ihnen dann ihre Rente zu rauben ist nicht nur ethisch inkorrekt, es ist einfach nur absolut arschlochhaft. Es ist eine Haltung von oben herab. Als Bundeskanzler mit gesicherter Pension muss man sich ja nicht sorgen ums Geld.

Wie - wie sollen bitte Menschen mit 1000 bis 1500 Euro Nettoeinkommen 20 Jahre aufholen? Kann mir das irgendeiner erklären? Heute nicht an die Rente der Generation Y zu denken ist Wählerverarsche, kurzfristiges denken und ängstlich. Wir müssen HEUTE etwas für unsere Zukunft tun. Wenn wir einmal alt sind ist es zu spät.

Darum liebe Menschen unter 30 denkt nochmal genau darüber nach, ob eure aktuelle Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage Deutschland wirklich ausreicht um Angela Merkel und die CDU zu wählen. Wenn ihr das bejahen könnt, dann beschwert euch aber bitte nicht in 13 Jahren darüber, dass man eure Rente streicht.

Montag, 10. April 2017

On the Road to A & O

Populismus, Ausbeutung, Europafeindlichkeit, Rassismus, neoliberaler Wahnsinn. Die Liste kann beliebig erweitert werden. Es handelt sich hierbei um Gründe politisch aktiv zu werden. Ein kluger Mensch muss politisch sein. Ein kluger Mensch muss sein Wissen anwenden, um damit der Menschheit zu dienen. Denn ich lebe nicht allein auf dieser Welt.

Die Psychologie verfolgt grundsätzlich einen Individualansatz, insbesondere die Psychotherapie. Hilfe in individuellen Problemen, Hilfe eigene psychische Dynamiken zu durchbrechen, oder sie zu akzeptieren. Man zielt auf das individuelle Glück. So tun das auch viele Psychologen und Psychologinnen. Man zieht sich zurück aus der großen komplexen Welt und befasst sich mit seinem eigenen begrenzten Horizont. Denn geht es mir jetzt gut, dann ist das gut. Damit kann ich nichts anfangen.

Das Schlechte sitzt tiefer. Das Schlechte ist systematisch in unserer Gesellschaft vorhanden. Wir leben bestimmte Normen und sozialisieren unsere Kinder in sie hinein. Wenn Schlechtes resultiert doktern wir an den Symptomen herum, anstatt große Lösungen anzugehen: denn sie scheinen uns schwer bis unmöglich umsetzbar. Angela Merkel prägt das Wort der Alternativlosigkeit. Ihr politischer Stil und ihre Haltung zur Welt haben sich in den langen Jahren ihres Regierens in unseren Köpfen festgesetzt. Es gibt keine Alternativen, wir können es nur so machen. Alles andere ist zu teuer, es gibt keine Mehrheiten, es dauert zu lange, etc.. Das ist Schwachsinn.

Ich kann niemals die Union wählen. Trotz ihres Linksdrucks sind sie konservativ, sie wollen nichts verändern. Aber nur durch Veränderung kann es besser werden, nur durch Veränderung kann man auch in Zukunft hohen Wohlstand erwirtschaften. Ich bin progressiv, liberal und sozial eingestellt. Mein Horizont ist auch auf die weitere Zukunft ausgerichtet. Unsere gegenwärtige gesellschaftliche Form ist gegenwartsorientiert. Wir leisten jetzt alles und die Zukunft ist uns egal. Aber wo führt das hin? Zu einer breiten Ausprägung sogenannter "Burnouts" - oder realistischer ausgedrückt Depressionen? Man erzählt uns soziale Absicherung wäre in der Globalisierung nicht mehr möglich. Aber das ist Schwachsinn. Das ist neoliberale  Lehre, die auf nichts als haltlosen Theorien fußt.

Was hat das nun alles mit mir als angehender Psychologe zu tun? Es gibt verschiedene Gründe für eine Entwicklung in mir, die unter anderem die obigen Punkte miteinschließt: Es treibt mich in die Arbeitspsychologie. Der Schutz der Humanität, der Schutz vor psychischen Störungen, die Möglichkeit zur nachhaltigen persönlichen Entwicklung - das ist humanistische Arbeitspsychologie. Da möchte ich hin. Es ist meine Verpflichtung und mein Wunsch die Welt zu verbessern. In der Forschung bin ich vermutlich zu defensiv. Ich weiß noch nicht wo genau ich landen werde. Doch es wird wohl im A & O Bereich sein. In einer Position mit der ich die Menschen schützen kann.

Die Welt ist schlecht. Aber der Grad der Schlechtheit liegt in unserem Händen.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016 - Die Mitte des Masters und das beginnende Studiumsende

2016 war ein scheiß Jahr. Scheiß Anschläge. Scheiß Populisten. Siege von Nationalisten. Das elfte Jahr unter Angela Merkel. Unter diesem Hintergrund verlief das erste Jahr des Masters. Die Weltlage ist real, selbst im idyllischen Innsbruck, das umgeben von einem Kranz von Bergen vom Rest der Welt abgeschnitten scheint kann man sich dem nicht entziehen.

Blicken wir zurück aufs Studium und das Studienleben.

Was ist ein Psychologe?
Die Psychologe ist die Wissenschaft vom Verhalten und Erleben. Soweit, so gut. Aber was ist ein Psychologe? Was soll das sein, das wir werden, wenn wir mit dem Studium fertig sind? Ist es eine Art zu Denken? Sind es unsere Methoden und Kompetenzen? Ist es unser mehr oder weniger funidertes Grundlagenwissen über den Menschen? Es ist schwer zu sagen. Ein Psychologe ist wohl das Resultat aus dem absolvierten Studienplan. Ein Mensch der sich vielleicht Gedanken gemacht hat oder einfach nur Bulimielernen betrieben hat und meint wir brauche das alles sowieso nicht.

Was ist ein guter Psychologe?
Eine weitere wichtige Frage. Je weiter das Studium voranschritt, desto mehr werden Differenzen mit anderen Kommillitonen offensichtlicher. Viele wollen Therapeut werden. Sie hinterfragen das Studium. Sind wohl eher unzufrieden als zufrieden damit. Ob diese Studenten gute Therapeuten werden ist eine Frage, die sich noch zeigen wird, ob sie gute Psychologen sind, ist eine andere Frage. Psychologie ist eine Naturwissenschaft. Eine Naturwissenschaft, die auch geisteswissenschaftliche Anteile hat. Eine Wissenschaft über den Menschen, die wenig am Einzelfall interessiert ist. Ein guter Psychologe ist methodisch stark. Er arbeitet ethisch korrekt. Er kennt die Grenzen psychologischen Erkenntnis, resigniert aber nicht an ihen. Ein resignierter Psychologe, also jemand der glaubt er wüsste nichts und könnte nichts, der wird in der realen Welt wahrscheinlich scheitern.

Was ist für die Psychotherapie von Relevanz?
Liebe Freunde. Ja es stimmt, die Beziehung zwischen Therapeut und Klient ist das wichtigste Element einer Therapie. Aber ohne Methodik, ohne Plan und ohne Überzeugung von der Therapiemethode wird man diese therapeutische Allianz nicht herstellen. Es ist nicht scheißegal, was man mit Menschen macht. Diese Vorstellung ist mehr als ethisch fragwürdig. Menschen haben verschiedene Bedürfnisse und Weltvorstellungen. Für Therapeuten ist es wichtig methodisch gut zu sein. Es reicht nicht aus ein netter empathischer Mensch zu sein. Das unterscheidet einen Therapeuten von einem guten Freund. Ein Therapeut arbeitet mit einer fundierten Methode zielorientiert an einem Problem und schenkt nicht nur Wärme und Verständnis. Eine notwendige Bedingung - die therapeutische Allianz - ist notwendig aber eben nicht allein ausreichend.

Was halte ich von Arbeits- und Organisationspsychologie?
Ich habe es kategorisch ausgeschlossen in die A & O Richtung zu gehen. Nein, viele von uns haben es kategorisch ausgeschlossen. Und einige, wie ich tun das jetzt nicht mehr. In A & O kann man Geld verdienen - ekelhafte Vorstellung, dass das für einen Psychologen von Belang ist, aber dennoch wichtig. A & O steht vor der psychischen Störung. A & O bietet einen Haufen Möglichkeiten zu intervenieren. A & Oler sind als Humanisten so etwas wie ein Gegenpol zu den "kalten" tayloristischen Wirtschaftswissenschaftler. Wir haben Verantwortung. Wenn wir uns vor der Privatwirtschaft scheuen, wird ein Mensch unsere Stellungen einnehmen, der dafür wahrscheinlich schlechter qualifiziert ist wie wir. Und wir verlieren eine Möglichkeit der Partizipation an der realen Welt da draußen.

Welche Themen faszinieren mich am meisten?
Ich interessiere mich nach wie vor für viel grundlegendes vom Menschen, von der Psyche. Psyche ist wissenschaftlich fassbar. Man wird nie alles vorhersagen können. Aber nicht weil die Psyche so komplex und undurchschaubar ist und jeder Mensch individuell, sondern weil die Umwelt komplex und unvorhersehbar ist. Der Faktor Zufall ist immens wichtig. Aber wir dürfen deshalb nicht aufhören, die Psyche immer adäquater zu beschreiben. Wir müssen außerdem raus aus dem Baum. Wir müssen an dem Ganzen arbeiten.

Wo sehe ich meine Zukunft in der Psychologie?
Eine schwierige Frage. Ich wollte bislang immer in die Forschung. Aber Forschung ist nicht leicht. Werde ich deshalb im A & O Bereich arbeiten? Ich weiß aktuell nicht viel. Ich weiß nicht worüber ich meine Masterarbeit schreiben werde, ich weiß nicht wo ich anfangen werde, wenn das Studium in gut einem Jahr endet. Wenn man sich dem Ende des Weges nähert, dann macht man sich reale Gedanken über das danach. Meine Zukunft ist noch nicht geschrieben. Wir werden sehen, wo ich lande. 
 

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Valenz und Arousal - Emotionen in der Werkstattmetapher

Mein Modell des Alltagshandelns beschreibt in etwa die Vorstellung, die ich über die Psyche im Verlauf meines Studiums erhalten habe. Eine Frage die offen bleibt ist der Einfluss der Emotionen. Emotionen spielen in der Realität des Menschen eine zentrale Rolle und müssen daher beinah zwangsläufig Teil eines jeden guten übergeordneten Modells sein. Wie lässt sich die Emotion nun in meinem Modell unterbringen?

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Emotionsmodelle. Man kann mehr oder weniger die sechs Grundemotionen Freude, Ärger, Ekel, Angst, Überraschung und Trauer unterscheiden. Ein anderer Ansatz unterscheidet Emotionen in den Dimensionen Arousal und Valenz. Valenz beschreibt, ob eine Emotion eher positiv ist bzw. zu Anäherungsverhalten("Appetenz") führt oder negativ ist und Vermeidungsverhalten ("Aversion") auslöst. Arousal beschreibt das Ausmaß an Aktivierung, das eine Emotion mitbringt: Je höher das Arousal, desto mehr spüren wir die Emotion auch körperlich, desto mehr durchströmt sie uns. Ein Beispiel für hohes Arousal gepaart mit hoher (positiver) Valenz ist beispielsweise sexuelle Erregung: Das Gefühl löst Apptenz aus und macht sich stark körperlich bemerkbar. Starker Ekel beispielsweise vor einem verschimmelten Brot ist ein Beispiel für hohes Arousal gepaart mit hoher (negativer) Valenz und den resultierenden Vermeidungsverhalten.

Wie sind Emotionen nun unterzubringen in der Werkstattmetapher? Die Grundemotionen sind eher einem Aspekt des Deutens zuzuordnen: Ich empfinde Appetenz in einem bestimmten Ausmaß gegenüber einem bestimmten Objekt und interpretiere diese Kombination als Freude. Arousal und Valenz hingegen sind eher unspezifiertes Erleben, die eher ausgelöst werden von bestimmten Objekten als gedeutet werden als bestimmtes Gefühl. Sie stehen mehr oder weniger vor der Grundemotion. Dieses unspezifizierte Erleben eines Gefühls kann innerhalb der Werkstatt des Handelns an mehreren Stellen wirken.

Infragekommen zum einen die automatische Kontrollprozesse. Ein Gefühl mit negativer Valenz und erhöhtem Arousal weist das Ich darauf hin, dass irgendetwas in der aktuellen Handlung nicht stimmt. Dieses Gefühl regt das Ich an den Fehler genauer zu analysieren, also im Sinne der Werkstattmetapher den Beobachtern zu befehlen nach dem Fehler in der Handlung zu suchen.
Läuft alles glatt, so zeigt ein positives Gefühl mit geringem oder mittleren Arousal an, dass die ausgewählte Handlung funktioniert und das Ich nicht übermäßig aufmerksam sein muss: Es kann sich auf seine Beobachter und Mitarbeiter verlassen. Die Emotionen sind in diesem Kontext Experten, besonders erfahrene Mitarbeiter, die dem tätigen Monteuer, dem Ich zur Seite stehen und kontrollieren, ob die Handlung grundsäztlich zum Handlungsziel führt.

Weiterhin kommt die Werkzeugauswahl infrage. Zwar liegen Handbücher voller Informationen zu den Werkzeugen und den möglichen Situationen vor, doch wäre das detaillierte Nachlesen trotz vieler Mitarbeiter zu aufwendig, um schnell und effizient auf Ereignisse zu reagieren und entsprechende Handlungen einzuleiten. Emotionen sind hier Vorgesetze, die durch die Werkstatt laufen und den Mitarbeitern sagen, dass sie das was sie tun gut machen oder schlecht machen, d.h. die Auswahl an Werkzeugen ist die richtige, also für die Situation passend. Es resultiert ein postives Gefühl, wenn die Mitarbeiter die richtigen Werkzeuge in der richtigen Situation parat haben, während ein negatives Gefühl resultiert, wenn dies nicht der Fall ist.

Letztlich erleichtern Emotionen somit das flüssige Funktionieren in der Werkstatt, da sie Prozesse bescheunigen, in dem sie quasi mit Daumen nach oben oder unten den Mitarbeitern zeigen, ob sie richtig liegen und damit diese weniger intensiv nachdenken müssen, d.h. effizienter werden.


Dienstag, 15. November 2016

Kahneman und der Homo oeconomicus - Der Irrtum der Entscheidungsforschung

Ein für mich seit längerem recht interessantes Thema sind sogenannte Heuristiken. Heuristiken werden meist im Rahmen der Entscheidungsforschung diskutiert. Aus diesem Interesse besuche ich gegenwärtig ein Seminar zu Fehlentscheidungen und stehe nach zwei Blöcken vor einem ähnlichen Gefühl wie beim Lesen von Kahnemans Schnelles Denken, Langsames Denken.

Kahneman und ich vermute auch mein Dozent sehen den Menschen hierbei als irrationales Wesen an. Kahneman erkannte richtigerweise, dass der Mensch sich in der realen Welt nicht gemäß des rationalen homo oeconomicus verhält. Er begründete als Folge mehr oder weniger das human decicsion making, das sich mit diesen Besonderheiten des menschlichen Entscheidens auseinandersetzt. Es werden Mechanismen erforscht, die den Menschen zu irrationalen Fehlentscheidungen verleiten. Diese werden als Heuristiken bezeichnet.

Das Erforschen von Mechanismen der menschlichen Entscheidungen ist an und für sich vollkommen legitim. Das Leitbild Kahnemans und meines Dozenten jedoch nicht. Es wird richtig erkannt, dass der Mensch sich nicht gemäß des homo oeconomicus verhält, es wird richtig geschlossen, dass dieses den Menschen schlecht erklären kann. Logische Folge wäre an dieser Stelle sich vom Menschenbild des homo oeconomicus zu verabschieden. Das geschieht aber nicht. Letztlich dreht sich die gesamte Forschung um die Frage, wie man aus dem normalen Menschen einen homo oecnomicus machen kann. Das falsche Menschenbild wird nicht verworfen, sondern bleibt weiterhin präsent. Der Mensch wird nach den Kritieren eines homo oecomicus beurteilt.

Wo liegt hierbei nun das Problem? Insgesamt sehe ich zwei wichtige Probleme. Das erste Problem liegt in der falschen Beschreibung des Menschen. Trifft ein Menschenbild nicht zu, so muss es verworfen werden und ein neues muss entworfen werden. Die Aufgabe des Psychologie ist es den Menschen zu erforschen WIE ER IST und nicht wie man einen Menschen dazu bewegen kann sich gemäß irgendeiner philosophischen Ansicht zu verhalten. Durch die Fixierung auf den homo oeconomicus entzieht man sich den wichtigen Erkenntnissen, wie ein Mensch in der realen ist und was das das zu bedeuten hat. Hier sind auch mehr oder weniger beim zweiten Problem: Der homo oecnomicus ist omnipräsent in der Gesellschaft. Das wirtschaftswissenschafltiche Menschenbild prägt unseren Alltag und richtet das gesellschaftlichen Handeln auf seine Normen aus. Diese sind jedoch nicht zwingend richtig. Rationale Entscheidungen mögen in bestimmten Lebensbereichen, z.B. der Politik wichtig sein, diese aber in alle Gesellschaftsebenen zu übertragen ist mehr als falsch und wird dem Menschen nicht gerechet. Die Entscheidungsforschung nach Kahneman bestärkt die Stellung des homo oecnomicus. Rationalität, Gewinnmaximierung, etc. sind aber nicht die einzigen Kritieren, die in einer Gesellschaft von Bedeutung sind. Genau deshalb ist es immens wichtig das Menschenbild des homo oecnomicus aus der Entscheidungsforschung zu streichen. Erkenntnisse über die reale Natur des Menschen, die nicht von vorn herein bewertet sind - und das sind sie im Lichte des homo oecnomicus - führen zu einem adäquateren Bild des Menschen und damit auch langfrsitig zu einer humaneren Gesellschaftsform.

Als Psychologe und allgemein als Wissenschaftler muss es unser Ziel sein möglichst wertefrei unsere Erkenntnisse zu generien, um die Welt besser und passender zu beschreiben und zu behandeln. Ein offensichtlich falsches Menschenbild darf nicht aufrecht erhalten werden, nur weil es vorherrschend ist. Ich kann es nur noch einmal sagen: Wir müssen die Welt und den Menschen betrachten wie er ist und nicht wie wir ihn oder sie gerne hätten.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Philosophische Grundlagen: Über die Orientierung an der Realität

Dieser Post soll eine grundsätzliche Erkenntnis in meinem Leben in den letzten Jahren veranschaulichen. Es handelt sich hierbei um die Wichtigkeit an der Orientierung an der Realität. In zahlreichen Diskussionen mit meinem Freund und Mitbewohner hat sich ein wesentlicher Unterschied in unserer Vorstellung an der Welt herauskristallisiert: Meine Gedanken zur Psychologie, zur Ethik, der Wissenschaft als auch zu vielerei anderer Grundsatzdiskussionen fußen auf der Betonung der Wichtigkeit der realen Welt.

"Man muss die Welt betrachten wie sie IST."

Unsere Gedanken können noch so edel sein, wenn wir uns von den realen Gegebenheiten zu weit entfernen sind sie nutzlos. Sich zu sehr an ein Ideal zu klammern führt letztlich zu nichts, es macht uns handlungsunfähig.

Ein gutes Beispiel ist Wissenschaftsskeptizismus: Es ist oft in der Welt der Wissenschaft vorgekommen, dass eine neue Erkenntnis viele bisherige Erkenntnisse als falsch deklariert haben und somit das gegenwärtige Weltbild erschüttert haben und gefühlt "alles" verändert haben. Beispielsweise ging man lang davon aus, dass die Sonne sich um die Erde dreht. Diese Annahme hat sich als falsch herausgestellt. Aus solchen Beispielen leitet sich eine grundsätzliche Kritik an Wissenschaft ab: "Was heute richtig ist, kann morgen widerlegt sein."

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind somit nichts wert. Man kann ihnen nicht vertrauen, denn sie können falsch sein. Wir können uns über nichts sicher sein. Dieser Sachverhalt mag grundsätzlich seine Richtigkeit besitzen. Viele Erkenntnisse werden sich noch als falsch herausstellen. Was wir heute denken, darüber wird man in Zukunft lachen. Sich an dieses Ideal zu klammern ist dennoch kontraproduktiv. Wenn wir uns nichts sicher sein können, so verlieren wir unserer komplette Handlungsfähigkeit. Wenn alles wahr sein kann, ist nichts mehr wahr.

Die Realität birgt allerdings sehr wohl viele ziemlich wahrscheinliche Tatsachen. Wenn wir handlungsfähig bleiben wollen, müssen wir annehmen dass viele unserer Erkenntnisse die Realität widerspiegeln oder zumindest gut genug widerspiegeln. Hier sind wir an der Realitätsorientierung. Die Realität ist nicht komplett unsicher. Unser Welt kann zwar Illusion sein, aber diese Illusion ist vorhersehbar genug, dass wir viele verschiedene Handlungen vollziehen können, die zumeist sehr ähnliche Ergebnisse und Konsequenzen bringen.

Was zählt ist nicht die absolute Wahrheit, sondern dass unsere Erkenntnis gut genug ist um in der realen Welt nützlich zu sein. Es gibt Dinge, die nach bisherigem Wissensstand wahrscheinlicher sind als andere. Uns an den wahrscheinlicheren Dingen zu orientieren bringt uns die Sicherheit, die wir benötigen um Handeln zu können. Es ist besser sich zu irren, als sich der Handlungsfähigkeit zu berauben.

Ein weiteres Beispiel: Die vegane Welt. In unserer Welt werden zu viele Tiere getötet. Veganer und auch Vegetarier sind der Meinung es ist falsch Tiere zu töten. Es wird eine Welt angestrebt und vertreten in der Mensch und Tier gleichberechtigt sind Tiere nicht zum Menschenwohl getötet werden. Dies ist ein edler Gedanke. Dennoch ist er für tatsächliches Handeln recht ungeeignet. Er behandelt eine Welt die nicht existent ist. Ob ich nun selbst Fleisch esse oder nicht ändert recht wenig am Leid der Tiere in der Welt. Andere Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden ist auch wenig hilfreich. Letztlich helfen wir mit einer solchen Weltanschauung nur unserem eigenen Gewissen, nicht aber der realen Welt. Das soll nicht bedeuten, dass man nicht vegetarisch oder gar vegan leben darf und/oder dies gut finden darf. Ich möchte lediglich darauf aufmerksam machen, dass zu sehr auf dem Gedanken der veganen Welt zu beharren für diese vegane Welt kontraproduktiv ist und uns handlungsunfähig macht. In der realen Welt leben viele Menschen, die Fleisch mögen und auf dieses nicht verzichten werden. Es ist sehr viel wahrscheinlicher und machbarer einen ökologischeren Fleischkonsum auf der Welt zu erreichen als eine fleischfreie Welt. In dem wir den Kompromiss akzeptieren können, dass ein biologischer Fleischkonsum besser ist als ein konventioneller Fleischkonsum machen wir uns und andere handlungsfähig, da dies eine verwirklichbare, relativ realitätsnahe Option ist. Verurteilen wir alle anderen Menschen und die gesamte Welt stehen wir allein da und nehmen uns die Möglichkeit tatsächlich Einfluss auf diese zu nehmen.

Philosophische Probleme sind spannend, aber oft haben sie mit der realen Welt wenig zu tun. Orientiert man sich an realen Problemen, so hat man auch die reale Option, diese wirklich lösen zu können. Befassen wir uns zu sehr mit der ideelen Welt, so verlieren wir den Bezug zur realen Welt. Doch wir leben in der realen Welt. Ein handlungsfähiger und mündiger Mensch muss Kompromisse eingehen können und seine eigenen Ideale zurückstellen können. Man muss die Welt betrachten wie sie ist.

Freitag, 3. Juni 2016

Grundsätzliches zum Menschenbild: Das Ich ist ein Körperliches

"Das Ich ist vor allem ein Körperliches, ..." 
Sigmund Freud

In diesem Beitrag befasse ich mich mal wieder mit etwas grundsätzlichem: unserem Ich. Unser Ich, das ist sind Wir, das ist unsere Geist, unsere "Seele", das sind unsere Einstellungen, Gedanken, Fähigkeiten, etc., die wir als uns zugehörig erleben. Das Ich ist das was uns ausmacht.

Schon Freud kam auf die fundamentale Erkenntnis, dass das Ich vor allem ein körperliches ist. Unser Ich ist an unserem Körper gebunden. Wir wir fühlen liegt in unserem Körper, in unserem Gehirn begründet. Bestimmte körperliche Dinge, bestimmte Ausprägungen von Botenstoffen im Gehirn, unsere Größe, unsere Anatomie hat von Anfang einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir die Welt verarbeiten und verarbeiten können. Wir sind gleichsam Ursache als auch Ergebnis unseres Körpers.

Es ist immens wichtig zu begreifen, dass wir uns selbst nur IN uns selbst erfassen können. Unsere spezifischen Gefühle sind gekoppelt an genau jene körperlichen Merkmale, die wir haben. Sie sind gekoppelt an genau diese Hirnbahnen die stärker ausgeprägt sind, oder schwächer. Es sind genau diese Kombinationen von körperlichen Merkmalen, die wir haben, die uns letztlich zu dieser individuellen Ich-Wahrnehmung führen, die kein anderer haben kann. Unsere Angst ist eine andere Angst, wie die Angst die andere Menschen haben, da diese nicht die selben körperlichen Konstitutionen haben wie wir. Wie schnell unser Herz schlägt, wie stark sich unsere Härchen aufstellen, wie stark der Schweiß von unserer Stirn rinnt, all das macht unser Gefühl der Angst für uns spezifisch. Würden wir uns selbst, unseren "Geist" aus unserem Körper entfernen, so verliert dieser seine Realität. Unser Geist, unser Ich ist nur in diesem Körper und in keinem anderen möglich. Sollte es eines Tages möglich sein unsere Gedanken, unseren Hirninhalt in eine anderen Körper zu verpflanzen, so sind wie nicht mehr Wir-Selbst. Wir sind auch nicht der, der mit diesem Körper geboren wurde. Unser Ich und unser Körper sind eine Einheit. Wer den Körper vergisst, der verliert auch sein Ich.

Letztlich will dieser diffuse Beitrag darauf hinaus, dass wir nur wir sind, weil wir diesen Körper haben. Unsere Ich-Qualität ist eine bestimmte Körperqualität. Wir sind materiell. Das was wir als immateriall wahrnehmen ist an seine materielle Grundlage gebunden. Wird sie, die materielle Grundlage dem Immatriellen entrissen, so verliert das immatrielle, unser Ich, seine Existenz.

Sonntag, 1. Mai 2016

Links ist europäisch.

UKIP, Front National, in Österreich die FPÖ und in Deutschland die AfD. In ganz Europa wächst das nationalistische Unkraut das sich nach der alten Welt sehnt. Weg mit dem Euro, Kompetenzen zurück in die Nationen, Grenzen dicht machen, Klimawandel leugnen, sexuelle Vielfalt verurteilen und die Kernfamilie als einzige Form des Zusammenlebens fördern. Alles in allem wollen die nationalistischen Parteien zurück in die 70er Jahre. Damals, wo noch alles ja so überschaulich war. Früher war ja alles besser. Wer Angst vor der Gegenwart hat, sehnt sich nach der Vergangenheit - die wenn man ein wenig psychologisches Wissen besitzt, sowieso nicht adäquat im Gehirn abgespeichert ist.

Die neue Rechte ist nationalistisch. Es fehlt die neue Linke, die die internationalistisch ist. Der heutige politische Kampf ist nicht mehr mit den alten Kategorien der 70er Jahre zu fassen. Der heutigen Rechten darf nicht mit einer Mitten-Durchwurstel-Haltung entgegen getreten werden. Es muss krachen. Wir brauchen wieder echte linke Politik, eine echte linke Identität, die sich nicht nur dahingegehnd erstreckt, dass man gegen das ist, was die Rechten fordern, sondern dass man selbst Visionen hat, selbst ein echtes Ziel. Wir müssen am anderen Pol stehen, müssen echten Kontrast zu den rechten Spinnern zeigen.
Aktuell ist nicht die Zeit für Grautöne. Wir brauchen Schwarz und Weiß. Wir brauchen Gut und Böse. Wir brauche Fortschritt gegen Verharrung. Europäisch gegen Nationalistisch.

Wenn das rechte Pack fordert die nationalen Grenzen zu schließen, muss Links heißen die Grenzen am Mittelmeer zu ziehen, die Grenzen der EU sind unsere Grenzen. Wenn das rechte Pack fordert Brüssel sämtliche Kompetenzen zu entziehen, um wieder "selbst entscheiden zu dürfen" muss gefordert werden mehr Kompetenzen an Brüssel abzugeben, denn nur so können wir tatsächlich wieder selbst entscheiden. Wenn das rechte Pack die nationale Währung zurückfordert muss klar werden, dass wir uns selbst ans Bein pissen. Es muss klar werden, wer nationalen Wohlstand will, dessen Nation ist die europäische. Wir müssen endlich einen richtigen europäischen Staat fordern. Einen Staat der den Konzernen ihre Macht entreißt, sodass wieder die Politik den Markt diktiert und nicht der Markt die Politik.

Wir dürfen den Rechten nicht das Feindbild der Gesellschaft vorgeben lassen. Das Feindbild darf nicht Osteuorpa oder der Islam sein. Unsere Feinde müssen globaler sein. Der Amerikaner, der uns nur als kleines Kind sieht und mit seinen Gesetzen meint das Universum einnehmen zu können. Der Russe, der unsere europäischen Grenzen nicht akzeptiert und nach dem Osten greift. Wir müssen uns als Linke als europäisch begreifen. Der Kampf für eine globale faire Welt kann nicht in einer Schlucht in den österreichischen Alpen stattfinden. Er muss ganz Europa umfassen.

Wenn die Rechte sich europäisiert und den Nationalstaat zurückfordert, muss sich die europäische linke Formieren und das Verteidigen, was wir bereits besitzen und die Schritte fordern, dass wir den Nationalstaat endgültig überwinden. Links muss heute europäisch sein, wenn rechts nationalistisch ist. Wir brauchen wieder Idenität. Wir müssen den Leuten ermöglichen sich für eine Seite entscheiden zu können. Unpolitisch zu sein darf keine Option sein. Wir brauchen einen richtigen Kampf zwischen Links und Rechts. So werden wir die Arschlöcher los. Und in 15 Jahren können wir wieder Politik der Mitte machen und uns in unseren Erfolgen baden.

Be european. Be left-winged.

Sonntag, 3. April 2016

Wer will ich sein, wo will ich hin, was möchte ich machen in der Zukunft?

2. Semester im Master. Das erste Semester war Krise. Zu wenig zu tun, kein Ziel, keine Aussicht auf Lösung. Die Frage war, was ist die Frage, für was muss ich Antworten finden? Der Mensch schreitet voran, zweifelt und weiß nicht woran. Nun weiß ich es. Es ist die ewige Frage, der ewige Konflikt der Zukunft. Was will ich sein? Wo will ich hin? Was ist mir wichtig? Was soll meine Position in der Gesellschaft sein.

Der Zeit sind meine Gedanken reichlich egal: Die Sonne geht auf und unter, Prüfungen kommen, Monate gehen. Es ist scheiße plötzlich an den eigenen Plänen zu zweifeln. Wenn man glaubt bereits seinen Weg gefunden zu haben, aber die Alternativen nicht vergessen kann. Wenn man nicht weiß, ob es dieser Weg ist, der einen glücklich macht.

Wer will ich sein? Möchte ich eine Führungspersönlichkeit sein? Oder möchte ich mein Leben einfach nur genießen? Möchte ich den ganzen Tag beschäftigt sein, um nach einem höheren Zweck - dem Verändern der Gesellschaft zu streben, oder möchte ich möglichst viel Freizeit haben und meine Freundschaften pflegen? Und überhaupt: Werden meine Freunde und meine Tätigkeit an einem gemeinsamen Ort sein? Was mich zur zweiten Frage bringt.

Wo will ich hin? Möchte ich in Innsbruck bleiben? Ist es die Stadt, die ich liebe, die Berge und die Natur oder sind es nur die Menschen, die hier leben? Wenn meine Freunde in alle Himmelsrichtungen ziehen, werde ich hier glücklich sein, selbst wenn ich das tue, was mir am besten gefällt? Und kann ich hier überhaupt all meinen Zielen nachgehen? Ist es möglich meinen Anteil an der Veränderungen der Welt zu bringen, wenn ich abseits zwischen den Bergen sitze, an einem Ort, der warm und schön ist, doch die Weltgeschichte nicht interessiert?
Was sind die Alternativen? Zurück nach Hause? Wohl kaum, dort gibt es nichts, nur meine Familie und Menschen, die ich liebe. Oder ist es das was ich will? Welche Stadt, welcher Ort soll der richtige für mich sein? Kann ich überhaupt in einer Stadt langfristig glücklich sein? Oder will ich womöglich doch zurück aufs Land?
Wenn alle Innsbruck verlassen, wenn ich meine Ziele verfolgen will und die garantierte Möglichkeit auf Menschen die ich mag erhalten will, gibt es dann eine andere Stadt als Ulm, die in Frage kommt? Nur ist Ulm das Ziel? Kann ich Innsbruck wirklich verlassen, solange hier noch Menschen sind, die auf meiner Wellenlänge sind und die ich ebenso liebe?

Es ist die entscheidende Frage der Zukunft. Was will ich machen? Möchte ich ein Wissenschaftler sein? Oder muss ich doch in die Politik streben, um die Welt zu verändern? Oder möchte ich ein langweiliges Standard-Leben führen, niemand besonderes sein, mich nicht von der Masse abheben, einfach nur meine täglichen Aufgaben bestreiten und den Rest in Beziehung, Freunde und Familie investieren?
Wenn ich Wissenschaftler werde, was ist das richtige Forschungsgebiet für mich? Ich dachte, ich möchte immer mehr wissen, dem Leib-Seele-Problem auf die Spur kommen und die Psyche im Gesamten verstehen. Raus aus dem Baum, zurück zur Beurteilung des Waldes. Doch wo ist meine Motivation geblieben? Wo ist mein Antrieb und Enthusiasmus die großen Fragen zu lösen? Ist dieses Thema tatsächlich nicht auf mein Leib geschrieben? Bzw. für was interessiere ich mich genau? Welche große Frage möchte ich im Detail lösen? Ich bin unentschlossen. Flirte mit dem Bayerneffekt. Back to the roots. Aber nicht ganz. Therapie reizt mich nicht, so viel weiß ich.

Ist es nur eine kurze Krise, eine dieser Quarterlife-Krisen, von denen ich gehört habe? Ich stehe weit oben auf dem Podest, kann die Kreuzung am Gipfel fast sehen. Ich bin unentschlossen, welchen Weg ich nehmen soll. Lande ich vielleicht doch in der Arbeits- und Organisationspsychologie?

Mein Weg war stets geradlinig, mein Lebenslauf auf Forschung ausgerichtet. Der Konflikt Karriere Versus Menschen wurde jedes Mal zugunsten der Karriere entschieden. Ich stehe am Scheideweg und muss mich wieder entscheiden. Wer will ich sein, wo will ich hin, was möchte machen in der Zukunft?
Der Weg war das Ziel, die Ausbildung geht zuende. Bin ich schon am Ende? 

Donnerstag, 25. Februar 2016

Es kotzt mich an!

"Man muss die Ängste der Menschen ernst nehmen."
Da kommen fremde Menschen in einer riesigen Zahl. Sie haben Angst um ihr Territorium, Angst um ihre Kultur. Angst nachts rauszugehen, da fremde Männer ihre Frauen begrapschen könnten. Die Menschen wollen weniger Fremde, weniger, weniger, weniger Fremde. Man schließt die Grenzen. Man verschärft das Asylrecht. Man versucht die Ängste der Menschen ernst zu nehmen.

ES KOTZT MICH AN!

Diese Scheiße, die hier überall abgezogen wird. Dieser Mist, den Politiker verzapfen. Dieser nationalistische Egoismus in ganz Europa. Grenzen schließen, die Probleme an andere weiterreichen. Problemelösefähigkeit gleich Null. Die Politiker reagieren wie Angstgestörte. Vermeidungsverhalten wird propagiert. Doch Vermeidungsverhalten bringt nichts: ES VERSTÄRKT DIE FUCKING ANGST DER LEUTE!

Hört endlich auf, euch von der Realität wegzuducken. Hört auf einer ganz einfachen Situation Komplexität zuzuschreiben, die gar nicht da ist. Es werden Menschen in Syrien umgebracht. Es werden Menschenrechte verletzt. Es wird die Existenzgrundlage vieler Menschen zerstört. DAS IST DIE WAHRHEIT. Die Menschen kommen zu uns, weil es hier SICHER ist. Sie wollen nicht unsere Kultur zerstören. Sie wollen nicht unsere Frauen vergewaltigen. Sie wollen nicht ordentlich bei uns abkassieren. Sie sind auf der Flucht. Und es werden nicht weniger Menschen werden. Ob wir jetzt unsere Grenzen schließen, oder nicht. Die Menschen werden kommen über irgendwelche Wege. Stellen wir einen Zaun auf, wird er zerschnitten. Ziehen wir eine Mauer, fliegen sie mit Ballons darüber. Und was sollen wir dann tun? Sie abschießen? Umbringen, weil sie davor flüchten umgebracht zu werden?

Welche reale Bedrohung für uns gibt es denn? OH MEIN GOTT. Wird halt ein bisschen weniger Deutsch auf den Straßen gesprochen. Sind halt einmal ein paar Jahre größere Ausländeranteile in unseren Schulklassen. Das ist nicht schlimm!

Alle ducken sich weg. Meinen innerhalb ihrer Grenzen Schutz zu finden. Wieder an Mamas Zitze saugen zu können. Aber das wird nicht geschehen. Wir müssen aufhören damit, endlich aufhören.

Es wird Zeit europäisch zu denken! Wenn ein verdammter Flüchtling in Griechenland am Strand steht, dann darf er nicht in Griechenland Asyl beantragen, sondern in EUROPA! Die Grenze Deutschlands oder Österreichs verläuft an der griechischen Küste. Und das bedeutet nicht, dass man auf Griechenland zeigen muss. Das bedeutet, dass wir GEMEINSAM die Grenzen sichern müssen. Menschen GEMEINSAM nach Europa holen. Und diese Leute dann verteilen.

Wenn man vor etwas Angst hat, duckt man sich nicht weg, versteckt man sich nicht. Die Angststörung darf nicht das Ziel sein, sondern die Löschung der Ängste. Ängste löscht man durch Konfrontation, nicht Vermeidung.

Sonntag, 3. Januar 2016

Studentischer Jahresrückblick: das dritte Jahr des Bachelors, der Beginn des Masters

Der Bachelor ist vorbei, der Master hat begonnen. Seit Monaten habe ich keine Prüfungen mehr schreiben müssen, habe wenig neues gelernt. Dennoch sind Diskussionen entstanden und ich habe viel über meine Wissenschaft nachgedacht. Zeit zurückzublicken.

Methoden der Kritische Psychologie Vs. konventionelle Psychologie
Erfasst die konventionelle Psychologie die menschliche Psyche korrekt? Sind die Methoden der Psychologie, die Statistik, das Reiz-Reaktions-Modell geeignet um Menschen korrekt zu beschreiben oder haben sie keine Aussagekraft und denken zu kurz? Dies sind Fragen, die sich einige in unserem Studiengang stellen. Meine Meinung ist, dass die statistische Erfassung des Menschen sehr wohl geeignet ist den Menschen und seine Psyche korrekt zu beschreiben. Natürlich wird der Mensch nicht komplett und umfassend in jedem Moment eines Experiments erfasst. Wie sollte das auch möglich sein? Damit Wissenschaft funktionieren kann, muss sie reduzieren. Modelle sind nötige Vereinfachungen der Welt, die sie verständlicher machen.

Psychologie über oder für den Menschen?
Ist es die Aufgabe der Psychologie dem Menschen Fragen zu liefern, mit denen er besser über sich selbst reflektieren kann? Sind Erkenntnisse über den Menschen auch Kenntnisse für den Menschen, die ihm helfen können? Ich bin mir sicher, dass eine Psychologie über den Menschen der richtige Weg ist. Die Psychologie begreift den Menschen aus der Objektsicht und nicht aus der Subjektsicht. Das Subjekt ist irrelevant für das große und ganze. Eine Wissenschaft, die sich schlicht und ergreifend mit einem einzigen Individuum beschäftigt und dessen Gedanken über die Welt, wird keine oder kaum Erkenntnisse erzielen, die uns weiter bringen. Indiviudalsicht ist eine interessante Seite der Psyche, aber nicht die entscheidende. Die Psychologie über den Menschen ist der richtige Weg.

Homo rationalis oder homo biologicus
Ist der Mensch minderwertig und Maschinen unterlegen? Ist er irrational und muss durch Algorithmen verbessert werden? Oder ist er biologisch gut, evoltionär angepasst? Befasst man sich mit Entscheidungen, so gibt es 2 Meinungen: Der Mensch ist nicht rational und muss aufpassen oder er ist rational im Sinne von gut an die Umwelt angepasst. Ich persönlich denke, der Mensch ist nicht rational, aber das ist nicht schlimm. Vollkommen rational zu sein ist biologisch nicht möglich und vermutlich auch nicht einmal sinnvoll. Der Mensch funktioniert gut als heuristisches Wesen, dass die Umwelt vereinfacht und nur "gute" und keine "perfekten" Entscheidungen trifft. Er erfüllt seinen Zweck. Natürlich trifft er auch miese Entscheidungen und manchmal sind rationale Überlegungen sinnvoll. Dennoch ist es wichtig den Mensch so zu begreifen WIE ER IST (biologicus) und nicht  WIE ER SEIN SOLLTE (rationalis).


Leib-Seele-Problem:
X verändert das Gehirn! Wtf. Natürlich. Die Psyche, der Geist ist nichts anderes als das Gehirn. Es kann nichts anderes als das Gehirn verändert werden, da das Gehirn der Spiegel unseres Geistes ist. Synapsen wachsen und Neuronen entstehen genau dort, wo sie verwendet werden. Wir werden irgendwann vielleicht verstehen wie genau unser Geist, Gedanken entstehen, es ist jedenfalls bereits klar, dass diese materieller Basis sind. Der Geist ist eine eigene Ebene, die verstanden werden muss, mit rein biochemischer Untersuchungen im Gehirn, wird man niemals einen konkreten Gedanken verstehen können. Dennoch beruht dieser Gedanke auf biochemischen Prozessen. So wie die Chemie auf physikalischen Prozessen beruht und dennoch ein Studium der Physik nicht ausreicht, um Chemie vollständig zu verstehen.


Welche Themen faszinieren mich?
Mich interessiert wie der Mensch funktioniert. Ich möchte die Prozesse kennen, möchte die Psyche möglichst adäquat bezeichnen. Ich möchte jedoch auf einer allgemeinen Basis bleiben. Ich glaube, dass das Arbeitsgedächtnis hier wichtig und interessant ist und auch Heuristiken sehr hilfreich sind. Heuristiken sind Daumenregeln und helfen Entscheidungen und Verhalten von Menschen zu verstehen. Sie prägen uns auch als selbsterfüllende Prophezeihungen.


Welchen Fächern fühle ich mich am nahsten?
Mein Herz schlägt immer mehr für die Allgemeine Psychologie. Ich möchte grundsätzliche Dinge erforschen und nicht einen kleinen Teilraum erkunden. Sozialpsychologen erforschen Gebiete, die teilweise interessant, aber auch teilweise überflüssig sind. Wen interessiert schon inwiefern das Essen die Persönlichkeit prägt? Die Situation ist die Hauptdeterminante des Verhaltens. Möchte man einen Menschen verstehen, so muss man die Situation kennen und die allgemeine Prozesse.


Wo sehe ich meine Zukunft in der Psychologie?
Ich sehe meine Zukunft in der Forschung. Ich möchte mehr wissen, immer mehr. Ich kann mir aber auch vorstellen mithilfe meiner Kenntnisse in Anwendungsgebieten zu helfen. Klinische Psychologie kann ich mir keinesfalls vorstellen. Ich möchte in einer anderen Ebene arbeiten, die die vor der Störung steht.

Donnerstag, 19. November 2015

Modell des Alltagshandelns: Die Werkstattmetapher

Dieser Beitrag bezieht sich direkt auf einen älteren Post von mir und meinem postulierten Modell des Alltagshandelns. Ich versuche das Modell in einer Metapher darzustellen, um es besser verständlich zu machen.

Die Werkstattmetapher.
Man stelle sich das LZG als Werkstatt vor in der jede Menge Werkzeuge gelagert sind. Diese Werkzeuge sind Prinzipien, Prozesse und Fähigkeiten, über die wir bescheid wissen (Heuristiken). Es existieren Anleitungen für alle Werkzeuge, die praxisnah, in bildhafter und anekdotenhafter Form zeigen, wie und wo man ein bestimmtes Werkezug anwenden kann(episodische Fakten). In der Mitte steht ein Tisch auf dem das Werkstück liegt, das man gerade bearbeitet. Die Arbeiter in der Werkstatt beobachten die Tätigkeit des tätigen Monteurs(Priming), dem Ich, und holen permanent Werkzeuge, damit er jederzeit das richtige Werkzeug zur Hand haben kann (aktivierte teile des LZG). Da der Monteur nur mit den Werkzeugen arbeiten kann, die er zur Hand bekommt, bestimmen die Arbeiter gewisserweise seine Handlungsfähigkeit. Er kann jedoch den Arbeitern auch Befehele erteilen, um an das Werkzeug zu kommen, dass er gerade benötigt. Dem Monteur stehen einige Beobachter zur Seite, die ihn auf Fehler hinweisen oder falls nötig auch selbst eingreifen, ihm das Kommando entreißen (Monitoring). Um neue Werkezuge zu entwicklen, vorhandene zu modifizieren oder die Anleitungen zu verändern stehen dem Monteur einige Ingenieure zu Verfügung, die meist selbständig arbeiten, jedoch auch vom Monteur dirkte Anweisungen erhalten können (implizites und explizites Lernen). Die Zusammenarbeit in dieser Werkstatt verläuft meistens flüssig und erfolgreich, sodass die Tätigkeit an den Werkstücken in der Regel keine Probleme verursacht.

Welche Aussagen werden in dieser Metapher nun also getroffen?

1. Das LZG ist nicht als träge Bilbiothek oder Festplatte zu verstehen, in der Informationen kleinlich genau archiviert werden. Es ist viel mehr eine Art Abenteuermuseum, in der zu jedem Artefakt lebendige Geschichten erzählt werden, die seinen Zweck und seinen Hintergrund illustrieren.

2. Das Ich ist ein Akteur, das in großem Maße von anderen Faktoren determiniert wird, weil ihm dies enorme Vorteile bringt. Es ist der Entscheider und das ausführende Organ, die Exekutive, kann Befehle erteilen, muss dies aber meistens nicht, da es sich auf die Akteure im Hintergrund verlassen kann. (In etwa wie ein führender Politiker, der zwar klar die Entscheidungsgewalt hat, jedoch trotzdem in großem Maß von der richtigen Arbeit seiner Mitarbeiter abhängt.)

3. Das Gehirn bereitet sich in jedem Moment auf mögliche Folgesituationen vor, in dem es bestimmte Hirnbereiche und damit Wissen voraktiviert, damit schnell darauf zugegriffen werden kann.

4. Es werden permanent neues Wissen angelegt, altes modifiziert und verändert. Stichworte: Akkumodation und Assimilation

5. Neben der bewussten Überwachung des Ichs existiert auch eine weitere implizite Kontrollinstanz, die uns kurzzeitig die explizite Kontrolle entreißt, sollte es nötig sein.

6. Man bearbeitet immer nur eine Aufgabe im Aufmerksamkeitsfokus.


Welche Fragen bleiben offen?

Welche Rolle spielen Emotionen? Diese kommen in dieser Metapher und dem Modell nicht vor, obwohl sie eine entscheidende Rolle spielen müssen.

Wenn nur eine Aufgabe bearbeitet wird, wie gehen wir mit komplexen und vielfachen Anforderungen im Alltag um bzw. wie wird entschieden, was in den Aufmerksamkeitsfokus kommt?

Sind wir immer tätig? Oder was passiert, wenn wir nicht tätig sind?

Und vermutlich einige weitere.


Insgesamt versuche ich mein Modell des Menschen zu verfeinern und dem Menschen gerechter werden zu lassen. Ich finde es ist die Aufgabe eines Psychologen nicht nur Fachwissen in vielen Einzelgebieten zu erzielen, sondern dieses Wissen auch zusammenzubringen, um dem Verständnis des Waldes bzw. der Psyche im Gesamten immer näher zu kommen. Zu tief in den Baum zu schauen führt dazu, dass der Blick auf das Wesentliche verloren geht.

Freitag, 30. Oktober 2015

Was ist eigentlich Intelligenz?

Was ist eigentlich Intelligenz? Wir verwenden diesen Begriff extrem häufig, ohne zu wissen, was er eigentlich aussagt. Intelligenz im Sinne des IQ ist schnell erklärt: Die Fähigkeit zur höheren Bildung. Intelligenztests wurden dazu entwickelt, Schulkinder den richtigen Leistungsgruppen zuzuordnen (und auch fürs Militär, aber das ist eine andere Geschichte). Was der IQ aussagt, ist letztendlich aber nicht intelligentes Verhalten, sondern lediglich, ob man eine Neigung oder Fähigkeit zu einer bestimmten Art und Weise des Denkens hat.

Was ist nun aber intelligentes Verhalten? Ist KI, künstliche Intelligenz in der Tat intelligent? Jeder, der schon einmal das eine oder ander Computerspiel gespielt hat, ist mit NPCs vertraut. Diese Charaktere werden vom Computer gesteuert. Insbesondere in RPGs haben sie die Aufgabe auf bestimmte Reize zu reagieren, z.B. einen Angriff eines Tieres oder anderen Feindes. Sie sind darauf programmiert ihre Waffe zu ziehen und Kampfhandlungen auszuführen und mit genügend Lebenspunkten schaffen sie auch einen Kampf zu bestreiten. Sie sind nun deswegen intelligent? Wer gerade ältere Spiele kennt, war sicher schon einmal in der Situation in der ein NPC-Begleiter sich scheiße dumm verhalten hat, z.B. lief die Figur gegen einen Baum und schaffte es nicht an ihm vorbeizulaufen, oder sie fiel zwischen zwei Felsen udn schaffte es nicht herauszuspringen. Die NPCs der neuren Spiele sind schon weniger dumm: Sie bleiben nur noch sehr selten in Felsspalten hängen oder laufen gegen Bäume. Ihre Reaktionsfähigkeit wurde verbessert, sie sind genauer programmiert, verfügen über mehr Wissen.

Hier sind wir an einem Punkt angelangt der für Intelligenz unheimlich wichtig ist: Wissen. Intelligenz ist zum einen mal die Fähigkeit Wissen anzuwenden. Ein NPC ist intelligenter, wenn er auf mehr Merkmale in der Umwelt des Spieles reagieren kann und dafür adäquate Logarithmen anwenden kann. Wenn man aber merkt, dass ein NPC in einem Kampf gegen Feinde nicht ordentlich zurückwicht, nicht flüchtet, wenn er den Kampf klar verlieren wird, nicht einmal eine andere Taktik versucht, so zeigt sich schnell, weshalb ein realer Spieler intelligenter ist: Er kann sein Verhalten anpassen, er kann LERNEN.

Hier sind wir am zweiten, dem wichtigeren Punkt der Intelligenz angelangt: Intelligenz ist Lernfähigkeit. Wenn man etwas lernen kann, kann man sich an eine Umwelt anpassen, kann man neue Fähigkeiten generieren. Ein gutes Beispiel ist hier ein Hund: Ein Hund, dem man schnell neue Fähigkeiten beibringen kann gilt als intelligent, denn er ist lernfähig. Erlebt er eine Situation mehrmals, wird er mit gewisser Lernfähigkeit sich beim zweiten Mal adäquater verhalten. Ein NPC macht das nicht.

Hier haben wir also die zwei wesentlichen Aspekte der Intelligenz herausgestellt: Die Fähigkeit Wissen zu generieren, zu lernen und die Fähigkeit Wissen anzuwenden. Mit diesen zwei Fähigkeiten kann immens intelligentes Verhalten vollbracht werden: Affen z.B. können Lernen, dass sie mit Stäben besser bestimmte Aufgaben verrichten können. Die meisten, oder wahrscheinlich alle Säugetiere handeln nicht nur instinktiv, sondern lernen sehr wohl auch über Reize in der Umwelt, die sie lieber meiden oder die sie nicht meiden müssen.

Ein dritter Faktor, der für Intelligenz sehr wichtg ist, stellt die Umwelt dar. Die Umwelt ist dabei vor allem wichtig für die Einschätzung der Intelligenz. Ein Organismus, ein NPC, was auch immer kann nur so intelligent sein, wie seine Umwelt ihm die Möglichkeit dazu bietet. Ein gutes Beispiel ist Mario in diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=qv6UVOQ0F44 .
Mario kann hier lernen sich an seine Umwelt anzupassen, seinen Gegnern auszuweichen, in den richtigen Momenten zu springen. Mario ist in der Tat sehr gut an seine Umwelt angepasst und verhält sich intelligent. Mario kann aber nicht intelligenter werden. Er hat beschränkte Verhaltensmöglichkeiten und beschränkte Anforderungen. Mario in für diese Umwelt maximal intelligent, denn er kann mit allen Anfordernissen umgehen und kann alle Verhaltensmöglichkeiten ausschöpfen. Eine höheren Intelligenz, ein intelligenteres Verhalten ist nur möglich, wenn man Mario in eine komplexere Welt mit mehr Verhaltensmöglichkeiten steckt.

Das ist also intelligentes Verhalten. Interessant bleibt am Ende die Frage, ob diese 3 Bedingungen ausreichend sind, um z.B. "Bewusstsein" bzw. eine Persönlichkeit zu erzeugen. Ich selbst meine: ja. Andere würden mir vermutlich widersprechen. Wie Lernfähigkeit, Anwendungsfähigkeit und Umwelt für die Entstehung einer Persönlicheit zusammenwirken und waurm sie wohl hinreichend sind, ist aber eine andere Frage, der ich mir ein anderes Mal widmen werde.